Kategorie-Archiv: Notizen

Precht vs. di Fabio

Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio war zu Gast beim ZDF-Philosophen Richard David Precht – ein Gespräch, bezüglich dessen der Blogger Hadmut Danisch in der ihm eigenen höflichen und zurückhaltenden Art lediglich auf einen „Kontrast stark unterschiedlich geistiger Niveaus“ verwies. Ich habe mir die Sendung gestern nebenbei in der Mediathek angeschaut. Für mich war’s auch irgendwie enttäuschend, da ich den Herrn Precht als philosophisch vorgebildeten Sachbuchautor früher recht sympathisch fand. Hatte schon mal eines seiner Bücher gelesen (das, was eh jeder kennt), aber noch nie eine volle Sendung mit ihm gesehen. Aber gegen di Fabio, der ihm zu Anfang gleich „unterkomplexes Denken“ attestierte, sah Precht schon ziemlich alt aus. Erschwerend kam hinzu, dass er zu wenig Kenntnis vom Thema der Sendung (soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Internet) hatte und auch Marktwirtschaft offenbar nicht so sein Ding ist; aber das sollte man ja einem linken Philosophen, dessen Einkünfte sich auch marktfern aus GEZ-Geldern speisen, vielleicht nicht zum Vorwurf machen.
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Don Alphonso und Birgit Kelle

Eine Podiumsdiskussion zum Thema „#Metoo statt Freiheit für Frauen“. Ich las darüber andernorts einen recht ausgewogen klingenden Bericht (bei Danisch) und stieß dann auf einen Artikel in der Welt. Frappierend, wie unterschiedlich Schwerpunkte gesetzt werden. Systempresse (Welt): Totalausfall (wie nicht anders zu erwarten). Der einleitende Satz gibt die Zielrichtung vor und schlägt grobe Pflöcke ein: Continue reading Don Alphonso und Birgit Kelle

Nemax lässt grüßen

Bekomme täglich immer hysterischer klingende Spam-Mails, die mich auffordern, jetzt endlich in Bitcoins einzusteigen und ein „garantiertes“ Vermögen zu machen …
Im Betreff steht etwa: Reite auf der Bitcoin-Welle und verdiene garantiert €13.000 in genau 24 Stunden!
In genau 24 Stunden! Aber warum nur 13.000 Euro?
Hat mal jemand 100.000 Euro für mich? Bekommt er dann in 24 Stunden garantiert zurück – darauf mein Ehrenwort! Paar Zinsen zahl ich auch. Kontonummer poste ich gleich …
Erinnert mich doch alles stark an die Jahrtausendwende, kurz bevor der Neue Markt abtauchte
… Fast jedes Gespräch in den Firmen, schon morgens im Fahrstuhl, drehte sich um die heißesten Internet-Aktien.
Der Nemax lässt grüßen (so hieß damals der deutsche Aktienindex für derartige Wachstumswerte, die darum konkurrierten, schnellstmöglich Geld zu verbrennen).
Es wiederholt sich eben jeder Zyklus irgendwie – in neuem Gewande.

Kleine Bakterienkunde

Angenommen, ein Bazillus infiziert einen geschwächten Körper, dessen Immunsystem leider nicht mehr so funktioniert, wie man es üblicherweise von einem (durchschnittlich) gesunden Organismus erwarten würde. Diese Schwäche kann viele Gründe haben, z. B. Verletzungen, andere Vorschädigungen, hohes Alter, lange starke Belastungen, zu wenig Erholungsphasen, vorangegangene Fehlmedikation usw.
Dieser Körper ist also schon ziemlich angeschlagen und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Offiziell heißt es natürlich, er könne vor Kraft kaum laufen. Das sagt man gern, um niemanden zu beunruhigen. Doch ein Blick in die trüben Augen, angeblich die Fenster der Seele, ernüchtert. Gegen bakterielle Krankheitserreger, Viren oder auch Parasiten kann sich dieser Organismus nicht mehr wehren, obwohl die ihn ja auch sein Leben lang begleitet haben. Da ist aber diese widerwärtige Bazille – aus Gründen der Gender-Gerechtigkeit tendiere ich doch zur weiblichen Form – eigentlich ist die gar nicht so gefährlich, es gibt schlimmere, das wissen wir, und einem gesunden Körper könnte die nicht viel anhaben – ein paar Mal niesen, gut ausschlafen und dann eine kalte Dusche – und fertig. Manche Menschen würden diese Infektion gar nicht wahrnehmen und lachen drüber. Aber diese Bazille hat sich nun mal eingenistet und will einfach nicht weichen … Es ist fast so, als könne man ihre üblen Ausdünstungen, ihren Verwesungsgeruch riechen, wenn man Bilder von ihr (in medizinischen Abhandlungen) sieht.
Klar, diese stinkende Bazille kann auch diesen guten Körper zerstören, der mal was war, der immer noch nach was aussieht – aber der Schein trügt, eigentlich ist der nur noch ein Schatten seiner selbst. Das ist der Lauf der Zeit, sagt man auch, und besonders ein kranker Körper spült noch massig Umsatz in die Kassen. Und dann erst das Vermächtnis … Sollte man im Blick behalten. Aber so weit denken wir gar nicht. Der Körper soll ja wieder gesunden und aufblühen, oder zumindest soll er sich aufrappeln.
Diese Bazille jedenfalls, die sollte man zwar nicht unterschätzen, aber wäre sie weg, kämen wiederum andere Bazillen oder neue Viren aus fremden, noch unbekannten Stämmen und nähmen sogleich den Platz der alten Bazille ein. Klar, die alte Bazille muss bekämpft werden, aber sie ist nicht die primäre Ursache der Schwäche, des Leids, des Unheils. Jede Bazille macht nur ihren Job. Und schon gar nicht würde man gerade diese oder jene opportunistische Bazille als die mächtigste Bazille der Welt bezeichnen oder? Das wäre absurd und ungerecht.

Dingdong …

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich es bei Ernst Jünger oder Erich Maria Remarque las, aber einer von beiden schrieb, dass man unter heftigem Artilleriebeschuss bevorzugt in frischen Granattrichtern Zuflucht suchte und dort in Deckung blieb, da man es für unwahrscheinlich hielt, dass Granaten zweimal hintereinander am selben Ort einschlagen. Der sicherste Weihnachtsmarkt Deutschlands befindet sich in diesem Jahr bestimmt auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Auch in Potsdam dürfte ein explosiver oder anderweitig verstörend wirkender Vorfall ab heute eher unwahrscheinlich sein, oder zählt ein entschärftes Böllerpaket mit Nägeln nicht? Zu unser aller Wohlergehen schießen derweil allerorten sog. Merkel-Steine und Stahlpoller aus dem Boden wie Pilze nach einem sanften Regenguss. Bunt bemalte und festlich geschmückte Lkw-Sperren bieten wertvolle Momente zum Innehalten – Winterzeit, Zeit der Entschleunigung, Zeit der Besinnlichkeit. Dingdong, Klingeling …

Pfeiffer, setzen, sechs!

Ich find’s ja eigentlich immer etwas peinlich, wenn in den Talkshows, in die ich zufällig kurz reinschalte, SPDler oder sonstige verstrahlte Leute sitzen, die immer wieder den gleichen Stuss in abgewandelter Form erzählen; aufgrund der bekannten Teilnehmerkonstellation hakt niemand ein, es bleibt unwidersprochen, und der Redestrom plätschert weiter. Der Kriminologe Pfeiffer ist z. B. so ein Kandidat, der u. a. unverdrossen immer wieder behauptet, die steigende Migrantenkriminalität läge vor allem in der unterschiedlich hohen Anzeigebereitschaft der Opfer gegenüber deutschen und nicht deutschen Tätern begründet. Je fremder der Täter, desto höher die Anzeigebereitschaft, behauptet er. Das sei der Grund für die Zunahme der verübten  Gewaltdelikte durch Zugereiste, denn die würden von Deutschen viel eher angezeigt, als wenn die Täter Deutsche wären.
Das ist zynisch, menschenverachtend und dreist, denn Pfeiffer unterstellt den Opfern zu ihrem Schaden überdies noch ein unterschwellig rassistisches Verhalten. Betreffende Opfer würden ihre Täter schließlich allzu oft nur anzeigen, weil sie Fremde seien.
Belegen lässt sich die Mär von einer per se höheren Anzeigebereitschaft bei Straftaten von Ausländern ohnehin nicht. Urteilt man nach halbwegs gesundem Menschenverstand eines schon länger hier Lebenden, ist sie auch weder schlüssig noch nachvollziehbar. Continue reading Pfeiffer, setzen, sechs!

Monkey Business

Mal ausnahmsweise eine kurze themenfremde Einlassung. „Höhle der Löwen“ mit diesem Maschmeyer u. a. finde ich zum Gähnen, aber ein anderer Sender, der ein Konkurrenzformat produziert, hatte mich vor einiger Zeit mal kontaktiert. Die wollten auch, dass ich da mein Produkt vorstelle und einen Deal an Land ziehe. Irgendwie hatten die von mir gehört. Das war aber nicht Höhle der Löwen, wo sich natürlich nur noch die Leute präsentieren, die anderswo keinen Stich sehen und bei den Banken unten durch sind: Versager, Blender, verkrachte Existenzen, Lindner-Avatare usw. Deren überteuerter Schund türmt sich ja mittlerweile auf den Grabbeltischen aller Super- und Baumärkte. „Käfig der Tiger“, kurz Tigerkäfig, so lautete der Arbeitstitel dieses neuen Sendeformats; kann auch noch geändert werden, irgendwas mit Affen statt Tiger war da noch im Gespräch – und die wollten mich da auch engagieren für eine abendfüllende Sendung, in der Unternehmer mit innovativen Produktideen auftreten und gegen eine prozentuale Firmenbeteiligung dann eine bestimmte Kapitalsumme von Kapitalgebern einwerben. Selbstredend etwas spannender gestaltet als bei Vox, will aber nicht vorgreifen … Soll bei den Öffis laufen, d. h. auf einem der öffentlich-rechtlichen Sender soll das ausgestrahlt werden. Tigerkäfig, wie gesagt, müsst Ihr mal drauf achten. Sendetermin der ersten Staffel steht noch nicht fest. Kommt aber. 100 Pro. Continue reading Monkey Business

Die Joggerin im Gebüsch

Mir kam gerade der Gedanke, dass die einzigen beiden großen Nationen (und hoch entwickelten Volkswirtschaften), die sich gegen die Segnungen der Islamisierung und unkontrollierten Einwanderung aus muslimischen und/oder afrikanischen Ländern sperren und sich davor zu schützen wissen, nämlich China und Japan, zugleich auch laizistische Gesellschaften ausgebildet haben, die frei von christlicher Einflussnahme auf Politik und veröffentlichte Meinung sind. In Japan stellen Shintoismus und Buddhismus die Hauptreligionen, während in China u. a. Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Schenismus und Taoismus vertreten sind. Bezeichnend ist vielleicht auch, dass es sich da um keine strengen oder dogmatischen Religionen/Ideologien handelt, sondern Glaubensrichtungen, die eher sozialethische Grundsätze, spirituelle Heilslehren, Lehrtraditionen, Volksglauben usw. verkörpern. Christentum hat dort historisch gesehen keine Tradition. Ich frage mich gerade, ob künftige Generationen daraus vielleicht einen Zusammenhang konstruieren würden, wenn gerade jene Völker ihre Kulturen bewahren und als Nationen letztlich überleben könnten, in denen christliche Kirchen nie einen Fuß in die Tür bekommen haben. (Osteuropa bzw. die Visegrad-Staaten z. B. Polen würde ich erstmal ausblenden.)
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Zum Poststrukturalismus

Viele Idioten von der Gender-, Soziologen- und Philosophenfront seien ja mit Marx, Michel Foucault, Judith Butler fest davon überzeugt, dass die Welt nicht von Natur aus existiert, sondern erst durch „Sprechakte“, durch „Diskurse“ geschaffen wird, schrieb der ehrenwerte Hadmut Danisch in einem gestrigen Beitrag (hier verlinkt).

Zu Foucault und Butler fällt mir nichts ein, aber Marx tut man natürlich unrecht, wenn man seinen Namen in einem Atemzug mit den beiden anderen Figuren nennt. Genderismus und Poststrukturalismus stehen nämlich im völligen Widerspruch zum Marxschen Materialismus. Marx hatte ja erkannt und war davon überzeugt, dass die objektive Wirklichkeit außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existiert. (Sinngemäß sagt er passenderweise: Wie auch immer man die Welt interpretiert, man verändert sie dadurch nicht.) Menschliche Gedanken, Gefühle, Äußerungen (bzw. das Bewusstsein) sind demzufolge auf Materie zurückzuführen und liegen in der objektiven bzw. stofflich manifestierten (gesellschaftlichen) Realität begründet. Marxsches Denken wäre somit unvereinbar mit der irrigen These, dass objektiv vorhandene Gegebenheiten, z. B. materielle/physische Unterschiede oder biologische Geschlechtsmerkmale, allein mit sprachlichen Mitteln sozial „dekonstruiert“ bzw. durch Sprechakte, also durch sprachlich manifestierte Gedanken oder Gefühle, beliebig verändert werden könnten. Das wäre ja das genaue Gegenteil dessen, was Marx postulierte. Grundlage des Marxschen Denkens ist, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, nicht umgekehrt. Egal, wie lange und oft ich diskutiere, schreibe und Sprechakte vollführe, ich verändere allein dadurch die außerhalb des Bewusstseins existierende Wirklichkeit nicht. Nur das biologisch entstandene „Mannsein“ oder „Frausein“ prägt somit ein männliches oder weibliches Bewusstsein aus. Die objektive Realität lässt sich allein aus ihrer materiellen Existenz und deren Entwicklung erklären, so Marx. Poststrukturalisten leugnen somit eigentlich den Materialismus; daher würden die sich sicher auch nicht auf Marx berufen können oder wollen. Linke, sofern sie sich noch als Marxisten verstehen, müssten somit eigentlich die Gender-Ideologie als unwissenschaftlich (und unmarxistisch) verwerfen.