Die Tyrannei des Schmetterlings …

Vor einigen Jahren entdeckte ein talentierter deutscher Softwareprogrammierer, der für das geheimnisumwitterte, nicht börsennotierte kalifornische Startup Northwind II Inc. tätig war und unter Termindruck bevorzugt nachts arbeitete, auf der Suche nach einer leeren Quantendisk, auf der er ein wichtiges Kundenprojekt abspeichern sollte, im verborgenen Untergeschoss seines scharf bewachten Firmengeländes ein als Virtual-Reality-Simulationssphäre getarntes Übergangstor in eine fremde Dimension – d.h. einen populärwissenschaftlich als Universal Processing Stargate (UPS) bezeichneten komplexen KI-Mechanimus auf Quantencomputerbasis: Dieses „Übergangstor“ ermöglichte den Transfer von Humansubjekten in ein Paralleluniversum (PU) – nämlich in unsere (d.h. aus unserer Sicht originale) Welt, die der fremden Welt (PU-333) in vielen, aber nicht allen Dingen täuschend ähnlich sieht. Der besagte Programmierer aus der fremden Parallelwelt – er hieß zufällig Frank Schätzing – setzte den Übergangsmechanismus versehentlich in Gang und entdeckte Erstaunliches, u.a.: In unserer Welt war er bzw. sein PU-Doppelgänger kein Angestellter eines US-Startups, sondern ein gefeierter Bestseller-Autor, ein sympathischer GEZ-Medienliebling, ein begnadeter Schriftsteller, beliebt, insbesondere von weiblichen Fans umschwärmt, so wie eine nächtliche Quecksilberdampflaterne an einer mitteldeutschen Kopfsteinpflasterstraße von Myriaden von Insekten belagert wird … Dieser (schriftstellerisch nicht so begabte) PU-Migrant F. Schätzing aus dem vorbezeichneten parallelen Universum trat in die Fußstapfen seines Doppelgängers, nachdem er ihn, den begnadeten originalen Autor F. Schätzing (bekannt als Autor von u.a. der “Der Schwarm”) aus dem Weg geräumt hatte (unklar, auf welche Weise). Der aus diesem Paralleluniversum (PU-333) stammende Frank Schätzing, nennen wir ihn der Einfachheit halber „Schätzing 333“, schrieb nun einen durch sein eigenes Schicksal inspirierten (jedoch politsch hochkorrekten) und ermüdenden SF-Roman voller überflüssiger und umständlicher Formulierungen, in dem er uns indirekt (mittels dieser Handlung und anhand seines Schreibstils evident) die schier unglaubliche Wahrheit enthüllt: Frank Schätzing lebt unter uns und schreibt, aber er ist nicht (mehr) der Autor, den wir kannten oder zu kennen glaubten …