Kategorie-Archiv: Notizen

Nennt mich Ismael … (I)

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Oder meinetwegen Max. Spielt aber eigentlich keine Rolle.
Als wir Kinder waren, nahm uns unser Großvater oft mit auf den See hinaus zum Angeln. Opa besaß noch einen dieser alten schweren Angelkähne, ein eisernes Ungetüm, komplett aus Stahlplatten gefertigt, mit dicken Schweißwülsten an den Nahtstellen und Rändern, unhandlich, schwer zu rudern und ziemlich pflegeintensiv. Wie es seine Art war, pflegte Großvater auch diesen alten Eisenkahn sehr sorgfältig, zog ihn regelmäßig im Herbst aus dem Wasser und lagerte ihn mit der Unterseite nach oben am Ufer; im Frühjahr schliff er Roststellen ab und verpasste dem Bootskörper einen neuen Anstrich. Erst trug er eine Rostschutzfarbe oder Grundierung auf, danach wurde die Oberfläche mit einer wetterbeständigen blauen Farblackierung versehen und versiegelt. Der Blauton variierte mit den Jahren, war mal heller und mal dunkler. Wenn im Jahresverlauf etwas Farbe abblätterte, kamen darunter liegende alte Farbschichten zum Vorschein, die an Jahresringe von Bäumen erinnerten. Das Boot muss ziemlich alt gewesen sein, wahrscheinlich älter als der von ihm befahrene See, der erst in den 30er Jahren durch einsickerndes Grundwasser nach intensivem Kiesabbau entstanden ist. Der Kahn war schwer, aber nicht plump zu nennen, sah sogar ästhetisch, formschön aus. Massiver dicker Stahl, an keiner Stelle durchgerostet. Ich habe Großvater nie gefragt, woher er den Kahn eigentlich hatte. Ich hing sehr an diesem stählernen Boot, obwohl es im Unterschied zu den modernen und leichteren Plastikkähnen schwer zu rudern war. Der Eisenkahn reagierte nur schwerfällig auf Steuerversuche, und man konnte sich auch leicht die Finger an den Halterungen der Ruderblätter einklemmen. Er lag tief im Wasser und ließ sich ohne fremde Hilfe kaum und wenn überhaupt, dann nur mit provisorischen Betonrollen aus dem flachen Wasser auf den Bootsablageplatz am nahen Ufer ziehen. Um das Boot mit der am Bug befestigten Kette an Land zu ziehen, brauchte man eigentlich zwei Männer. Heute bräuchte man noch mehr. Mein Großvater schaffte es allein. Dennoch liebte ich dieses schwere Boot. Solange es möglich war, ruderte ich später bei jeder sich bietenden Gelegenheit, manchmal auch bei schwerem Wellengang, allein auf den See hinaus. Von allein wäre es wohl nie gesunken.

Irgendwann – das war aber erst viel später – leistete sich Großvater ein neues Ruderboot aus glasfaserverstärktem Kunststoff, eines, das geräumiger, handlicher, bequemer und sicherer war. Das benutzte er dann aber nur noch eine Saison lang …

Facebook

Facebook oder Twitter sehe ich im Grunde auch gar nicht mal wegen der Datensammelwut oder der Machtkonzentration dieser Konzerne so negativ. Jedenfalls nicht in erster Linie. Die sind mir egal. Die dortigen Nutzer auch (sofern sie nicht hier mitlesen ;-) oder mit mir verwandt oder befreundet sind). Meine Kritik ist eher grundsätzlicher Natur. Der Grund, warum ich mich z. B. Facebook immer verweigert habe und auch anderen Vernetzungsportalen misstrauisch gegenüberstehe bzw. die nur wohldosiert nutze, ist, dass eine solche virtuelle, rein aufmerksamkeits- und sympathiegetriebene Rudelbildung immer zu einer Selbstkonditionierung im kollektivistischen Sinne führt. Das macht (auf lange Sicht) unfrei. Continue reading Facebook

Bin ein Fan von Erdogan …

Ich gebe es zu: Ich mag den. Ist ein starker Typ. Knallhart. Authentisch. Glaubwürdig. Durchaus nicht unsympathisch, und reichlich Humor scheint er auch zu haben …
Okay, Fan ist vielleicht übertrieben, denn aus dem Alter, wo man sich selbst als begeisterten oder vorbehaltlosen Fan von irgendwem sieht oder bezeichnet, ist man irgendwann rausgewachsen. Und irgendwann ist bei mir schon lange her. Nein, ich mag und schätze ihn und seh ihn immer gern – so wie einen Begleiter, an den man sich gewöhnt hat und dessen Antlitz und Stimme irgendwie eine beruhigende Wirkung hat, da dies Beständigkeit in Zeiten des Umbruchs symbolisiert. Auch wenn ich mich hierzu wohl verständlicherweise noch nie im Blog geäußert bzw. geoutet habe … Na ja, man ahnt ja, warum. Blogleser sind ja wie ein Rudel gieriger Raubtiere, die stürzen sich auf jeden, der da mal noch eine unorthodoxe Meinung zu vertreten wagt, und dann machen die den platt, bis er nicht mehr zuckt. Aber nicht mit mir, Leute! Da seid Ihr nämlich ganz schief gewickelt.
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Die Akte (Vol. 2)

In John Grishams Roman „Die Akte“, verfilmt mit der bezaubernden Julia Roberts in der Hauptrolle, deckt eine hübsche und überaus intelligente Jura-Studentin die Hintergründe der Ermordung von zwei Richtern des obersten Bundesgerichts der USA auf. Ein skrupelloser Industrieller, Wahlkampfspender und enger Freund des amtierenden US-Präsidenten, wollte mit der Beseitigung der amtierenden Richter eine Neubesetzung dieser Posten am obersten Bundesgerichtshof erzwingen. Die neuen, vom befreundeten US-Präsidenten berufenen Richter wären dann eher geneigt gewesen, in einem teuren Rechtsstreit ein Urteil im Sinne des schurkischen Ölmagnaten zu fällen.

Szenenwechsel. Neues Handlungsszenario: Man stelle sich vor, in Deutschland wäre das Bundesverfassungsgericht von einer verschworenen Clique linksradikaler Feministinnen infiltriert worden, deren Ziel darin besteht, durch einen sanften Verfassungsputsch von oben den Staat und die Gesellschaft insgesamt irreparabel zu schwächen, zu zersetzen und der Plünderung preiszugeben (möglicherweise unterstützt durch einen ungenannten philanthropischen US-Milliardär oder sonstige Profiteure bzw. interessierte Kreise).

Viel wirksamer und zuverlässiger als die Beseitigung renitenter Politiker oder Verfassungsrichter, so eine im Handlungsverlauf zu Tage tretende Erkenntnis, ist die Infiltration und Lenkung des Bundesverfassungsgerichts, gegen dessen legitimierte und später in Gesetz gegossene Entscheidungen keine (demokratische) Gegenwehr mehr möglich ist. Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts lassen nun über Strohleute gewünschte Beschwerden selbst verfassen, die es ihnen ermöglichen, in ihrem eigenen Sinne (oder in fremden Interessen) zu entscheiden und ihre politische Agenda vorantreiben …
Haha, bloß gut, dass das nur ein frei erfundenes Szenario ist. Nicht auszudenken, wenn das wahr wäre, wa? …
Referenz-/Hintergrundinfos bei H. Danisch: „Die Juristen-Junta putscht“ und „Zur Juristen-Junta und wie das Bundesverfassungsgericht putscht

 

Wider die Unterwerfung

Immer mehr Sperrungen in sozialen Netzwerken. In Deutschland wird mehr gesperrt als anderswo auf der Welt. Das verfassungswidrige NetzDG wirkt also (hat sogar das Potenzial zu einem echten Exportschlager, wie man hört).
Indes kann ich wenig Verständnis für Leute aufbringen, die alle paar Wochen bei Facebook oder Twitter wegen ihrer Meinungsäußerungen gesperrt werden, sich dann auf anderen Seiten über Sperrung und Zensur beklagen, brav abwarten, bis ihre Sperrfrist abgelaufen ist, nur um sich dann sofort wieder bei FB oder Twitter anzumelden. Ist ja schon kurios. Man kann sich vielleicht vormachen, dies zeuge von widerständigem Geiste, aber im Grunde ist es nur ein Zeichen von Unterwerfung. Jemand kriecht reumütig wieder in den Schoß derselben Plattformen zurück, die ja bereits mehrmals unmissverständlich zum Ausdruck gebracht haben, dass er/sie dort nicht erwünscht ist. Warum tut man das, wenn man der Meinung ist, dass die Sperrung unberechtigt war und wenn man nicht medial-masochistisch veranlagt ist? Diese Plattformen spucken auf euch, und Ihr leckt ihnen noch die Stiefel und bettelt darum, wieder aufgenommen zu werden oder haltet euch für clever, weil Ihr unter einem anderen Account vorerst wieder durch die Hintertür reinkommt wie der ungebetene Gast auf der Party.

Facebook und Twitter leisten einen Beitrag zur globalistischen Meinungsgleichschaltung und sind daher Feinde jedes freiheitlich gesinnten Menschen. Euer Datenverkehr wird von euren Feinden monetarisiert. Mit jedem Posting auf Facebook oder Twitter stärkt Ihr die Macht eurer Gegner. FB und Twitter verdienen prächtig und planen schon mal neue Löschzentren … Jeder Nutzer bezahlt somit auch die ihn u. U. betreffenden Zensur- und Sperrmaßnahmen. Alternative Netzwerke, Blogs oder Foren lasst Ihr links liegen, da postet Ihr höchstens mal gnädigerweise einen Twitter- oder FB-Link, denn da fehlt euch die tolle Reichweite – und da hat man auch nicht die vielen Follower, auf deren Likes und Herzchen man nicht verzichten möchten. Continue reading Wider die Unterwerfung

Precht vs. di Fabio (II)

Zu diesem Gespräch noch ein letzter Gedanke, der mir im Gedächtnis haften blieb und den ich daher schnell notiere, bevor ich ihn vergesse (oder bevor ich wieder die Lust verliere, was zu schreiben): Mir ist an Prechts Einlassungen unangenehm aufgefallen, dass er versucht hat, einen Gegensatz zwischen einer (durch US-Konzerne wie Facebook, Amazon, Google symbolisierten) sog. Silicon-Valley-Mentalität und unserem westlichen Bewusstsein zu konstruieren. Er stellt ja zu Beginn auch gleich die Frage, was die Konzerne mit unserem „demokratischen Bewusstsein“ anstellen würden. Precht sieht also einen Widerspruch zwischen unserem bzw. seinem „demokratischen“ Bewusstsein, das eher an moralischen Werten ausgerichtet sei, und einem schnöden profitorientierten technokratischen Silicon-Valley-Bewusstsein der US-Amerikaner (sofern ich ihn da richtig interpretiert habe). Continue reading Precht vs. di Fabio (II)

Precht vs. di Fabio

Der ehemalige Verfassungsrichter Udo Di Fabio war zu Gast beim ZDF-Philosophen Richard David Precht – ein Gespräch, bezüglich dessen der Blogger Hadmut Danisch in der ihm eigenen höflichen und zurückhaltenden Art lediglich auf einen „Kontrast stark unterschiedlich geistiger Niveaus“ verwies. Ich habe mir die Sendung gestern nebenbei in der Mediathek angeschaut. Für mich war’s auch irgendwie enttäuschend, da ich den Herrn Precht als philosophisch vorgebildeten Sachbuchautor früher recht sympathisch fand. Hatte schon mal eines seiner Bücher gelesen (das, was eh jeder kennt), aber noch nie eine volle Sendung mit ihm gesehen. Aber gegen di Fabio, der ihm zu Anfang gleich „unterkomplexes Denken“ attestierte, sah Precht schon ziemlich alt aus. Erschwerend kam hinzu, dass er zu wenig Kenntnis vom Thema der Sendung (soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Internet) hatte und auch Marktwirtschaft offenbar nicht so sein Ding ist; aber das sollte man ja einem linken Philosophen, dessen Einkünfte sich auch marktfern aus GEZ-Geldern speisen, vielleicht nicht zum Vorwurf machen.
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Don Alphonso und Birgit Kelle

Eine Podiumsdiskussion zum Thema „#Metoo statt Freiheit für Frauen“. Ich las darüber andernorts einen recht ausgewogen klingenden Bericht (bei Danisch) und stieß dann auf einen Artikel in der Welt. Frappierend, wie unterschiedlich Schwerpunkte gesetzt werden. Systempresse (Welt): Totalausfall (wie nicht anders zu erwarten). Der einleitende Satz gibt die Zielrichtung vor und schlägt grobe Pflöcke ein: Continue reading Don Alphonso und Birgit Kelle

Nemax lässt grüßen

Bekomme täglich immer hysterischer klingende Spam-Mails, die mich auffordern, jetzt endlich in Bitcoins einzusteigen und ein „garantiertes“ Vermögen zu machen …
Im Betreff steht etwa: Reite auf der Bitcoin-Welle und verdiene garantiert €13.000 in genau 24 Stunden!
In genau 24 Stunden! Aber warum nur 13.000 Euro?
Hat mal jemand 100.000 Euro für mich? Bekommt er dann in 24 Stunden garantiert zurück – darauf mein Ehrenwort! Paar Zinsen zahl ich auch. Kontonummer poste ich gleich …
Erinnert mich doch alles stark an die Jahrtausendwende, kurz bevor der Neue Markt abtauchte
… Fast jedes Gespräch in den Firmen, schon morgens im Fahrstuhl, drehte sich um die heißesten Internet-Aktien.
Der Nemax lässt grüßen (so hieß damals der deutsche Aktienindex für derartige Wachstumswerte, die darum konkurrierten, schnellstmöglich Geld zu verbrennen).
Es wiederholt sich eben jeder Zyklus irgendwie – in neuem Gewande.