Donezk und Lugansk anerkennen?

Könnte nicht eine internationale Anerkennung der proklamierten Volksrepubliken Donezk und Lugansk den ukrainischen Bürgerkrieg beenden?
In der Ukraine herrscht Krieg, das lässt sich nicht leugnen oder? Das Gerede von einer „Antiterror-Operation“ gegen das eigene Volk ist doch Unsinn. Mit jedem Tag, jedem getöteten Menschen, jedem abgefeuerten Schuss, jeder Granate, die in Wohnvierteln landet, wird eine Versöhnung zwischen den Angreifern und den Verteidigern sowie Bewohnern der umkämpften Gebiete in der Ostukraine schwieriger, und die Gefahr steigt, dass Russland in den Konflikt hineingezogen wird.

Warum sollen nicht große Staaten unter bestimmten Bedingungen in lebensfähige kleinere Staaten zerfallen, wenn dadurch blutige Konflikte vermieden oder beigelegt werden können?
Man vereinbart einen Waffenstillstand, einigt sich in Verhandlungen auf eine Grenzziehung, führt unter internationaler Beobachtung freie Wahlen durch (sobald Ruhe eingekehrt ist) und lässt über eine Verfassung abstimmen. Auch wenn diese neuen Staatengebilde wahrscheinlich vorerst wirtschaftlich nicht lebensfähig und auf finanzielle Hilfen angewiesen wären, könnten beide Seiten ihr Gesicht wahren. Russland hätte seinen geografischen Puffer; EU und Nato könnten wie beabsichtigt in den Westen der Ukraine expandieren.
Oder geht es schlicht darum, den Donbass nur als Ressource auszubeuten und einen Teil der Bevölkerung wie Ungeziefer zu vernichten, wie es der ukrainische Journalist Bogdan Boutkevitch allen Ernstes vorschlug?

Stattdessen könnte Deutschland die Volksrepubliken Donezk und Lugansk anerkennen und befreundete EU-Staaten drängen, sich dieser Initiative anzuschließen. Wäre zumindest ein deutliches Signal an die Adresse der Kiewer Machthaber. Danach würde ein Waffenstillstand ausgehandelt. Jedes einzelne Menschenleben, das dadurch gerettet werden kann, wäre diesen Versuch wert.
Ich erinnere mich noch daran, dass in den Jugoslawienkriegen in den 1990er Jahren auch lange im Westen das Credo vorherrschte, dass die Einheit des Landes um jeden Preis bewahrt werden sollte. Hunderttausende Bosniaken, Serben und Kroaten starben dafür in Gemetzeln und Massakern, bis irgendwann eben doch die Erkenntnis reifte, dass die Feindschaft zwischen den Konfliktparteien nicht mehr zu kitten war und ein friedliches Zusammenleben der sich bis aufs Blut bekämpfenden ethnischen Gruppen in einem künstlich zusammengehaltenen Vielvölkerstaat nicht möglich war. Zu viele Wunden werden durch den Krieg aufgerissen. Die Dynamik solcher Konflikte lässt eine Spirale der Gewalt entstehen. Der Kampf an der Waffe verändert die Menschen, lässt sie abstumpfen, gegenüber dem Gegner gleichgültig und grausam werden.
In der Ukraine scheint es noch ein Stück unsinniger zu sein, da der Konflikt durch externe Faktoren geschürt oder zumindest begünstigt wurde. Meine Befürchtung ist, dass es letztlich ohnehin einen Schnitt geben muss: Entweder kommt es irgendwann zu einer faktischen Abtrennung der umkämpften Gebiete oder zu einer jugoslawischen Lösung – ethnische Säuberungen, Massenerschießungen, Flucht und Vertreibung der ethnischen Russen. Die ganze Wahrheit wird man dann wohl erst nach Jahren erfahren, so wie immer.

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