Aufgespießt

Zitronen1Da mir vom freundlichen Betreiber dieses Blogs für den heutigen Text nur eine begrenzte Wortzahl (max. 500 Wörter abzüglich dieses Satzes) nicht polemischen Inhaltes zugestanden wurde, möchte ich mich entgegen meiner sonstigen Gewohnheit kurz fassen. Da momentan nicht viel passiert oder keine überraschenden bzw. erwähnenswerten Ereignisse die Aufmerksamkeitsschwelle meines gedanklichen Universums überschreiten, kann ich mich heute ausnahmsweise einem gewichtigen philosophischen Thema zuwenden. Gestern beim Laufen kam mir nämlich kurz vor dem Sonnenstich folgende Frage in den Sinn:

Wie viele Engel lassen sich mit einer Stecknadel aufspießen? Also stellt euch vor, man hätte die Engel wie auf einem Schaschlikspieß ganz dicht nebeneinander auf einer Nadel stecken, um sie beispielsweise auf kleiner Flamme langsam zu rösten, bis sie schön braun sind. Wie viele passen da drauf? Hmm, knifflige theologische Frage oder?

Nun, nähern wir uns der Antwort auf anderem Wege: Im tiefen Mittelalter wurde einst von einem gewissen Thomas von Aquin schon mal die sinnreiche Frage aufgeworfen, wie viele Engel auf einer Nadelspitze tanzen könnten. Nun, gut, könnte man einwenden, die Frage ist im Gegensatz zu der von mir gestellten unsinnig, denn warum sollten sie tanzen wollen? Haben ja keinen Grund zu tanzen, denn sie haben einen Job zu erledigen. Wie viele Engelswesen könnten also generell auf einer Nadelspitze Zuflucht finden? Ist der Platz auf der Spitze begrenzt? Nein. Ist nicht immer Platz auch in der kleinsten Hütte? Na klar doch. Ist ein noch so kleines Boot jemals voll? Natürlich nicht, das wissen wir.
Auch verkomplizieren irrationale spastische Tanzbewegungen jede etwaige Berechnung des Platzbedarfs unnötigerweise. Nach den Gesetzen der Quantentheorie müssten die (sich teilweise überlappenden) Engel ohnehin mit Lichtgeschwindigkeit tanzen.*

Soweit ich mich erinnere, einigte man sich irgendwann auf die Antwort: So viele, wie wollen. Natürlich ist das (aus unterschiedlichen Gründen) falsch. Denn es müsste heißen: So viele, wie man sich vorstellen kann. Bei der Problematik des Schaschlikspießes kommt erschwerender- oder erleichternderweise hinzu, dass die Länge des winzigen Spießes (nach hinten) theoretisch unbegrenzt sein kann. Nur die spitze Seite müsste fest definiert sein, da man das photonisierte Engelsfleisch irgendwie aufspießen muss. Dafür tanzen die Engel dann aber nicht, sondern zappeln höchstens noch eine Weile herum. Somit wäre auch die Zahl der Engelsröstungen quasi unendlich bzw. nur durch unser Vorstellungsvermögen begrenzt.

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*Bisherige Berechnungen, z. B. jene von Sandberg, der eine maximale Anzahl von 8,7*1049 Engeln ermittelt hat (vgl. Sandberg, Royal Institute of Technology, Stockholm), gehen m. E. teilweise von falschen Annahmen aus. Es dürfte fraglich sein, ob jeder Engel jeweils nur ein einziges Bit an Informationen (gefallen/nicht gefallen) enthält. Im Islam z. B. gibt es meines Wissens nur „gute“, keine bösen Engel, die aber eindeutig, d. h. voneinander unterscheidbar sind (und deren Zahl ins Unendliche gehen dürfte). Ebenso falsch ist wohl nach meinem physikalischen Verständnis, dass Engel in jedem Falle eine spezifische Masse besitzen. Engel sind bekanntlich Lichtwesen, die somit aus Photonen reinsten Kalibers bestehen. Photonen haben keine Masse, sondern nur Energie. Diese Energie bestimmt ihren Impuls, wobei sich die Engel stets mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Ausgehend von der heisenbergschen Unschärfetheorie könnten somit unendlich viele (sich überlappende) Engel mit Lichtgeschwindigkeit auf einer Stecknadelspitze tanzen. Selbst null oder eine negative Zahl von Engeln auf der Spitze ist ggf. denkbar.

 

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