Kategorie-Archiv: Notizen

Was guckst du?

Wer sich mal anschauen will, wie Kinder in der DDR im Namen einer sozialistischen Ideologie von sog. Filmschaffenden quasi missbraucht und seelisch verkrüppelt wurden, sollte sich unbedingt mal die “preisgekrönte” Langzeitdokumentation über die “Kinder von Golzow” (oder wenigstens einige Teile davon) zu Gemüte führen.  Ist wirklich gut, ungelogen! Continue reading Was guckst du?

Erklärungsansatz: Kulturwandel

Woher denn die immer weiter zunehmende Gewalt käme, das solle ich ihm mal erklären, schrieb mal vor Jahren ein Blogger. Man solle ihm aber nicht mit Politik kommen, denn die interessiere ihn nicht …
Nun denn, also ein kulturwissenschaftlicher Erklärungsansatz:
Die jüngsten Ausschreitungen in Dijon und Stuttgart lassen sich auch als Ausdruck eines fortgeschrittenen Kulturwandels interpretieren, der sich seit Jahrzehnten vollzieht. Dieser Kulturwandel wurde schon vor geraumer Zeit als „Prole Drift“ bezeichnet.
Der Grundgedanke dahinter ist, dass sich in früheren Epochen kulturelle Werte und ästhetische Wertvorstellungen in der Gesellschaft von oben nach unten verbreiteten, also von der Aristokratie geprägt, später vom Bürgertum bewahrt und dann auf die unteren Stände oder Schichten der Gesellschaft ausstrahlten und von diesen übernommen wurden. Seit dem 20. Jahrhundert hat sich diese Entwicklung in den westlichen Industrieländern umgekehrt; die schöngeistige, vornehme Kultur wurde nach und nach durch eine vulgäre, körperlich orientierte und tendenziell gewaltverherrlichende Unterschichtskultur ersetzt, die vertikal in die Oberschicht(en) hineinwirkt. Diese destruktiv konnotierte Kultur, die sich an einer medial vermittelten (Möchtegern-)Gangster- und Hollywood-Kultur orientiert und diese nachahmt, gibt sich vulgär, protzig und ist in hohem Maße von körperlicher Gewalt fasziniert.

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Die Macht der Narrative

Nein. Es ist weder Bluff noch Verarsche, sondern ein fliegender Wechsel der Narrative. Das Corona-Narrativ, das seit März alle Schlagzeilen und Sendeplätze der BRD beherrschte, wurde flugs vom Rassismus-Narrativ abgelöst. Bis auf Widerruf ist jetzt Rassismus zur neuen Killerseuche erhoben. Warum man diesen Narrativ-Wechsel derart schnell und anstandslos vollzog, ist vermutlich in nicht unerheblichem Maße auf wirtschaftliche und budgetäre Gründe zurückzuführen. Es war nicht sinnvoll und angesichts der Stimmung in der BRD-Bevölkerung auch nicht durchsetzbar, das Corona-Narrativ in seiner Stringenz noch länger aufrechtzuerhalten; daher wird es vorerst auf kleiner Flamme weiterköcheln und möglicherweise bei Bedarf (Stichwort Impfzwang) wieder ordentlich aufgewärmt. Die Ausschreitungen in den USA waren ein willkommener Anlass, um von den überzogenen Lockdown-Maßnahmen und den Fehlprognosen merkelscher Hofvirologen abzulenken. Anstelle des Angst-Themas (Pandemie) wird nun ein Schuld-Thema (Rassismus) in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Dazu braucht es nicht viel, ein paar Berichte, Features, dümmliche Tweets, Videoclips, Talkshows, in denen Zeugen über empörenden Rassismus der Deutschen im Alltag berichten usw. usf. So geht das. Continue reading Die Macht der Narrative

Guck mal, wer da kniet …

Ein Kniefall ist immer eine Unterwerfungsgeste oder ein Zeichen von Vergötterung bzw. höchster Bewunderung. Als kollektive oder symbolische Entschuldigung für einen Fall von Polizeigewalt oder koloniale Erbsünden taugt der Kniefall hingegen nicht. Bestenfalls macht man sich nur lächerlich, wenn man vor den falschen Götzen kniet. John Schnee, der Wächter des Nordens, wusste das, als er schließlich das Knie vor seiner Königin beugte. Beugt man aber das Knie vor dem Pöbel oder kriminellen Mob, muss man damit leben, dass man Hohn, Spott oder Verachtung erntet. Kann auch sein, dass man mit der Zeit Knieprobleme bekommt und irgendwann nicht mehr hochkommt. Man sollte nie auf die Knie gehen, wenn man nicht bereit ist, Schwänze zu lutschen, sagte einst der kluge Lude vom Kiez …

Sometime they’ll give a war …

Stell dir vor, es ist Pandemie, und keiner macht mit;
kaum einer stirbt, fast alle sind fit.
Stell dir vor, es ist Pandemie, doch niemanden kümmert’s mehr,
dann müssen neue Beschränkungen und Strafen her.
Stell dir vor, es ist kein Krieg, und trotzdem sind die Kassen leer -
dann muss man sagen: Pandemie ist doch Krieg – ein Wiederaufbaufonds muss her!

No country for old pumps

No country for old pumps

An diese alte Pumpe kann ich mich noch gut erinnern. Kam mir vor einigen Tagen zufällig wieder in den Sinn. Auf dem Rasen des Seegrundstücks meines Großvaters stand eine alte Hand- oder Schwengelpumpe. Eine von Hand zu bedienende Pumpe aus schwerem Grauguss, im Rasen eingelassen, ca. 1,5 m hoch, sorgsam mit Rostschutz versehen und mit einer Farbe lackiert, die damals eben gerade verfügbar gewesen sein muss. Der Schwengel – das ist das Ding, an dem man ziehen und drücken muss, um Wasser hochzupumpen, also ein Stiel, der so ähnlich geformt ist wie ein Baseballschläger, mit dem man sich heute auf der Straße verteidigt – so ist es vielleicht verständlich – also der Pumpenstiel war aus gemasertem, rissigen Hartholz. Längsseits war dieser Stiel von einem millimeterbreiten Spalt durchzogen. Ich fasste den Griff oft an und zog probeweise an dem Handschwengel, aber da war kein Widerstand – der Kolben zog nur Luft und förderte keinen Tropfen Wasser. Die Pumpe kam mir schon damals wie ein Relikt vor, denn meine Großeltern hatten auf ihrem opulenten Wochenendgrundstück am See schon einen Trinkwasseranschluss. Fließend Wasser war also immer reichlich da, um Rasen und Hecke zu wässern oder die kleinen Gründlinge und Barsche über Nacht frisch zu halten, die Opa als Lebendköder fürs Hechtangeln am Abend vorher mit der Senke aus dem See geholt hatte. Heute verboten: Fische als Lebendköder, schlimme Sache für die armen Fische, zumal da bis zum Angeln schon ein Teil der Köderfische in dem Leitungswasser verreckt war, was Opa die Nacht über direkt aus dem Schlauch in die mit einem Netz bedeckte Zinkwanne laufen ließ, wo es dann über den Rand schwappte und im Rasen versickerte. Auch für Fische ging’s also damals grausam zu im alten Jahrtausend. Continue reading No country for old pumps

Die Geschichte vom Frosch

Frosch
… Einige Frösche überlebten ihre Auswanderung aus dem heimischen Tümpel, die sie in einem riskanten Hüpfmanöver über die gefährliche Asphaltstraße geführt hatte, und fanden einen neuen Unterschlupf – doch ihre Heimat Froschland sollten sie nie wiedersehen.

Zwei todesmutige Exemplare waren sich beim gefährlichen Zickzack-Parcours über die Straße begegnet und hatten gleichzeitig den rettenden Grünstreifen auf der anderen Seite der Straße erreicht. Nach einer kurzen Verschnaufpause beschlossen sie, sich gemeinsam auf die Suche nach einem neuen feuchten Zuhause zu begeben.
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Tanz der Masken

Der Wert bzw. die Bedeutung eines Mundschutzes liegt vielleicht nicht so sehr in seiner etwaigen Schutzwirkung, sondern in dem dadurch ausgedrückten Bekenntnis.

Nach außen hin unübersehbar ist es ein textil gefasstes Gelöbnis, eine Unterwerfungsgeste, zugleich auch ein stummer Vorwurf, in gebückter, fast unterwürfiger Haltung an die nicht maskierten Passanten, Kunden, Vorbeigehenden gerichtet: „Ich schweige und gehorche.“ Und Du? Weigerst dich noch, und schützt dein Umfeld nicht, du Ferkel, du Seuchenvogel?

Ich trage einen schneeweißen Mundschutz, weil ich unserer weisen und umsichtigen Regierung vertraue, die dies auf Anraten der vereinten „Wissenschaft“ empfiehlt. Die „Wissenschaft“ irrt nicht. Nie.
Selbst gebastelter Mundschutz, der in den offiziellen Abgabestellen knapp ist, steht sogar höher im Kurs, weil er von Eigeninitiative und besonderem Engagement zeugt. Ähnlich wie die provisorischen Strumpfmasken mit den eingelegten Taschentüchern, die wir früher in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) zum Schutz vor dem radioaktiven Fallout bastelten.

Ich lege in vorauseilendem Gehorsam meine Maske an, auch wenn dies von der Berliner Obrigkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht befohlen wurde.
Noch ein Vorteil: Der Mundschutz ist der neue Maulkorb.
So wie wir uns heute schützen, werden wir morgen leben.
Mit selbst angelegtem Maulkorb … mit Ausgangsbeschränkungen und absehbar steigenden finanziellen Belastungen, denn irgendjemand wird die Kosten des umfassenden Stillstands tragen müssen. Katerstimmung garantiert. Aber das nehmen wir in Kauf. Wir wissen: Nach der Krise werden wir bzw. die Überlebenden alle etwas ärmer und unfreier sein. Aber dafür natürlich auch glücklicher, gesünder – bis zur nächsten Pandemie …
Und so tragen wir voller Stolz unseren Mundschutz, so wie einst das rote Halstuch der Thälmannpioniere oder das blaue FDJ-Hemd …
Für Frieden und Toleranz – bleibt gesund, Bürger und Bürgerinnen, denn (mindestens) Eure Organe werden noch benötigt!

Fliegen-Déjà-vu

Bis eben war es ruhig. Jetzt nicht mehr. Die erste Stubenfliege ist aus ihrem Winterschlaf erwacht, aus ihrem Versteck gekrochen und schwirrt im Raum herum, den man Arbeitszimmer nennen könnte. ​Ich hatte in den letzten Monaten vergessen, wie störend diese fliegenden Plagegeister sein können. Man kann sich schlecht konzentrieren, wenn eine muntere Fliege hier ihre Runden dreht. Sie ist nicht groß, auch nicht klein. Eher unauffällig. Sticht nicht, macht nichts, außer dass sie ständig in Bewegung ist. Jetzt ist sie erstmal weg, krabbelt bestimmt in einer Ecke herum. Die gemeine deutsche Stubenfliege. Irgendetwas lockt sie wohl an: das hochfrequente Surren des Lüfters, das Klappern der harten Tastaturanschläge, der Kaffeeduft? So wie jedes Jahr. Alles wie immer. Die Stubenfliege bleibt sich treu. Nichts hat sich verändert. Ich sollte vielleicht die grüne Fliegenklatsche holen und bereitlegen. Nur für den Fall, den äußersten Fall …