Es geht aufwärts!

Freut euch, Leute, denn Ihr habt allen Grund, zu frohlocken und mit einem flotten Tänzchen in das warme Frühlingswochenende zu starten: euer italienischer Onkel Mario von der Europäischen Zentralbank hat erwartungsgemäß die Leitzinsen im Euroraum gesenkt…

Bluehende Ls

Genau wie jetzt allerorten die Natur bunt erblüht und gesunde grüne Triebe sprießen, soll nun das zarte Pflänzchen namens Konjunktur, ausreichend mit billiger Liquidität bewässert, in Windeseile zu einem kraftvollen Baum heranwachsen und Früchte tragen.

Aber erstmal genug davon.

Zunächst einmal die wichtigeren Neuigkeiten:
Mein Schnupfen, der mich diese Woche geplagt hatte, ist nun fast überstanden und müsste eigentlich nach der üblichen Sechs-Tage-Regel morgen abgeklungen sein.

Die letzten Tage waren grässlich…

Ich habe bestimmt Unmengen von Papiertaschentüchern verbraucht und damit wohl gegen mein ehernes Prinzip der Nachhaltigkeit und Sparsamkeit verstoßen. Zudem war ich gezwungen, in meine Nasenlöcher gelegentlich Nasenspray der Marke „Free your Nose“ (oder so ähnlich) zu injizieren, um mich notdürftig in einen halbwegs arbeitsfähigen Zustand zu versetzen. Dennoch erbebte mein Schreibtisch von Zeit zu Zeit so heftig unter meinen Niesattacken, dass lauwarmer, ockerfarbener Kaffee aus meiner voluminösen Kaffeetasse auf meine geliebte Buchenfurnierplatte schwappte und sich sogar die Guppys in meinem Aquarium vor Schreck an ihrem Wasser verschluckten.

Das einzige Mittel, das mir – neben heißem Tee mit Zitrone – etwas Erleichterung verschaffte, war besagtes Nasenspray.

Nas Anl

So einfach geht es: Ein Sprühstoß in jedes Nasenloch!

Mit Nasensprays oder -tropfen lassen sich natürlich Schnupfenviren nicht besiegen; gleichwohl können diese Mittelchen dazu beitragen, die unerfreulichen Schnupfensymptome etwas erträglicher zu gestalten und zu lindern.

Allerdings gibt es wie bei allen nützlichen Dingen auch einen Nachteil: Schnupfenspray kann je nach Wirkstoff bei längerem Gebrauch süchtig machen. Ein von mir selbst früher als besonders wirksam empfundenes Spray enthielt z. B. den Wirkstoff Ephedrin, ein Alkaloid, das auch auf der Doping-Liste stand und zu Abhängigkeit führen konnte.

Leider verlässt man sich auch in der Geldpolitik der großen Zentralbanken auf den vordergründig segensreichen Effekt von Maßnahmen, die in ihrer Wirkung einem simplen Schnupfenspray nicht ganz unähnlich sind.

Linderung heißt auf Englisch übrigens „Easing“. Unter der euphemistischen Bezeichnung „Quantitative Easing (QE)“ verfolgt beispielsweise die US-Notenbank Federal Reserve seit Jahren eine kompromisslos expansive Geldpolitik, die bei einem Zinssatz nahe der Nulllinie durch hemmungslosen Ankauf von Staatsanleihen und sonstigen Wertpapieren die Geldmenge und die Fed-Bilanz immer weiter aufbläht, ohne dass dies noch positive Auswirkungen auf die Konjunktur zeitigen würde. Man hat die Zinsschraube offenbar überdreht, oder – um beim gewohnten Bild zu bleiben – versucht, mit Schnupfenspray eine chronische Bronchitis zu kurieren.

Die EZB hat unter ihrem ehrenwerten Präsidenten Mario Draghi den „Zinsdruck“ jetzt soweit „gelindert“, dass der Leitzins bei 0,5 % liegt und auf einem historischen Tiefststand angelangt ist.

Obwohl der Leitzins also faktisch an der Null-Prozent-Marke liegt, Geld also eigentlich so billig wie nie zu haben sein müsste, stagniert die Kreditvergabe, und Südeuropa rutscht immer tiefer in der Rezession.

Derweil fließt die reichlich vorhandene Liquidität nicht in die Realwirtschaft und in sinnvolle Investitionen, sondern führt zu Vermögensblasen.

Auch wenn planwirtschaftliche Leitzinssenkungen offensichtlich nicht mehr geeignet sind, Konjunktur und Kreditvergabe anzukurbeln, sondern lediglich Vermögenspreise explodieren lassen, und infolge der weiter sinkenden Sparzinsen obendrein als fatale Nebenwirkung zur schleichenden Enteignung der Sparer führen, scheinen Banker und Geldpolitiker Gefallen daran zu finden, die negativen Auswirkungen der Mutter aller Verschuldungskrisen durch geldpolitische Lockerungsmaßnahmen bekämpfen zu wollen.

Immer seltener erreicht man kurzfristige Pseudoeffekte wie Kurssteigerungen auf den Aktienmärkten – genau wie auch ein Schnupfenspray zwar vorübergehend die Schleimhäute abschwellen lässt und subjektiv die Beschwerden lindert – jedoch keine Heilung bringen kann und die Ursachen der Misere nicht beseitigt.

Bestenfalls bleiben derartige Maßnahmen wirkungslos, schlimmstenfalls führen sie zur Abhängigkeit, so dass ständig weitere, aber wirkungslose Zinssenkungen und geldpolitische Eingriffe àla QE gefordert werden. Genauso wie ein Schnupfenspray bei ständigem Gebrauch süchtig macht, hängen nun überschuldete südeuropäische Staaten und Großbanken wie süchtige Schnupfenspraykonsumenten mit ihren Nasenlöchern an den Spraydüsen der EZB und erhoffen sich weitere Sprühstöße.

So, meine Nase läuft gerade wieder. Zitronen sind auch keine mehr da.

Ich denke, ich gönne mir erstmal noch einen letzten euphorisierenden Sprühstoß und gehe dann erstmal frische Zitronen kaufen…

Schönes Wochenende!

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