Blue Nostalgia

Bl_kleinApropos blau. Was ist denn eigentlich aus der Blaumanngruppe geworden? Ich meinte die Blue Man Group. Kennt Ihr die noch? Die mal durch irgendeine Intel- oder IBM-Werbung bekannt geworden ist und dann arg gehypt wurde?
Pantomisch agierende und trommelnde Performance-Künstler mit klebrigen blauen Köpfen. Coole Shows haben die abgeliefert. Hier in Berlin waren die unheimlich populär.
Da fiel mir doch gestern Abend ein, als ich bei einem Blue Curacao das blaue Verschleißbild meiner zu entsorgenden uralten Laufschuhe betrachtete, dass ich schon lange nichts mehr von denen gehört habe. Blue Curacao ist ein schreckliches Gesöff, was man wirklich nur aus Verzweiflung konsumieren kann, wenn man nichts anderes zur Hand hat. Diese blauköpfigen Burschen waren jedenfalls mal eine Zeitlang in medialen Kreisen ziemlich beliebt. Als Gradmesser der Beliebtheit von Promis und Künstlern gilt auch in der heutigen Zeit nicht nur die Erwähnung in den Medien, sondern insbesondere die Erwähnung auf einschlägigen Bucket Lists. Kinder und Jugendliche, die starben, wünschten sich vor einigen Jahren relativ häufig, vor dem Sterben noch einmal die Blue Man Group zu sehen. Jetzt ist es dann eher der neue Star Wars oder James Bond-Film oder auch Brad Pitt, vielleicht auch Til Schweiger, den sich Leute zu sehen (oder zu treffen) wünschen, bevor sie abtreten. Ein Maßstab für Prominenz. Die guten blauen Männer aus God’s own Country sind weg vom Fenster oder? Was mag aus ihnen geworden sein? Gut, die Shows laufen hier auch noch irgendwo, aber der Hype ist weg. Oder seh ich das falsch? Wie so oft?
Der Vorteil bei den blauen Männern bestand eben darin, dass die untereinander austauschbar waren. Man wusste halt nicht, was unter der blauen Schminke war. Also klar, da war sicherlich Hirnmasse drin. Aber das Gesicht sah man nie. Es waren blaue Gummiglatzen und blau geschminkte Fratzen – Masken. Und wie in anderen Fällen waren die Masken auch ein Erfolgsfaktor, haben also zum Erfolg dieser Unternehmung beigetragen. Womit wir komischerweise wieder mal bei einem alten Thema landen. Egal.

An jedem Ort, wo die Truppe auftrat, und bei jeder Performance waren das jeweils andere blaue Männchen. Okay, es gab sicher einen gewissen Pool von Blaumann-Darstellern.  Nur wusste man das in der Regel nicht. Interessierte auch keinen. Man dachte, oh, wie geil, das sind ja diese berühmten blauköpfigen Männer von der Blue Man Group. Der genialische Trick bestand eben auch hier darin, eine unverwechselbare Marke zu kreieren: die anonymen blauen Performer, die u.a. Kinder glücklich machen. Die Marke war alles, der Darsteller austauschbar. Fast wie im richtigen Berufsleben. Ich könnte jetzt auch frech behaupten, dass ich einer von den blauen Männern war und dort mal mitgetrommelt habe. Mit blauem Kopf seh ich genauso aus. Ich kann vielleicht gut trommeln, tanzen und blasen? Niemand kann zumindest anhand der Videos oder Bilder das Gegenteil beweisen. Gut, es gab damals auch mehr oder minder fundierte Theorien, denen zufolge die Leute beispielsweise Aliens mit blauen klebrigen (oder maskierten bzw. künstlichen) Köpfen waren, die die Menschheit ausspionieren sollten. Durchaus auch überlegenswert. Nach Ockhams Rasiermesser ist ja bekanntlich meist die einfachste Theorie zutreffend. Müsste man sich also nur entscheiden, welche Theorie jetzt die einfachere ist. Gut so. Das hätten wir also auch abgehandelt. Mehr wichtige Themen gibt’s ja momentan fast gar nicht.

2 thoughts on “Blue Nostalgia”

    1. Ja, muss definitiv mal wieder mehr Zeit fürs Schreiben abknapsen.
      Krimihandlungen sind schon ne echte Herausforderung, schwierig, einen richtig guten, spannenden Plot zu stricken, der nicht zu vorhersehbar ist. Wär aber mal eine Idee, so was auch mal zu probieren.

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