Bei 90 ist Schluss

Vorgestern fuhr ich an einer Tankstelle hier vorbei und sah tatsächlich einen Literpreis für die Sorte Super E10 von knapp unter einem Euro. Wollte das Tankstellenschild mit der Preisangabe eigentlich fotografieren und für die Nachwelt festhalten (glaubt einem ja in ein paar Jahren niemand mehr), aber ich war natürlich zu schnell.
Aber: Wann gab es das schon mal? Kann mich nicht erinnern, ob ich überhaupt schon mal einen Spritpreis gesehen habe, der unter einem Euro lag, vielleicht kurz nach der Euro-Einführung? Diesel ja klar, aber Benzin?
Wenn man sich bewusst macht, dass da für jeden Liter erstmal fixe Steuern und Abgaben von über 65 Cent zu Buche schlagen, dann der eigentliche Wareneinstandspreis plus Vertriebskosten addiert wird und zu guter Letzt die Mehrwertsteuer noch oben drauf geschlagen wird (Doppelbesteuerung), sind da deutlich über 70 Prozent Steuern und Abgaben drin. Auf den Quittungen mancher Tankstellen steht ja immer drauf, wie hoch der Steueranteil im Endbetrag ist.

Krass oder kurios -  wie auch immer man das sehen mag – ist, dass diese Mineralöl- bzw. Energiesteuer im Unterschied zur prozentual berechneten Mehrwertsteuer immer fix ist, also in gleicher Höhe anfällt, selbst wenn der Ölpreis so wie jetzt bis in tiefste, vormals unvorstellbare Gefilde absackt. Sänke der Ölpreis auf ein Dollar pro Barrel – was natürlich unrealistisch ist, weil bei nicht rentablem Preis vorerst Förder- und Raffineriekapazitäten stillgelegt würden – würde er an der Tankstelle wahrscheinlich trotzdem nicht unter das aktuelle Niveau sinken. Irgendwo bei 90 Cent wäre Schluss. Man zahlt in jedem Falle Mineralölsteuer plus Kosten (Produkt, Vertrieb, Marge) und darauf die Mehrwertsteuer.  Bei Strom übrigens ähnlich: Beschaffung, Vertrieb und Marge machen da nur ca. 22 % vom Endkundenpreis aus.
Fatal: Sinkt der Benzinpreis, ist man eigentlich versucht, auch mal eine längere Fahrt zu unternehmen, Verwandte und Freunde besuchen – aber geht ja momentan auch nicht wegen dieser Krise, die nach dieser mexikanischen Biermarke benannt ist …
Daher wird bei sinkendem Preis noch weniger verbraucht. Es sinken im Ergebnis die Steuereinnahmen – und das darf nicht sein, das wissen wir. Was folgern wir daraus?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>