Der Tag danach

Als Kinder zogen wir am Neujahrstag durch die Straßen unserer verschlafenen Kleinstadt und suchten nach nicht gezündeten Knallern und allen möglichen Feuerwerkskörpern, die noch nicht ganz ausgebrannt waren. Es gab damals erstaunlich viele Blindgänger und Knaller, die noch Schwarzpulver enthielten. Die zündeten wir an und freuten uns, wenn es zischte und die Knaller doch noch explodierten. Es war der Nervenkitzel oder der Kick, wie man heute eher sagen würde. Aus den überall herumliegenden Raketenstielen bastelten wir nagelbewehrte Pfeile für unsere Flitzbögen, mit denen wir andere Kinder beschossen. Statt Nägel mit Köpfen zu machen, versuchten wir, Köpfe mit Nägeln zu spicken. Wir trafen aber meistens nicht, glaube ich. Ob es heute auch noch so viele Blindgänger gibt? Oder nicht gezündete Knaller, Knallköpfe, deren Knall man noch nicht gehört hat? In der ARD läuft jetzt ein Tatort mit Til Schweiger, den alle gucken. Ein Tatort läuft eigentlich immer irgendwo. Deutschland ist Tatortland. Vertraute, dröge Fernsehlandschaft. Ich sehe Tils Tatort nicht. Natürlich nicht, denn ich schreibe hier. Und das ist gut so. Oder besser so.

2 thoughts on “Der Tag danach”

  1. Was für ein Zirkus. Tagelang die Knallerei und die Tiere laufen völlig verschreckt durch den Morgen. Jedes Mal, wenn man sich der Katze genähert hatte und Vertrauen geschaffen, knallt es irgendwo. Das Fell zuckt zusammen und flüchtet in eine Ecke. Und ich setze deppert auf dem Fußboden und beruhige den Hund, der erbenfalls langsam panisch wird.

    Kein Szenario in der Großstadt, sondern in der bäuerlichen Abgeschiedenheit auf dem Lande, wo ich gehofft hatte, dem Trubel zu entgehen. Zwischen Hoffnung und Realität liegen immer noch Welten …

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