Angst

Ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis der Deutschen glaubt ein Autor auf Welt.de heute zu erkennen. Legale Waffen wie Pfeffersprays und Schreckschusspistolen wie auch scharfe Waffen seien gefragt wie nie. Die Menschen hätten offenbar Angst. Doch wovor?

Vor Putin natürlich, meine ich. Schon wie der immer guckt. Irgendwie hinterhältig, gar nicht so nett und freundlich wie Mutti oder Mister Obama. Homophob ist der doch bestimmt auch, sieht man doch schon. Und in 15 Minuten könnten die Russen auf dem Kurfürstendamm stehen, das wusste der wackere Udo Lindenberg schon in den 80ern zu singen. Diese putinschen Eroberungsgelüste, von denen immer berichtet wird, das ist es doch, was die Bewohner von Mittelerde, also die Menschen da draußen ängstigt. Syrischer Boden wird zu allem Übel noch mit den Trümmern seiner abgeschossenen Flugzeuge verunreinigt.

Oder fürchten sich die Deutschen etwa vor den hierzulande (je nach Region) wieder heimisch gewordenen Wölfen und sonstigen einwandernden Predatoren, wie ebenfalls vermutet wird?

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Was sonst könnte die Menschen hierzulande derart stark ängstigen, dass sie sich mit Waffen eindecken? Vielleicht die vielen Nazis und Rassisten, die hierzulande ihr Unwesen treiben? Zum Glück vermehren die sich aber auch nicht mehr, worauf der gute Gregor Gysi vor geraumer Zeit augenzwinkernd schon mal hingewiesen hatte. Somit alles Quatsch. Sinnlose Panikmache, Mädels. Immer ruhig bleiben und die Beine stillhalten.

PS: Ihr könnt auch gern mal in die Kommentare reinschauen (oder -schreiben), Leute. Die sind manchmal lesenswerter als der Beitrag selbst. Freut mich insbesondere, wenn so wie hier auch mal eine Diskussion erweitert oder in eine andere Richtung angestoßen wird, einen neuen Drall bekommt. Bin wirklich dankbar für solche Anregungen, Meinungen, Kommentare. Die sind das Salz in der Suppe jedes Blogs. Meine Dankbarkeit kennt da keine Grenzen. Oder doch? Wenn, dann ist sie natürlich – so wie meine Welt – durch die Grenzen meiner Sprache definiert (frei nach Wittgenstein).

Abb.: Einigen ausgewählten Kommentatoren wird gestattet, ihren (diffusen, aber unbegründeten) Ängsten unter dem Artikel Ausdruck zu verleihen.
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Quelle/Screenshots: http://www.welt.de/wirtschaft/article149324141/Deutschland-hat-Angst-und-greift-zur-Waffe.html

8 thoughts on “Angst”

  1. Ah, ich musste eben noch einmal kurz lesen, was ich oben geschrieben hatte. Hmm, was wollte ich überhaupt damit ausdrücken. Im Grunde ist es ja egal, aber…

    Die gezielte Irreführung bestand hier darin, dass das, was oben stand, nicht wirklich was mit “Angst” bzw. Furcht zu tun hatte, glaub ich. Das hat der Autor tatsächlich nur insinuiert. Wobei ja Angst und Furcht eigentlich zwei unterschiedliche Dinge sind, wie mir gerade ungünstigerweise einfällt (Furcht ist die Angst vor einer bestimmten Bedrohung/Gefahr, z.B. vorm bösen Wolf). Angst hingegen, so lehrt jedenfalls die Psychologie, ist nicht objektbezogen. Man spricht wohl auch von “unbegründeten” und “begründeten” Ängsten, was m.E. oft missverstanden wird, weil unbegründet in dem Fall ja nicht etwa unberechtigt oder eingebildet bedeutet/bedeuten muss. Würde ich mir jedenfalls net anmaßen, drüber zu urteilen. Angst ist schon eine natürliche Gefühlsregung, die ungesteuert bzw. unwillkürlich eintritt. Im Laufe der Evolution war’s ja ein Überlebensvorteil, potentiellen Gefahren oder unbekannten Phänomenen eine gewisse Scheu / Angst entgegenzubringen; eine Phobie ist eben nichts anderes. Wer kann schon behaupten, dass er sich nie vor etwas gefürchtet hat? Ich kannte mal eine Freundin, die aus Angst (bzw. aus Furcht) vor einer winzigen Maus aus einem Ruderboot gesprungen ist, obwohl sie nicht besonders gut schwimmen konnte. Angst hat also auch eine erfrischende bzw. mobilisierende Wirkung. ;-)

    Aber Respekt ist schon ein interessantes Stichwort, DL. Wird ja heute viel häufiger gebraucht als früher, so mein Eindruck. Fordern ja viele von vornherein Respekt für sich ein. Wohingegen ich auf dem Standpunkt stehe: Respekt muss man sich verdienen, oder man hat ihn eben schon; man kann keinen Respekt einfordern/in jemanden hineinprügeln, wenn der Gegenpart dir offenbar keinen Respekt zollt. Das Opfer hat dann auch keinen Respekt, sondern Angst. Hat sich da nicht auch ein schleichender Bedeutungswandel ergeben, so wie beim Ehrbegriff? (Gibt ja viele Begriffe, die sozusagen umgewidmet werden, ohne dass man noch hinterfragt, was es jetzt konkret bedeutet und ob es dann zutreffend ist… So wie bei neoliberal übrigens auch, was ja heutzutage als Schimpfwort o. politischer Kampfbegriff zementiert ist.)

    Respekt: 1.) auf Anerkennung o. Bewunderung beruhende Achtung (Hauptbedeutung, denke ich);
    2.) Ehrfurcht oder Scheu vor jemandem (oder etwas), der/das in irgendeiner Hinsicht (Hierarchie, Fähigkeiten, Stärke) über einem selbst rangiert, eine höhere Stellung hat (bzw. vor einer schwierigen Aufgabe).
    So und diese zweite Bedeutung ist immer etwas knifflig.
    Ich sag z.B. oft auch, ich habe Respekt vor deiner Leistung oder ich hab Respekt vor dieser langen Laufstrecke. Aber ich sag z.B. nie: “Die Bullen haben keinen Respekt vor mir.” Denn warum sollten sie auch? (“Bullen” würde ich ja sowieso nie sagen.) Ich bin weit vom Thema dieser Einlassung abgekommen. Hätte das in ein extra Posting verschieben sollen.
    Danke fürs Lesen, Freunde. Bitte weiterklicken!

    PS: Ja, Philipp, ich les ja eh nur ganz wenig Presse bzw. konsumiere kaum derartige Medienprodukte, daher gelegentlich mal ein Blick … Apropos “Welt”. Die haben ja so eine Art Bezahlschranke, d.h. nach 20 gelesenen Artikeln kommt dann eine Zahlungsaufforderung/-bitte. Die man natürlich umgehen kann, indem man z.B. den Browser-Cache bzw. die Cookies löscht.
    Daher dachte ich, das Thema Bezahlschranken und Abomodelle/Finanzierung von Portalen/Blogs wäre auch mal interessant, d.h. ob bzw. warum die im Web nicht funktionieren.

    1. Respek(tive): Einspruch!

      Respekt, warum immer nur der Respekt Mensch vor Mensch? Erweitere Deinen Horizont, trink meinetwegen etwas und denke darüber nach, wovor man noch Respekt haben kann. Ich verbeispiellere das mal als “Gruftie”:

      Angst vor dem Tod ist unnötig und sinnlos. Respekt vor dem Tod ist angebracht. Der Tod kommt sowieso und sich davor zu fürchten bringt nichts. Angst zu haben vor einer Sache, die unweigerlich eintritt. Den Tod akzeptieren als Begleiterscheinung des Lebens, aber dafür Respekt davor haben.Sowohl vor dem Leben als auch vor dem Tod. Angst bringt dich da nicht weiter. Wenn man die Sache so betrachtet und verinnerlicht, akzeptiert, dann sieht das ganze Spiel viel erträglicher aus.

      Wie eine Spinne. Ich respektiere Spinnen als Teil der Natur mit einer sinnvollen Aufgabe. Angst ist dabei ebenso übertrieben. Warum fürchten? Die Dinger scheuen uns mehr als wir sie. Solche Punkte muss man sich einfach verinnerlichen, das ist der Unterschied. Angst lähmt, Respekt lässt handeln.

  2. Jetzt verstehe ich, worauf sich dein erster Kommentar bezog, Dark Lord. War ein Missverständnis. Hätte sonst nichts weiter dazu geschrieben. Wenn du das so als bewusste Entscheidung siehst (keine Angst zu empfinden, sondern stattdessen Respekt zu empfinden), ist das doch für mich völlig okay! Philosophisch betrachtet kann man das auch so sehen.

    Wobei ich Respekt (ergänzt: vor dem Tod) in deinem Sinne aber (nach meinem Sprachverständnis) eher als fatalistische Akzeptanz deuten oder bezeichnen würde. Wohlgemerkt, wenn man sich bemüht, auf gedanklicher Ebene etwas Unbegreifliches als unabänderlich hinzunehmen; ich unterwerfe mich somit dieser Macht des Schicksals, akzeptiere sie. Das hängt aber einfach mit der mir geläufigen Bedeutung des Begriffs Respekt zusammen, wie ich geschrieben hatte – nicht mit der Frage nach Respekt an sich. Aber Benennungen sind immer fließend, Bedeutungen eines Begriffs wandeln sich, neue semantische Subebenen entstehen. Kein Prob.

    Wir haben da vielleicht aneinander vorbeigeschrieben.
    Ich meinte die Angst eines Individuums aus evolutionärer Sicht bzw. in einem biologistischen Ansatz: Angst als ein unbewusst ablaufender Prozess: Todesangst basiert auf dem Selbsterhaltungstrieb, der jedem Wesen innewohnt, -> löst einen Flucht- oder Kampfreflex aus (ich kann mich retten und überleben) oder lähmende Wirkung (regungsloses Verharren im Versteck kann u. U. ebenfalls sinnvoll sein).
    Es ist eine kaum steuerbare, reflexartige Regung, über die man als Mensch jetzt trefflich philosophieren kann, aber die man als Lebewesen im Angesicht höchster Todesgefahr und Verzweiflung wahrscheinlich nicht kontrollieren oder ausblenden kann.

    Angst vor dem Tod ist unnötig und sinnlos. – Mag sein, auf einer philosophischen Metaebene stimme ich dir ja zu (selbst in nüchternem Zustand ;-)), aber wie oben beschrieben, biologisch/evolutionär gesehen nicht, denn da ist sie durchaus sinnvoll.

    Der Tod kommt sowieso und sich davor zu fürchten bringt nichts. – Der Tod ist sicher, aber der Zeitpunkt nicht. Lebenszeit! Das Leben ist eh kurz. Warum diese für jedes Wesen kostbare, aber unvermeidbar verrinnende Lebenszeit nicht so lang wie möglich auskosten? Ist das nicht der eigentliche Zweck des Angstmechanismus: Durch Vermeidung von Gefahren das eigene Überleben (und das der Sippe) sichern?
    Oder aus einem andern Winkel gesehen: Man fürchtet nicht den Tod, sondern den Verlust von Lebenszeit.

    1. Na ja, und eine echte Phobie hat man halt oder auch nicht. Die kann man nicht wegdiskutieren. Ich hab ja z.B. keine Angst vor Spinnen; und eine richtige, tief verwurzelte Arachnophobie, die kann man auch therapieren und die Ängste vor Spinnen nehmen. Aber die Angst zu nehmen, heißt nicht Respekt einflößen oder? Ich habe halt keine Angst vor Spinnen, aber Respekt? Aber das ist einfach auch wieder eine Frage der subjektiv zugeschriebenen Wortbedeutung. Ich sehe sie als nützliche Wesen, die ich ignorieren kann, also in Ruhe lasse.

      1. Respekt – da hab ich es doch noch hinbekommen, den Sinn meiner Worte zu verklardeutlichen. Respekt vor dem Tod bedeutet aber auch nicht gleichzeitig, diesen leichtfertig hinzunehmen. Da komme ich auf das nächste passende Wort: Ehrfurcht. Respekt hat auch viel mit Ehrfurcht zu tun, obwohl Ehrfurcht auch Angst bedeuten kann. Ach wir Deutschen mit unserer komplizierten Sprache und den tausend Bedeutungen für nur ein Wort …

        Kleines Beispiel aus dem beruflichen Alltag: Ich hätte gern dasselbe. Wenn mir ein Gast das sagt, verschränke ich die Arme, grinse ihn schief an und kommentiere nur noch trocken: Viel Spaß beim Kampf um den Teller. Keinen Respekt vor den Gästen – ich Mensch aber auch.

        Lustiger wird’s ja, wenn jemand sagt, der Kunde sei König. Das wird ebenfalls trocken kommentiert mit den Worten: Und ich bin ein Halbgott in weiß. Ihr müsst mich nicht unbedingt anbeten, aber so ein wenig Ehrfurcht, das hätte schon was … Und wieder einmal, kein Respekt der Typ. also wirklich.

        Nichtsdestotrotz könnte wir das noch ein paar Ellen länger versaubeuteln, aber irgendwie fehlen nach den 60 Stunden durch fehlende Kollegen Motivation und Laune.

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