Facebook vs. Domian

WDR-Nachteule Jürgen Domian ist fassungslos. Er kann es immer noch nicht glauben.

Er, der als Nacht-Talker mit seinem markanten Gesicht und der einfühlsamen Stimme einem breiten Rundfunk- und Fernsehpublikum bekannt sein dürfte und in zahllosen Nächten schlaflosen Anrufern in nächtlichen Call-In-Betroffenheitsshows Trost und Rat spendet, hat eine neue Aufschrei-Debatte losgetreten.

Jürgen Domian ist nämlich nicht nur ein mit GEZ-Zwangsgebühren bezahlter Talker, sondern auch ein aufrechter Streiter für Demokratie und Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken.
So hat es Facebook doch tatsächlich gewagt, einige seiner polemischen Postings zu löschen, denen ich, nebenbei gesagt, durchaus wohlwollend gegenüberstehe.
Dennoch musste ich kurz lachen, als ich Folgendes las:

„… Hier schon übt Facebook Zensur aus?“, fragt Domian empört: „Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein.“

Kann es sein, dass der Herr Domian vielleicht eine etwas realitätsferne Auffassung von Facebook hat?
Niemand hat je behauptet, dass Facebook eine demokratische Plattform sei. Es ist ein privatwirtschaftlicher US-amerikanischer Konzern, der seine Umsätze mittels Datenhandel und Werbung erzielt. Ein Hort der Meinungsfreiheit ist es gleichfalls nicht.
Auch in Internetforen oder in den Kommentarspalten der öffentlich-rechtlichen Medien entscheidet letztlich stets der Moderator oder Betreiber, was veröffentlicht wird.

Mit wird eher Angst und Bange, wenn ich lese, wie ein Moderator, der offenbar schon lange nicht mehr aus den wohlbehüteten Nachtstudios GEZ-finanzierter Rundfunksender herausgekommen ist, mutmaßlich aus verletzter Eitelkeit – denn jemand bei Facebook hat es gewagt, seine Postings zu löschen – eine überzogene Entrüstungskampagne startet und den drohenden Untergang der Demokratie heraufbeschwört.

Ich empfehle auch, einen Blick in die FB-Nutzungsbedingungen zu werfen:

„Wir können sämtliche Inhalte und Informationen, die du auf Facebook gepostet hast, entfernen, wenn wir der Ansicht sind, dass diese gegen diese Erklärung bzw. unsere Richtlinien verstoßen.“

Sobald einige andere Nutzer ein Posting als regelwidrig melden, wird es halt erstmal vorsorglich aus dem Netz genommen – sowie ich gehört habe, sollen die Beiträge übrigens wieder sichtbar sein.

Das ist ja dann als Sieg der Meinungsfreiheit zu werten. Zufrieden?

Ich persönlich bin nicht auf Facebook vertreten. Niemand ist gezwungen sich dort anzumelden, seine persönlichen Daten preiszugeben und Beiträge zu posten.
Wer es tut, sollte sich jedoch die Nutzungsbedingungen durchlesen und sich damit auseinandersetzen, was Facebook ist. Trotz des für Herrn Domian verständlichen Ärgers sollte er die Kirche im Dorf lassen und sich gerade als GEZ-Promitalker, dessen einziges Kapital seine Glaubwürdigkeit ist, nicht mit aller Macht lächerlich machen…
Quelle: Facebook löscht Domian-Postings

http://de-de.facebook.com/legal/terms

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