Kategorie-Archiv: Notizen

Selbstversuch

Vorhin habe ich einen Notizblock in meinen Schubladen gesucht. Einen simplen Notizblock zum Schreiben und Blättern, mit dünnen linierten, beidseitig beschreibbaren Papierseiten. Ein barbarisches Relikt aus einem analogen Zeitalter, in dem händische Verrichtungen die Regel waren und Informationen auf Papier gespeichert wurden. Wie zu erwarten, habe ich keinen Notizblock mehr gefunden und nehme mir ein leeres Blatt vom Stapel mit dem Druckerpapier.
Ich habe schon lange nichts mehr eigenhändig mit einem Kugelschreiber, Stift oder Füller geschrieben… Klicken und dort weiterlesen ->

Gummiring

War es vorgestern oder vorvorgestern? Der genaue Zeitpunkt tut eigentlich nichts zur Sache. Jedenfalls irgendwann letzte Woche spätabends, es hatte kurz zuvor genieselt, da trieb es mich aus dem Haus. Es war wieder etwas wärmer geworden. Ab und zu trafen mich noch ein paar vereinzelte Regentropfen auf Schulter, Kopf und im Gesicht. Ja, ich war natürlich zu Fuß unterwegs. Ich kam irgendwoher und wollte irgendwohin. Was genau ich wollte, ist auch nicht von Belang. Die meisten Straßen waren noch regennass. Ich mag es, wenn der noch feuchte, dunkle Asphaltbelag im Mondschein glitzert oder das Licht der Straßenlaternen reflektiert. Die einfachsten Dinge des Lebens können eine magische Wirkung entfalten.

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Ohne Titel

Übrigens, der verrückte Jogger, der vorhin wie Taps der Bär an euch vorbeigestapft ist, das war ich. Der hechelnde Idiot, der trotz beißender Kälte in den grau-schmutzigen Laufschuhen über die meist feste Schneedecke des Parks gestapft, jedoch stellenweise auch bis zu den Knien in Schneewehen verschwunden ist, das muss wohl ich gewesen sein. Jemand anders kann es kaum gewesen sein. Höchstens jemand, der so ähnlich denkt wie ich und der zufällig genau so laufhungrig, eben nach physischer Bewegung ausgehungert war wie ich. So etwas gibt’s ja auch. Leute, die ähnlich denken und empfinden und genau im selben Moment das Gleiche tun oder denken. Abgesehen von Zwillingen. Aber Ihr, die Ihr dies lest, seid wohl nicht diejenigen, welche… Continue reading Ohne Titel

Deserteur

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich früher ab und zu meinen Körper verlassen habe.
Nicht oft und auch nur für relativ kurze Zeiträume. Beim letzten Mal befand ich mich gerade in einer mündlichen Prüfung an der Uni und fühlte mich plötzlich ziemlich einsam. Das Gefühl kennt wohl jeder. Das ist nun auch schon einige Jahre her. Continue reading Deserteur

Im Kreise dreht es sich…

Ein Blog darf nie statisch sein, denn Stillstand bedeutet Vergessen und schleichenden Untergang. So lautet zumindest die gängige Lehrmeinung der SEO- und Blog-Experten. Ohne neue Inhalte würden die Bots der Suchmaschinen und Blogging-Plattformen irgendwann vergessen, dass es mich gibt und fortan um diese markierte Stelle in der Matrix einen großen Bogen schlagen. Mit jedem neuen Beitrag wird es nun etwas „voller“ auf dem Server. Der Speicherbedarf steigt. Das ist alles.
Aber halt! Noch nicht aufhören zu lesen… Continue reading Im Kreise dreht es sich…

Wetten, dass

„Haste gestern „Wetten, dass“ gesehen? War geil, wa?“
Es war ein dunkler kalter Novembermorgen, irgendwann Anfang der 80er Jahre in einer Kleinstadt im ostdeutschen Nirgendwo.
In meiner Erinnerung waren es immer dunkle, kalte Novembertage, an denen ich montags, kurz vor halb acht schlaftrunken und abgehetzt auf dem Schulhof eintraf. Das frühe Aufstehen besonders nach dem Wochenende lag mir ganz und gar nicht. An den anderen Tagen war es meistens auch nicht anders.
Wenn ich nicht zu spät kam, traf ich meine Freunde und Klassenkameraden morgens auf dem Schulhof, wo wir uns am Schultor zu einem morgendlichen Schwätzchen einfanden, bevor uns ein paar Minuten später das unerbittliche Klingelzeichen zum Unterricht in das rote Backsteingebäude rief. Bis zum letzten Klingeln harrten wir meist draußen in der kühlen Morgenluft aus und sprachen kurz über das Fernsehprogramm vom Vorabend, bevor wir dann widerstrebend in unsere stickigen Klassenräume trotteten. Continue reading Wetten, dass

Laufen macht frei

Locker bleiben. Tief durchatmen. Nicht hetzen lassen.
Den Dingen ihren freien Lauf lassen…
Ihr habt sicher schon an meiner Schrift bemerkt, wie ruhig und entspannt ich geworden bin.

Ich laufe ja schon seit meiner Jugendzeit gern und viel, besonders jetzt im Herbst. Laufen macht den Kopf frei. Man kann seine Gedanken ordnen und ungezwungen über alles Mögliche nachsinnen, z. B. über Gott (Gott ist tot) und die Welt (sehr komplex), das Universum (unergründlich) und den ganzen Rest (auch immer sehr spannend). Continue reading Laufen macht frei

Kurze Rückblende

„Na, gib schon her. Ich will es nur mal anfassen.“
Gierig griff Mario, der freche Nachbarsjunge, nach meinem neuen Matchboxauto, das ich gerade aus einem der seltenen Westpakete von Tante Anna herausgefischt hatte und voller Stolz auf dem Hof herumgezeigt hatte.
Mit Entsetzen erkannte ich jetzt meinen Fehler. Warum hatte ich es nur mitgebracht? Ich wusste, er würde es nicht mehr hergeben. Ich war vielleicht 7 oder 8. Mario war viel stärker und mindestens ein Jahr älter als ich. Widerstand war also zwecklos. Eine Katastrophe. Zum Heulen. Continue reading Kurze Rückblende