Bärenfalle

Gestern lief auf Arte eine tolle Natursendung über die slowenischen Wälder, wo sich nun in zunehmender Zahl auch Braunbären tummeln. Da diese pelzigen Nahrungsopportunisten gelernt hätten, sich an den Mülltonnen von Haushalten zu bedienen, sei man mittlerweile dazu übergegangen, in den Wäldern extra Futterstellen für Bären aufzustellen, um sie von den Wohngegenden fernzuhalten. Beklagt wurde jedoch, dass die frei lebenden Wildtiere dadurch allmählich verlernen würden, sich ihr Futter selbst zu suchen, und sich daher nicht mehr aus der Natur versorgen würden. So züchte man sich selbst künftige Problembären heran, die nie gelernt hätten, sich selbst zu versorgen, und daher auch die Nähe von Menschen suchten.
Ich blieb vor der Glotze sitzen, da ich noch Kaffee in der Tasse hatte.
Im Anschluss lief eine Doku zum Thema Lebensmittelverschwendung und -rettung. Die Chefin einer regionalen Tafel-Organisation wetterte gegen gewerbliche Konkurrenz, die in Gestalt eines so genannten Impact-Startups präsentiert wurde –  ein Unternehmen, das überschüssige Lebensmittel vor Ablauf der Mindesthaltbarkeitsfrist gegen ein Entgelt ankauft und dann in den eigenen Märkten oder auch online günstig zum Verkauf anbietet. Im Grunde ein sinniges und pfiffiges Geschäftsmodell, bei dem man sich eigentlich nicht in die Quere kommt, weil der Unternehmer die Ware tatsächlich auch bezahlt. Die Tafelchefin hingegen beklagte vor der Kamera, profitgierige Kapitalisten würden der Tafel die (ihr kostenlos zustehende) Ware wegnehmen, weil sie, also die Tafel, doch in jedem Falle alles, was in den Märkten als Überschuss anfalle, abnehmen könnte und würde. Alles! Wenn man’s so sieht, sind gewinnorientierte Unternehmen schon ein echtes Ärgernis. Ohne sie könnte man so viel Gutes tun, indem man so überschüssige Ware, die ja sowieso immer überall herumliegt, vom Lager abholt und an Bedürftige verteilt. Die Welt könnte so schön sein.
An manchen Tagen sollen sich übrigens gut genährte, sonst einzelgängerisch lebende Bären förmlich vor den Futterstellen in den satten slowenischen Wäldern drängen. Aufgrund des reichhaltigen Angebots an den Futterkrippen haben die slowenischen Bären nun auch ihren Winterschlaf verkürzt. Schon von weitem ist ihr unruhiges Brummen zu hören, denn sie wittern den sich nähernden Transport mit der nächsten Futterlieferung …

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