Fck Scholz & Friends

Geht’s um den Denunziationsfall Hensel & Konsorten? Nö, nicht unbedingt. Nur ein Gedanke, der mir schon seit geraumer Zeit im Kopf herumspukt und aus Anlass dieses Falls hochkam: Ich frag mich allmählich, ob denn die häufig angeführten Vergleiche der aktuellen Zustände mit denen in der späten DDR nicht eher auf eine Relativierung der rechtsverletzenden Merkeladministration und eine Verharmlosung ihrer verhängnisvollen Politik hinauslaufen. Parallelen gibt es, aber …
Künftige Historikergenerationen könnten irgendwann im Zuge einer umfassenden Analyse zu einer Bewertung kommen, derzufolge die DDR im Vergleich der deutschen Nachkriegsregimes das kommodere System darstellte.

Keine Ahnung, ob Hiesige das noch nachvollziehen können, aber momentan erlebe ich das deutsche Volk (ein Begriff, den man auch kaum noch schreiben mag) innerlich so tief gespalten und verunsichert, wie es zu DDR-Zeiten niemals der Fall war. Gespalten, fraktioniert, atomisiert.
Es reicht eine Denunziation, ein prominent vorgebrachter Verdacht, ein “Like” unter einem vermeintlich falschen Posting, ein mutiger, aber unvorsichtiger Kommentar, und eine bürgerliche Existenz löst sich in Luft auf, wenn man großes Pech hat.
Wer sich jetzt hinstellt und meint, die jetzigen Zustände würden denen in der späten DDR gleichen, unterliegt aber möglicherweise einem fatalen Irrtum. Denn im Gegensatz zur DDR, wo es lediglich die Schichtung und Privilegierung der Funktionärs- und Darstellerkaste gegenüber dem einfachen Volk gab, durchzieht der Riss nun die gesamte Gesellschaft. Hochwirksame Denunziationen gegen liberal-konservative Blogs (z. B. Scholz & Konsorten vs. Achse/Tichy), konzertierte Rufmordkampagnen und Repressionen gegen Andersdenkende kommen (mit Billigung der Herrschaftseliten) direkt aus der Mitte der Gesellschaft.  Wie bescheuert muss man sein, die Portale von Broder und Tichy anzuschwärzen. Daran kann mal sehen, wie bekloppt diese Werbehanseln sind … und deren Kunden natürlich, die diese Portale folgsam boykottieren wollen, ohne jemals dort gelesen zu habe (wage ich zu behaupten). Brav das Stöckchen apportiert. Muss doch nachher mal schauen, welche Unternehmen da im Kundenportfolio vertreten sind.
Na klar steckt man euch nicht wegen eines merkelkritischen Artikels in den Knast, aber jeder unbotmäßige Autor, der Aufmerksamkeit an der falschen Stelle erregt, kann heutzutage gesellschaftlich geächtet und finanziell zugrunde gerichtet werden. Zum Glück bin ich so unwichtig, dass ich hier unbemerkt in meiner Ecke schreiben kann …
Damals in der DDR hat man auch nicht jeden Kritiker in den Stasiknast gesteckt. Als ich mal von einem IM wegen verächtlicher Äußerungen gegen die Partei- und Staatsführung denunziert worden bin, war das folgende “Klärungsgespräch” zwar einigermaßen beängstigend, aber 1. war ich zuvor gewarnt worden (ich hatte nur nicht drauf gehört), 2. wusste ich Bescheid, was mich erwartet/erwarten kann, und 3. hatte man damals trotzdem Freunde, die einen auch offen unterstützt haben. Man wusste sich eben auch, hmm, wie soll ich das sagen… es gab immer eine Gemeinschaft, von der man nicht allein gelassen wurde, ja? Jetzt kämpft jeder für sich allein. Zudem gibt es zwar formell Meinungsfreiheit, aber überleg besser genau, ob du es dir leisten kannst, sie in Anspruch zu nehmen. Und du stehst eben allein da, wenn du keine große Fangemeinde hast, weil eigentlich alle Schiss haben und schweigen, weil sie ihren Job nicht verlieren wollen/dürfen …
Und den Spitzel-Job, zu dem die Stasi damals irgendwelche IMs genötigt hat, den machen Leute wie Scholz & Hensel jetzt freiwillig noch mit einem Lächeln auf den Lippen.

In der DDR bestand eben dieser Gegensatz nur zwischen denen da oben und allen Anderen. Auf der einen Seite standen die SED-Bonzen, Parteifunktionäre, Staatsangestellten und Teile der Sicherheitsorgane (MfS und Armee), auf der anderen Seite war da die große Masse des einfachen Volkes, auch Parteimitglieder, die aber mit ihrer privaten Meinung weitgehend in Ruhe gelassen wurden. Da herrschte eine Art Burgfrieden. Man war sich im Grunde untereinander einig, ich meine es gab diesen widerborstigen Grundkonsens in der Gesellschaft, die man trotz aller Mängel und Unzulänglichkeiten nicht grundsätzlich ablehnte. Der Kern der damaligen Unzufriedenheit war größtenteils auf materiellen Mangel und wirtschaftliche Missstände zurückzuführen.
Zudem noch ein Unterschied: Die SED-Bonzen hatten zumindest nicht vor, ihr Staatsvolk aufzulösen, auszutauschen, zu verdrängen und diese Nation als solche abzuschaffen. Nein, denn man brauchte ja die Menschen, die Landsleute für die Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft. Na ja, und aus all diesen Gründen ziehe ich die (vergleichende) DDR-Karte nicht mehr.

2 thoughts on “Fck Scholz & Friends”

  1. “Man war sich im Grunde untereinander einig, ich meine es gab diesen widerborstigen Grundkonsens in der Gesellschaft, die man trotz aller Mängel und Unzulänglichkeiten nicht grundsätzlich ablehnte. ”

    Das werde ich wohl nicht verstehen. Meine Besuche drüben waren immer als ob man in ein Gefängnis ging. Die Grenzen eine Zumutung in jedem Maßstab. Alles filzen alles ausräumen und dann ja kein Westzeugs mitbringen. Micky Maus – ganz böse, Surfbrett? Damit war ja Republikflucht möglich. Die Grenzer waren genauso wie ich mir die KZ-Aufseher vorstelle bestenfalls unpersönlich im schlechten Fall Sadisten.

    Ach ja, man denke noch an den Zwangsumtausch 1:1 aber man lies trotzdem Westgeld das, damit man im Intershop einkaufen konnte. Ich will gar nicht wissen wer diesen Staat – trotz allem so haben wollte. Da verliere ich komplett den Glauben an das irgendetwas Gutem in einem Menschen.

    Sorry, DDR war und ist besch…. Ich kann nicht verstehen warum wir dort wieder hin wollten. Reicht uns die SED 1 nicht und deren Nachfolger die Linke aka PDS aka SED.

    Was haben wir denn heute ? Die SED 1.0 Nachfolgepartei wieder in Berlin an der Macht. Ich kann nicht zivilisiert schreiben wie besch…. , entsetzlich ich das finde.

    1. Na klar, wer will da schon zurück, werter FDominicus. Niemand, der bei Verstand ist. Zugegeben, ein etwas provokantes Posting. ;-) (Nachtrag: Ich hab aber tatsächlich die DDR nicht grundsätzlich abgelehnt, viele meiner damaligen Freunde eigentlich auch nicht. Das war halt bei allen Unzulänglichkeiten und Repressionen stets meine Heimat, in der ich aufgewachsen bin und die ich nie verlassen hätte. Wäre für mich nicht in Frage gekommen. Na ja, man träumte damals tatsächlich von einem “reformierten” Sozialismus. Okay, so war man halt damals drauf… Tja, so verschieden sind die Leute. Wobei natürlich die Sicht eines Westdeutschen von außen auf solch ein System ziemlich verheerend gewesen sein muss, ist doch klar.) Meine Reset-Option, wenn man so will, wäre eher zum Deutschland der 70er/80er/90er Jahre bzw. zu EWG-Zeiten, natürlich ohne Kalten Krieg, zu einem freien Europa der Vaterländer, in dem Volkswirtschaften kooperativ, aber eigenverantwortlich wirtschaften, übermächtige Konzerne aufgespalten und westlich zivilisierte, säkulare Staaten ihre Grenzen kontrollieren…
      Es ging mir aber um gewisse Parallelen. Und da empfinde ich mittlerweile das jetzige System sogar – zugespitzt – als verschärften “Sozialismus mit Ausbeutung” (immer stärkere sozialistische Mitverdiener- und Zwangsabgaben-Strukturen für die Einen werden auf Kosten der immer schwächer werdenden Gruppe der Anderen (kleiner Mittelstand, Unternehmer, Billiglöhner etc.) durchgefüttert. Dazu Propaganda, selektive Messages und Verfälschungen in den zwangsbezahlten Medien ohne Ende. Im Grunde auch diktatorische Elemente in dieser Politik, wie auch Kohl mal in einem seiner letzten Interviews (bezügl. Euro-Einführung) zugegeben hat. Es besteht nur noch die Fiktion von Demokratie und Marktwirtschaft, denen sich Macht- und Wirtschaftseliten leicht entziehen können…
      Und die personelle systemübergreifende Kontinuität vieler Akteure illustriert das ja eben auch, …
      Na ja, aber mein Hauptpunkt ist auch eher eine grundlegende existenzielle Frage. Importierte Kriminalität und so mal anzusprechen? Damals war das Land eingemauert; jetzt haben wir Gitter vor den Wohnungen und müssen uns (nicht nur auf der Treppe) den Rücken freihalten …
      Was ist denn “dieser” Staat wert, der trotz rekordhoher Steuer- und Abgabeneinahmen die Infrastruktur erst verrotten lässt und dann privatisiert, keine innere Sicherheit bietet, die eigenen Landsleute wegen lächerlicher Kleinigkeiten schurigelt und schikaniert und wo jetzt jede Silvesterfeier, jedes Volksfest mit Hundertschaften Polizei abgesichert werden muss?
      Im Grunde erleben wir in diesen Jahren die Endlösung der deutschen Frage. Und in 10 oder vielleicht 15 Jahren wird man dieses Land oder viele Städte nicht mehr wiedererkennen. Und wer noch kann, wird auswandern, wenn er noch ein Fleckchen Erde findet, das ihn aufnimmt …

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