Kategorie-Archiv: Notizen

Bim-Bom?

Zur Zeit der russischen Revolution war der Clown Bim-Bom in ganz Moskau sehr beliebt, eine lokale Berühmtheit gewissermaßen – seine Vorstellungen waren stets ausverkauft. Was ihm zum Verhängnis wurde: Er riss gern Witze über die Bolschewisten und deren Anführer, zu denen viele der damals noch dort Lebenden eine skeptische oder feindselige Haltung pflegten. (Später sollte sich das natürlich ändern.) Die Witze kamen beim Publikum besonders gut an. Besagter Clown Bim-Bom verspottete jedenfalls die Repräsentanten der jungen Sowjetmacht nach Herzenslust. Der Saal tobte, und den Zuschauern standen oft vor Lachen die Tränen in den Augen. Der Clown dachte bestimmt, er sei auf der sicheren Seite, und er schnitt ja auch lustige Grimassen, wenn er seine Spitzen gegen die Bolschewisten abfeuerte. Das Lachen wirkte befreiend, und jedem musste schließlich klar sein, dass das alles nur Klamauk und Satirekunst war. Wenn er Briefe oder Karten an seine Freunde und Verwandten schrieb, zeichnete er bestimmt lustige kleine Fratzen neben seine Grüße. Alle Zuschauer liebten ihren Clown Bim-Bom. Fast alle. Doch diktatorisch herrschende Regimes und ihre Schergen, damals wie heute, sind gänzlich humorlos, zumindest wenn ein Witz auf sie gemünzt ist. Hätte sich der falschwitzelnde Clown doch darauf beschränkt, lediglich die Deutschen, die Monarchisten, die Menschewiki oder die Nationalrevolutionäre oder die Kulaken zu verspotten, so wäre alles in Ordnung gewesen. Vorerst jedenfalls, denn irgendwann hätte man ihn wahrscheinlich ohnehin abgeholt. Satire hat schließlich ihre Grenzen, das weiß man heute. Muss man auch wissen. Eines Tages, 1918 war das, da wurde Clown Bim-Bom direkt in der Manege erschossen, denn der feige Kasper wollte auch noch flüchten, sich den Konsequenzen seiner beanspruchten Kunstfreiheit entziehen, als ihn die revolutionstreuen Tschekisten zwecks Klärung eines Sachverhalts (und zu seinem Schutz) in Gewahrsam nehmen wollten. Zu seiner Beerdigung sollen Hunderte Leute gekommen sein. „Was für ein würdeloser Tod; abgeknallt haben sie ihn wie einen räudigen Hund“, sagten die Leute und konnten sich wahrscheinlich in ihren schlimmsten Alpträumen noch nicht vorstellen, dass viele von ihnen selbst bald in den Folterkellern der Lubjanka, vor den Erschießungskommandos oder in irgendeinem Gulag landen würden. Bim-Bom hatte bestimmt auch einen richtigen Namen, aber wen kümmert schon ein längst vergessener Clown? Man will ja keinen Opfermythos begründen, denn dazu taugt der ja nicht …

Bestandserhaltung

Die Familie einer früheren Freundin hatte einst eine fremde Haushaltshilfe engagiert. Die war leider alkoholkrank, was sie jedoch anfangs gut verbergen konnte, und so vergriff sich die gute Frau auch an der Flasche mit dem teuren Whiskey (vielleicht war es auch Kognak), die gleichsam als ständige Versuchung auf einer gläsernen Vitrine im Wohnzimmer stand.  Es muss für diese bedauernswerte Frau wie eine grausame Folter gewesen sein, diese Flasche täglich zu sehen. Damit die Fehlmenge nicht auffiel, füllte sie die sich allmählich leerende Flasche (denn sie trank ja immer nur einen winzigen Schluck) immer wieder auf – mit kaltem Tee. Der Tee hatte in etwa die gleiche Farbe und man sah schließlich von außen nicht, dass ein Teil des Whiskeys verschwunden war.  Also wo war das Problem? Eine klassische Win-Win-Situation. Die Trinkerin konnte sich den Whiskey schmecken lassen, und für die anderen Bewohner blieb der Bestand dennoch erhalten. Optisch jedenfalls. Erst als man sich mal ein gutes Gläschen gönnen wollte, merkte man, dass der kostbare Alkohol verdünnt und verwässert war bzw. letztlich nur noch aus Tee bestand.  Aber hochprozentiger Alkohol ist sowieso ungesund und sicherlich auch klimaschädlich. Ach, hätten sie die volle Wiskeyflasche doch einfach da zur Zierde stehen lassen, wo sie stand. Warum mussten sie, die Besitzer, auch unbedingt davon kosten? So haben sich diese Unmenschen ihre Illusion der vollen Flasche selbst zerstört und der armen Frau gekündigt, ihr ihren Job genommen …

Flugzeugträger

Die „Heimsuchung aus der Uckermark“ (Leser ***) gelüstet es nach einem deutschen Flugzeugträger. Der Scherz ist naheliegend, aber gut, und Hadmut Danisch hat ihn als erster gemacht: „Ob Merkel klar ist, dass das gleichzeitig Flughafen und Schiff ist, also quasi die Kreuzung aus BER und Gorch Fock?“
Michael Klonovsky – Acta Diurna

Die Meldung hatte ich auch gelesen … Merkels neues Denken? Eine Wende zur Kanonenbootpolitik? Na, kaum anzunehmen, dass solch eine Schnapsidee auf Merkels Mist gewachsen ist, dachte ich mir schon. Erst jetzt hatte ich mich dazu bequemt, auf die Ursprungsmeldung zu klicken. Und sieh da: In der zweiten Zeile steht ja auch des Rätsels Lösung: „Sie will einen Flugzeugträger – in Zusammenarbeit mit Frankreich.“
Klar, natürlich nicht Merkel, sondern Macron gelüstet es nach einem neuen Flugzeugträger; da Bruder Macron bzw. sein Staat momentan ziemlich klamm ist, will er sich das Prestigeprojekt möglichst von Deutschland finanzieren lassen – man weiß ja, wie das läuft: Es wird als Projekt der europäischen Zusammenarbeit deklariert, die Deutschen zahlen, und Frankreich übernimmt dann. Einen etwas in der Jahre gekommenen atombetriebenen Flugzeugträger hat ja Frankreich schon …   Der neue von Deutschland entwickelte bzw. bezahlte europäische Flugzeugträger wird dann sicher über einen klimaneutralen Pedalantrieb verfügen. Okay, genug davon.

Prima Klima

Als Jugendlicher ist man gut beraten, sich von Initiativen oder Kampagnen fernzuhalten, die von der obersten Politführung gefördert oder mit einhelligem Beifall bedacht werden, so wie in der Vergangenheit z. B. die Kulturrevolution oder die Spatzenkampagne in China, Aufrufe zur Meldung von Spionen, Saboteuren und Volksfeinden in der Sowjetunion oder die stets penetrante Werbung für militärische Berufe (zur Friedenssicherung), d. h. Rekrutierung von Kanonenfutter damals in der DDR. Staatliche Gehirnwäsche richtet sich leider meist an eine begeisterungsfähige und leicht zu beeinflussende Jugend.
Da müssten doch sämtliche Alarmglocken läuten, wenn das freitägliche Schulschwänzen für’s Klima von Figuren wie Merkel und Steinmeier u. a. beklatscht und bejubelt wird.  Politische Untote, die abgewirtschaftet haben wie Merkel oder umstritten sind wie Steinmeier, wenn solche Systemprotagonisten das fröhliche Schulschwänzen mit Klima-Gretel gutheißen, würde mich dies als normal denkender oder wie auch immer rebellischer Schüler schon mal sehr misstrauisch stimmen. Daher sollte man vielleicht genau das Gegenteil von dem tun, was Politbonzen propagieren, die bereits ihr halbes Leben lang an ihren Sesseln kleben und nicht von den Schalthebeln der Macht lassen können.
Könnte ja sein, dass es Merkel und Steinmeier ganz gut in den Kram passt, wenn die Jugend rein emotional bewegt, durch Stimmungen beeinflussbar und ansonsten unwissend bleibt.
Als Schüler würde ich jetzt vielleicht eher auf den Gedanken kommen, insbesondere freitags zur Schule zu gehen – um z. B. mehr Wissen über’s Klima und dessen Wandel zu erwerben. Dem System die Arschkarte zeigen, indem man zur Schule geht! Na wie klingt das? Hmm. Einen hab ich noch: Was will ein klimaerwärmter Schulschwänzer mal werden, wenn er groß ist? Ein roter Zwerg.

Steinernes Bekenntnis (II)

Ich laufe ja meist in der Natur, fast nie in der Stadt. Da geraten mir beim Joggen manchmal kleine Steinchen in die Laufschuhe. Das ist störend. Man trabt irgendwo auf einem Gartenweg oder einer unbefestigten Straße entlang, und dort liegt immer etwas Splitt oder grobkörniger Kies herum. Da muss man mit leben, klar. Nun werden aber immer mal ein paar kleine Steinchen von der einen Sohle des Sportschuhs ein paar Zentimeter hochgeschleudert und landen wie zufällig genau in dem Spalt zwischen dem Rand des anderen Schuhs und der Socke oberhalb des Knöchels. Die Laufschuhe hat man meist nicht so fest geschnürt, dass sie dicht am Knöchel anliegen, daher kann ein solches Steinchen bei den nächsten Schritten seitlich immer tiefer in den Schuh hinein rutschen, wenn man Pech hat. Manchmal fällt es auch gleich heraus. Dann hat man Glück. Leider ist es ja so, dass man öfter Pech als Glück hat. Aber auch dann kann man sich arrangieren. Ich hasse es, meinen Lauf wegen eines Steinchens zu unterbrechen. Wenn es auf den ersten Metern passiert, ist es kein Ding. Da hält man an und schnürt die Schuhe neu. Mitten im Lauf sieht das schon anders aus. Da hat man keinen Bock, wegen eines Steinchens aus dem Rhythmus zu kommen und einen guten Lauf zu unterbrechen. Nur in Ausnahmefällen mache ich kurz Halt, um besonders spitze oder große Steinchen aus dem Schuh zu entfernen. Meistens laufe ich weiter und ignoriere das durch den Fremdkörper ausgelöste störende Gefühl, dann rutscht das Steinchen mit der Zeit unter die Innensohle oder an den Rand des Fußbetts oder zur Ferse, wo es bis zum Ende des Laufs liegen bleibt. Man muss nicht jeden störenden Einfluss eliminieren. Härtet zudem die Fußsohlen ab. Wenn ich dann nach dem Lauf zu Hause ankomme, drehe ich den Schuh um und sehe zu, wie das Steinchen herauskullert. Ich werfe es auf den Rasen vor unseren Balkon, zu den hiesigen Steinchen. So manches fremde Steinchen ist schon einen langen Weg mit mir gegangen …

Münchhausen

Neulich unterhielt ich mich mit einem befreundeten Pyschiater aus meinem Block, der mir mit der gebotenen Vorsicht und Diskretion (der Mann hat schließlich Familie) von einer interessanten Ferndiagnose berichtete.  Da dies bekanntlich nicht mein Fachgebiet ist, hier nur in aller Kürze und in laienhafter Sprache wiedergegeben: Ihm  zufolge müsse man möglicherweise davon ausgehen, dass Frau Merkel am sogenannten „Münchhausen-Volksvertretersyndrom“ leidet, einer schweren psychischen Störung, die erst kürzlich u. a. in der einschlägigen US-Fachpresse beschrieben worden sei und einen relativ seltenen Subtyp des Münchhausen-Syndroms darstelle. Vielen ist ja das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Münchhausen-by-proxy-Syndrom) ein Begriff, ebenfalls eine Sonderform dieser psychischen Störung, die sich in der Regel darin äußert, dass weibliche Elternteile (auch als Mütter bezeichnet) ihren Schutzbefohlenen (z. B. Kindern) oder betreuten Personen  Verletzungen zufügen oder etwa bei Familienangehörigen oder Dritten schwere Erkrankungen auslösen oder vortäuschen, um auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erhalten und die Rolle der treusorgenden Pflegerin zu übernehmen zu können. Ein solches Verhalten kann zuweilen bis zum (einzelfallartigen) Tod der Opfer führen.
Das spezielle Münchhausen-Volksvertretersyndrom äußere sich dementsprechend in einem extrem nationalmasochistischen bzw. dem Staatsvolk gegenüber aggressiven Verhalten, das letztlich bis zum Untergang der betreffenden Nation führen könne, so der besagte Psychiater, der in seiner Eigenschaft als Experte aus nachvollziehbaren Gründen jedoch bat, hier in diesem lediglich populärwissenschaftlich eingefärbten Blog nicht namentlich genannt zu werden …
Es handele sich möglicherweise um das häufigste nicht erkannte psychische Leiden deutscher und westeuropäischer Politikerinnen, das nur durch geschlossene Unterbringung der Patientinnen in einer geeigneten Institution zu therapieren sei, wenn es nicht bereits zu spät …

Almost Clean

DSCN2590_Space„Dann wäre ja alles in Ordnung. Da gäbe es nur noch eine Sache, die wir abklären müssten, bevor ich Ihre Bewerbung an den Rekrutierungsausschuss weiterreiche“, erklärte der Personalchef zum Abschluss meines Vorstellungsgesprächs. „Sind Sie clean? Wirklich clean?“
Ich stutzte einen Augenblick lang. Sollte das eine Fangfrage sein? „Clean? Natürlich nehme ich keine Drogen, was dachten Sie denn? Ich trinke auch nicht, also kaum, nur gelegentlich mal ein Bier zum Feierabend. Manchmal auch zwei oder einen Schnaps, aber das ist eher selten. Und Bier nur aus umweltfreundlichen Mehrwegflaschen.“
„Nein, nein“, winkte der Mann hinter seinem Schreibtisch ab. „Ihre Konsumgewohnheiten interessieren uns eher weniger. Das ist Ihre Privatsache. Immerhin leben wir in Berlin, nicht etwa im rückständigen Bayern. Da wollen wir auch nicht päpstlicher sein als der Papst …“ Er hüstelte verstohlen.
„Clean im sozialen Sinne, meine ich. Sagt man jetzt so. Also ob Sie in den sozialen Netzwerken, in Ihrem früheren Umfeld oder allgemein im Internet gewisse Spuren hinterlassen haben. Spuren, die Sie und damit uns als Ihren potenziellen Arbeitgeber in ein schlechtes Licht rücken könnten. Sie wissen doch sicher, was ich damit meine …“ Er ließ seinen Ausführungen eine bedeutungsschwere Pause folgen. Continue reading Almost Clean

Also, äh, klingt vielleicht etwas seltsam …

… aber egal. Neulich schlenderte ich doch mal wieder über den Alexanderplatz – muss ich jetzt mal kurz erzählen, bevor es mit den wichtigen Themen unserer Zeit weitergeht. Jedenfalls dort, direkt auf dem Platz steht seit kurzem ein Container mit einer eigenen Polizeiwache. Ja, haben sie da eingerichtet, damit der Anfahrtsweg nicht so weit ist. Die haben ja immer gut zu tun in ihrem Revier. Vielleicht sollten die Polizei-Homies da auch mal rappen, so wie neulich in dem supercoolen Toleristen-Video der Berliner Polizei, oder sie könnten unter der Weltzeituhr ihre Namen und Dienstnummern tanzen. Hilft vielleicht. Es beruhigt Mensch und Tier, und gesund ist es auch. Das aber nur am Rande erwähnt …
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Was auch zu Deutschland gehört …

Gravitationswellen

- Gravitationswellen. Ich schätze, das wussten die meisten Deutschen bisher gar nicht oder? Dass es die gibt und dass die hierzulande besonders stark wirken; die sind gewissermaßen Bestandteil unseres neuen kosmopolitischen Kulturguts. Seid umschlungen, Gravitonen. Letztere sind allerdings noch nicht experimentell nachgewiesen, aber egal …
Die Verantwortlichen in unseren zuständigen Behörden, also im Bundesfinanzministerium und auch in den Münzprägestätten sind ja vor der Ausgabe neuer Briefmarken und Münzen immer verzweifelt auf der Suche nach ungefährlichen, politisch korrekten Motiven, die von keiner maßgeblichen Interessengruppe hierzulande als Provokation oder Respektlosigkeit angesehen werden könnten. Versteht sich, dass daher möglichst keine nationale Symbolik mehr drauf sein sollte … Bei Köpfen diverser verdienstvoller Persönlichkeiten besteht z. B. immer mal wieder die Gefahr, dass die halt nachträglich noch zu Unpersonen erklärt werden, weil sie etwa das falsche Geschlecht oder eine sexistische Gesinnung oder die falsche Haarfarbe hatten, daher geht man potenziellen Konflikten oder Ärgernissen vorsorglich aus dem Wege und bildet bevorzugt Natur- und Landschaftsmotive ab – oder eben Gravitationswellen, die jeden von uns tagtäglich mit dem göttlichen Geschenk der Schwerkraft beglücken und uns im Fall des Falles die wundersame Leichtigkeit des Seins erfahren lassen …