Deutschlands Privathaushalte – Verlierer des Euro?

Seit Jahren feuert die geballte Medienmacht aus allen Rohren: Deutschland, mit Argwohn und Misstrauen, jedoch auch Neid betrachtetes Symbol des reichen Nordens, profitiere besonders vom Euro – und dies allein auf Kosten des armen Südens.

Die Mehrzahl der deutsche Bürger sah und sieht dies naturgemäß etwas anders, widerspricht es doch ihrer gelebten Wirklichkeit, den tagtäglich im Alltag gesammelten Erfahrungen, die von Billiglöhnen, Teuerung, hohen Steuern, Abgaben und staatlichen und europäischen Drangsalierungen à la Glühlampenverbot geprägt sind.

Geschulte EU-Propagandisten pflegen daraufhin sinngemäß zu antworten, diese negative Wahrnehmung sei nur gefühlt, entspreche jedoch nicht der Wirklichkeit, da der EU keine derartigen Daten vorlägen…

Nun ziehen sich immer mehr feine, aber unübersehbare Risse durch die Matrix.

Eine Studie, die nach dem Willen von EU-Funktionären und Bundesregierung besser bis nach den Bundestagswahlen hätte unter Verschluss bleiben sollen, erregt nun bundesweit die Gemüter.
Denn private Haushalte im reichen, prosperierenden Deutschland, das vor Kraft kaum laufen könne und wie kein anderes vom Euro profitiert habe – wie Vertreter von Staatsmedien und Politik nicht müde werden zu wiederholen, seien im statistischen Mittel deutlich ärmer als Privathaushalte in den EU-Krisenregionen oder in finanziell und wirtschaftlich angeschlagenen Eurostaaten wie Spanien, Italien und Frankreich…

Laut einer repräsentativen Panelstudie der Bundesbank verfügt demzufolge ein typischer deutscher Haushalt lediglich über ein mittleres Nettovermögen (Median) von 51.400 Euro, während ein durchschnittlicher Privathaushalt in Frankreich mit 113.500 Euro ein doppelt so hohes Nettovermögen auf der hohen Kante hat und Haushalte im Krisenstaat Spanien mit 178.300 Euro sowie im maladen Stiefelstaat Italien mit 163.900 Euro gar ein dreifach höheres Nettovermögen als deutsche Haushalte ihr eigen nennen.

Der so genannte Median beschreibt in einer statistischen Verteilung die genaue Mitte, über und unter dem jeweils 50 % der erfassten Werte bzw. Stichproben liegt.
Der Medianwert liefert somit ein aussagekräftigeres Bild als das arithmetische Mittel (rechnerische Durchschnittsvermögen), das gegenüber Ausreißern zu anfällig ist.

In Deutschland leben beispielsweise mehr als 100 Milliardäre, die über astronomisch hohe Vermögenswerte verfügen. So wird der Durchschnitt durch eine relativ kleine Anzahl reicher Haushalte nach oben getrieben.

Doch selbst das durchschnittliche Haushaltsvermögen liegt nach den Ergebnissen der Bundesbank-Studie in Deutschland mit 195.000 Euro noch deutlich unter dem Frankreichs (229.300 Euro) und Spaniens (285.800 Euro).

Warum liegt nun der Median so weit unter dem rechnerischen Durchschnitt? Ursache ist die stark asymmetrische Verteilung der Vermögensmasse: 73 % aller deutschen Haushalte liegen mit ihren Vermögen unterhalb des erwähnten Durchschnitts.
Der größte Anteil der Vermögen konzentriert sich bei einer kleinen Anzahl exorbitant reicher Haushalte. Die immer stärkere Konzentration von Vermögenswerten in den Händen einer geringen Zahl von Ultrareichen wird sich unter den derzeit herrschenden Verhältnissen des Geldsystems auch weiter fortsetzen, aber dies soll jetzt nicht das Thema sein.

Auch, wenn die Zahlen teilweise aus verschiedenen Jahren stammen und z. B. noch etwas überhöhte spanische Immobilienwerte zugrunde legen, lässt sich kaum wegdiskutieren, dass deutsche Haushalte finanziell schlechter gestellt sind als die Privathaushalte unserer Europartner, für die bzw. deren Banken wir – ohne gefragt jemals zu werden – in die Haftung gehen und Bürgschaften übernehmen.

Nun war es den Bürgern seit eh und je schon schwer zu vermitteln, warum Steuerzahler in Deutschland für andere, noch höher verschuldete Eurostaaten haften sollen.

Die Argumentation, warum der im Vergleich zu den EU-Südländern deutlich ärmeren deutschen Bevölkerung unter dem Deckmantel der europäischen Solidarität – die lediglich einem aufgeblähten Banken- und Finanzsektor zugute kommt – noch weitere Belastungen auferlegt werden sollen, wird nun noch schwerer zu führen sein, da die relative Verarmung der deutschen Bevölkerung deutlich zutage tritt, die im spiegelbildlichen Gegensatz zur Lage der kraftstrotzenden Exportindustrie steht. Richtig ist wohl eher, dass der deutsche „Möchtegern-Exportweltmeister“ Wohlstand exportiert, während der Großteil unserer Bevölkerung unter real sinkenden Löhnen und einer hohen Abgabenlast ächzt und dennoch keinerlei Dank zu erwarten hat. Die ständigen deutschfeindlichen Äußerungen und Demonstrationen sowie Merkel-Porträts mit Hitlerbärtchen, die in den Krisenstaaten allzu oft in Stürmer-Manier publiziert und offen gezeigt werden, geben einen Vorgeschmack darauf, welches Hass- und Spaltpotenzial die so genannte Eurorettung in sich birgt.

Es wird nun eifrig versucht, die hohen Ungleichgewichte der privaten Vermögensverteilung im Euroraum zu relativieren und zu rechtfertigen, indem man eine geringere „Neigung“ der Deutschen zum Erwerb von Wohneigentum unterstellt oder Ansprüche an deutsche Sozialsysteme als nicht berücksichtigte Vermögensbausteine ins Spiel bringt.

Doch seit wann gelten Ansprüche an marode Sozialsysteme, die zudem weiter beschnitten werden dürften und staatlicher Willkür unterliegen, als Vermögenswerte? Von einem zweifelhaften Anspruch auf eine kaum seriös bezifferbare Leistung kann sich niemand etwas kaufen.

Fordern nicht auch bereits Ökonomen und Zukunftsforscher, sekundiert durch die Bertelsmann-Stiftung, die Einführung der Rente mit 69 sowie weitere Einschnitte, da wir „immer länger leben, länger arbeiten möchten und mit weniger Luxus zufrieden“ sind? Welche Verhöhnung des steuerzahlenden Bürgers….

Südeuropäer haben im Übrigen ebenfalls Ansprüche an Sozialsysteme, umso mehr, als sie in Zeiten der Freizügigkeit jederzeit ihren Wohnsitz nach Deutschland verlagern können und entsprechende Ansprüche geltend machen können, wie sie auch Inländern zustehen…

Sicher ist es auch richtig, dass für Familien in Südeuropa die Anschaffung von Immobilieneigentum einen hohen Stellenwert hat und die wichtigste Säule der Vorsorge ist, während jedoch deutschen Familien Vorsorge und Anschaffung des eigenen Heims selbst zu Zeiten des Immobilienbooms durch Abschaffung der Eigenheimzulage, vergleichsweise hohe Kredithürden, hohe Baunebenkosten, fehlenden Schutz vor Baupfusch und Maklerunwesen, Erhöhung der Grunderwerbssteuern und die Verknappung von Bauland durch Kommunen systematisch erschwert wurde.

Ein Vermögensaufbau ist einem typischen deutschen Haushalt mit geringen und mittleren Einkommen faktisch unmöglich, da seit der Euro-Einführung die Einkommen der Unter- und Mittelschicht ohnehin stagnieren oder rückläufig sind.

Zudem nehmen Steuer- und Abgabenbelastung zu, Inflation und künstlich niedrig gehaltene Zinsen nagen an den Spargroschen – und die durch den schwachen Eurokurs bedingte Teuerung von Importgütern und Energie schmälert die Kaufkraft.

Obwohl die Steuereinnahmen des Bundes im Februar ein Rekordniveau erreicht haben, sind Pläne für neue Steuererhöhungen bereits in der Schublade und nach den Bundestagswahlen von SPD und Konsorten fest eingeplant.

Nicht ganz unerwähnt sollte auch der Aspekt bleiben, dass die im Unterschied zum Norden schwach ausgeprägte Steuermoral an der südlichen Peripherie des Euroraums den Vermögensaufbau dortiger privater Haushalte ohne Zweifel begünstigt hat.

Prognose: Da alle im Bundestag vertretenen maßgeblichen Parteien an der unseligen Rettungspolitik und am Euro alternativlos festhalten werden, müssen sich deutsche Privathaushalte auf weiter abschmelzende Vermögen und sinkende Realeinkommen einstellen. Letztlich zahlen die Steuerzahler die Zeche für eine verfehlte Euro-Einführung und nutzlose Rettungspakete, deren Folgen erst künftig sichtbar und in realen Belastungen wirksam werden. Auch überhastet beschlossene Vermögensabgaben und Enteignungen halte ich nun auch für Kerneuropa nicht mehr für ausgeschlossen.

Quelle: „Private Haushalte und ihre Finanzen“ – Ergebnisse der Panelstudie zu Vermögensstruktur und Vermögensverteilung

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