Kategorie-Archiv: Finanzen & Wirtschaft

Der Euro – Lunte am Pulverfass Europa?

Politiker und sonstige Schönredner lieben Euphemismen. Wortreiche, wohlklingende Umhüllungen oder Verschleierungen von unangenehmen Wahrheiten oder Wörtern, die aus bestimmten Motiven nicht benannt werden sollen.
Begriffe wie Null- oder Negativwachstum, Langlebigkeitsrisiko oder Rentnerschwemme sind jedem geläufig…

In den USA kam man z. B. 2003 auf die Idee, Pommes Frites als Zeichen der Missbilligung gegenüber Frankreich, das sich gegen den Irakkrieg ausgesprochen hatte, nicht mehr als „French Fries“, sondern nunmehr als „Freedom Fries“ zu bezeichnen. Seitdem wurden Unmengen frittierter Kartoffelstäbchen im Namen der Freiheit von US-amerikanischen Patrioten verschlungen.

Auch unsere Politiker bzw. deren Redenschreiber kleckern nicht, sondern klotzen, gerade wenn es um Ausdrücke und Formulierungen geht. So wird der Euro oft als Friedenswährung, also eine Währung bezeichnet, die eine friedenssichernde Funktion haben oder durch ihre Existenz faktisch den Frieden garantieren soll. Continue reading Der Euro – Lunte am Pulverfass Europa?

Besitzt du noch, oder teilst du schon?

Betrachtungen zur „Sharing Economy“

In letzter Zeit fallen mir bei meinen gelegentlichen Besuchen der Online-Präsenzen einiger Zeitungen und Blogs wie Jubelarien verfasste Artikel auf, in denen voller Begeisterung und Euphorie die Vorteile der „Sharing Economy“ angepriesen werden. Diese, daran lassen einige Autoren keinen Zweifel, werde die grundlegende Einstellung der Gesellschaft zum Eigentum verändern und schließlich zu einer Art Bewusstseinsveränderung führen. Der künftige Konsument werde somit weniger Wert auf den Besitz von Gebrauchsgütern legen, sondern sich damit begnügen, diese Güter je nach Bedarf gemeinschaftlich zu nutzen.

Ein oft zitiertes Beispiel ist die ungenutzt herumliegende Bohrmaschine, die sich der Student in der Nachbarschaft gegen ein kleines Entgelt ausleihen kann, oder auch die private Wohnung, die man zeitweise an Urlauber untervermietet. Gleichfalls kann man sein Privatauto, das die meiste Zeit des Tages ohnehin ungenutzt auf der Straße stehe, fahrzeuglosen Zeitgenossen gegen einen Obolus zur Nutzung überlassen. Selbst überflüssige Lebensmittel lassen sich bereits per Internet-Foodsharing an hungrige User abgeben.

Eine Gesellschaft, in der der freie Zugang zu Gütern das Streben nach Besitz und Eigentum ablöse, werde eine gerechtere, nachhaltigere und effizientere Wirtschaftsform hervorbringen, so lautet zumindest der Grundtenor vieler sich im Internet tummelnder Apologeten der Sharing Economy. Um so besser, wenn man mit solchen weltverbesserischen Träumereien gleich einige potenzielle Nutzer auf ein verlinktes Vermietungsportal locken kann. Continue reading Besitzt du noch, oder teilst du schon?

Nach der Rettung ist vor der Rettung….

Unter der kryptischen Bezeichnung “Verordnung zur Schaffung einer Fazilität des finanziellen Beistands für Mitgliedstaaten, deren Währung nicht der Euro ist” wird die nächste Phase der Vergemeinschaftung der Staatsschulden eingeleitet und ein neuer Rettungstopf aufgemacht, an dem nun auch Nicht-Euro-Staaten teilhaben sollen.

Die Wirtschaftswoche thematisiert den bevorstehenden Beschluss des EU-Rates über den
50 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm für Nicht-Euro-Länder. Damit könnten nun auch nicht zum Euroraum zählende schwächelnde Länder wie Rumänien und Bulgarien in den Genuss von Rettungskrediten und Kreditlinien kommen, für die der deutsche Steuerzahler in Mithaftung genommen wird. Kurioserweise liest sich der Wortlaut des Entwurfs so, als könne pro Land ein Darlehen oder eine Kreditlinie in Höhe von 50 Mrd. Euro gewährt werden, wodurch das mögliche Gesamtkreditvolumen auf gigantische 500 Mrd. Euro aufgeblasen werden könnte. Angeblich soll diese Unstimmigkeit auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen sein. So heißt es in dem mir vorliegenden Entwurf: “Die Darlehen oder Kreditlinien, die einem Mitgliedstaat aufgrund dieser Verordnung gewährt werden können, sind auf 50 Mrd. EUR begrenzt.”
Allerdings findet sich auch an anderer Stelle im Entwurf der Verordnung der Satz:
“Der finanzielle Beistand kann in Form eines Darlehens oder einer Kreditlinie von maximal 50 Mrd. EUR gewährt werden (Artikel 2).”
Auch dies liest sich so, als gelte die 50-Mrd.-EUR-Obergrenze pro Staat und nicht insgesamt für den Rettungsschirm.
Quelle: http://www.wiwo.de/politik/europa/eu-plan-rettungsschirm-fuer-nicht-euro-laender/7749282.html