Kategorie-Archiv: Notizen

Wetten, dass

„Haste gestern „Wetten, dass“ gesehen? War geil, wa?“
Es war ein dunkler kalter Novembermorgen, irgendwann Anfang der 80er Jahre in einer Kleinstadt im ostdeutschen Nirgendwo.
In meiner Erinnerung waren es immer dunkle, kalte Novembertage, an denen ich montags, kurz vor halb acht schlaftrunken und abgehetzt auf dem Schulhof eintraf. Das frühe Aufstehen besonders nach dem Wochenende lag mir ganz und gar nicht. An den anderen Tagen war es meistens auch nicht anders.
Wenn ich nicht zu spät kam, traf ich meine Freunde und Klassenkameraden morgens auf dem Schulhof, wo wir uns am Schultor zu einem morgendlichen Schwätzchen einfanden, bevor uns ein paar Minuten später das unerbittliche Klingelzeichen zum Unterricht in das rote Backsteingebäude rief. Bis zum letzten Klingeln harrten wir meist draußen in der kühlen Morgenluft aus und sprachen kurz über das Fernsehprogramm vom Vorabend, bevor wir dann widerstrebend in unsere stickigen Klassenräume trotteten. Continue reading Wetten, dass

Laufen macht frei

Locker bleiben. Tief durchatmen. Nicht hetzen lassen.
Den Dingen ihren freien Lauf lassen…
Ihr habt sicher schon an meiner Schrift bemerkt, wie ruhig und entspannt ich geworden bin.

Ich laufe ja schon seit meiner Jugendzeit gern und viel, besonders jetzt im Herbst. Laufen macht den Kopf frei. Man kann seine Gedanken ordnen und ungezwungen über alles Mögliche nachsinnen, z. B. über Gott (Gott ist tot) und die Welt (sehr komplex), das Universum (unergründlich) und den ganzen Rest (auch immer sehr spannend). Continue reading Laufen macht frei

Kurze Rückblende

„Na, gib schon her. Ich will es nur mal anfassen.“
Gierig griff Mario, der freche Nachbarsjunge, nach meinem neuen Matchboxauto, das ich gerade aus einem der seltenen Westpakete von Tante Anna herausgefischt hatte und voller Stolz auf dem Hof herumgezeigt hatte.
Mit Entsetzen erkannte ich jetzt meinen Fehler. Warum hatte ich es nur mitgebracht? Ich wusste, er würde es nicht mehr hergeben. Ich war vielleicht 7 oder 8. Mario war viel stärker und mindestens ein Jahr älter als ich. Widerstand war also zwecklos. Eine Katastrophe. Zum Heulen. Continue reading Kurze Rückblende