Debakel für das IOC

Tu Felix Bavaria. Oh Mann, die Bayern haben sich was getraut.
Mein Respekt gilt den bayerischen Wählern für die mehrheitliche Ablehnung des überflüssigen Olympiaprojekts „München 2022“.
Eine Sternstunde für die Demokratie und eine schallende Ohrfeige für das IOC, den exklusivsten und wohl reichsten Privatklub der Welt, in dessen korrupten Hofstaat sich auch zahlreiche deutsche Funktionäre, Politiker und abgehalfterte Berufssportler gern einreihen würden.
Nicht wundern müssen uns die vor Wut überschäumenden Reaktionen aus den Reihen der Politik, des zwangsfinanzierten Staatsrundfunks, der wohlgenährten Verbandsfunktionäre und all jener, die nun ihre Felle davonschwimmen sehen.
Von einem kommerzialisierten winterlichen Geldbeschaffungsspektakel auf Kosten der Allgemeinheit hatte man sich fette Gewinne und marktwertsteigernde Auftritte im Rampenlicht erhofft, während jegliche Risiken und Kosten gern ungefragt den tumben Steuer- und Gebührenzahlern aufs Auge gedrückt werden sollten.
Nur mühsam seine Wut unterdrückend drohte übrigens der ehemalige Ballsportler Beckenbauer, die Bayern würden diese Entscheidung schon noch bereuen.
Ich denke nicht. Ganz im Gegenteil. Diese Entscheidung ist von jedem ehrbaren Steuerzahler zu begrüßen.
Die mehrheitliche Ablehnung der Winterspiele ist m. E. nicht nur eine Absage an den unkontrollierbaren, korrupten Moloch IOC, der die Gastgeber in feudaler Manier durch Knebelverträge zu knechten pflegt. Die Menschen haben die „Schnauze voll“ von unzeitgemäßen, teuren und nutzlosen Großveranstaltungen, von Umweltschäden, von der weiteren Entmündigung und Entreicherung des Steuerzahlers. Kurzum, das Nein der Bayern ist ein riesiger Gewinn für die Mehrheit der Bevölkerung Bayerns und ganz Deutschlands.

Das Ergebnis dieser Volksbefragung ist zudem ein kleiner Sieg für die direkte Demokratie, da es die Unterstützertruppe aus Politik und IOC-Profiteuren trotz eines Riesenetats nicht vermochte, die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten zu manipulieren. Hoffen wir, dass sich auch andere Staaten dem feudalen Zugriff der geldgeilen IOC-Kaste auf die Kassen ihrer Steuerzahler verweigern mögen. Das IOC selbst hat die olympische Idee zerstört, ausgehöhlt und als blutleere Hülle hinterlassen.
Und weht nach diesem Referendum nicht vielleicht auch ein Hauch neuer Basisdemokratie durch Deutschland? Oder ist es der leichte, kaum fühlbare Flügelschlag eines verspäteten Schmetterlings, der irgendwann einmal den sprichwörtlichen Orkan auslöst, der alles umwälzt, was nicht reformierbar zu sein scheint?

Als einst Erich Honecker noch 1989 ankündigte, die olympischen Spiele 2004 nach Leipzig zu holen, ahnte er nicht, dass sich das Projekt Olympia und der ganze Rest der DDR in Kürze von selbst erledigen würden. Die Idee von Olympia in Leipzig war so absurd, dass man damals dachte, der Genosse Honecker hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Dennoch wäre eine Olympia-Bewerbung der DDR, wenn auch unter finanziellen Gesichtspunkten völlig undenkbar, sicherlich im IOC mit Wohlwollen aufgenommen worden. Dem damaligen machtbesessenen und korrupten IOC-Boss Samaranch, einst glühender Anhänger des faschistischen Franco-Regimes, waren Berührungsängste im Umgang mit Diktaturen wesensfremd. Schließlich ging es um die Verwirklichung einer großen olympischen Idee, bei der man kleinkrämerische Skrupel und spießige moralische Bedenken hinten anstellen sollte.
Nun vielleicht war es auch weniger die olympische Idee, die die IOC-Mitglieder damals umtrieb, sondern die Religion des Geldes und der Macht, die stets ideologische Gräben überwinden hilft oder zeitweise sogar verschwinden lässt.
Während also der Genosse Honecker noch kurz vor Ultimo in erster Linie sein unzufriedenes Volk beruhigen und das internationale Ansehen eines sozialistischen Regimes heben wollte, geht es bei den heutigen kommerziellen Gladiatorenkämpfen, denen wie zum Hohn noch das Label Olympia angeheftet wird, zwar vorrangig um den schnöden Mammon, dennoch erfüllen auch in der postdemokratischen Nach-Honecker-Ära Deutschlands sportliche Großveranstaltungen eine wichtige Funktion im Rahmen einer neuzeitlichen Brot-und-Spiele-Strategie.
Derartige Sommer- oder Wintermärchen werden gern gezielt dazu benutzt, um der Bevölkerung auf dessen eigene Kosten eine heile Welt, quasi eine rissfreie Matrix, vorzugaukeln, um so ein marodes System behelfsweise zu stabilisieren.
Eine kurze Zeit, in der politisch korrektes Fahnenschwenken und Jubeln, Begeisterung über sportliche Heldentaten der natürlich ungedopten Athleten gestattet ist – eine Zeit des ungefährlichen nationalen Taumelns und Träumens. Ganz nach dem Geschmack jeglicher herrschender Eliten.
Nun, hoffen wir, dass der Verzicht auf die Droge Olympia eine heilsame Wirkung entfaltet.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Tagesgeschehen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.