Merkels Flaggengate

Abendgespräche über Regierung und Kanzlerin. Ein Gast: „Die wahre Bedeutung der Flaggen-Episode vom Wahlabend 2013 ist mir erst in den letzten Wochen klargeworden. Dies wird das bleibende Bild von Merkels Kanzlerschaft.“, schreibt Nicolaus Fest in seinem Blog.

Nicht auszuschließen, dass man dies dereinst so bewerten wird. Jedenfalls kurios, dass sich auch andere Leute noch an diesen beschämenden Vorfall erinnern. Auch mir ist diese peinliche Jubelszene vom Wahlabend lange im Gedächtnis haften geblieben.

Es waren nur wenige Sekunden, in der Euphorie des Wahlabends leicht zu übersehen, und doch erweist sich dieser Vorfall rückblickend als eine Szene von hoher Symbolkraft, die m. E. das gestörte Verhältnis der frisch gekürten Kanzlerin zu ihrem Volk und ihrer Nation aufzeigt. Eine Kanzlerin mit einer gebrochenen nationalen Identität wird auch die Interessen des eigenen Staatsvolkes nicht vertreten können.
Merkel hat sich meist gut unter Kontrolle. In der besagten Szene handelt sie unter Stress sehr impulsiv: Sie missbilligt das Schwenken bzw. Zurschaustellen der deutschen Nationalflagge nach der gewonnenen Wahl, hält es vielleicht für unanständig oder für ein ungemessenes Zeichen von Nationalismus. (Man ist ja schließlich nicht im Fußballstadion, wo das Fahnenschwenken noch tolerierbar ist.) Sobald sie die Flagge erblickt, zögert sie keinen Moment. Die deutsche Flagge ist wie ein rotes Tuch für sie. Ich überlege, ob sie gezögert oder es überhaupt gewagt hätte, einem der Parteigrößen eine Europaflagge oder eine türkische Flagge abzunehmen und abzulegen? Hermann Gröhe, der damalige CDU-Generalsekretär, lässt sich die Flagge wie ein gescholtener Bub aus der Hand nehmen. Er lacht übertrieben laut, klatscht sogar Beifall und plappert irgendetwas daher, um seine Verlegenheit zu überspielen – eine klassische Übersprungshandlung, denn die Peinlichkeit der Szenerie muss ihm wohl bewusst gewesen sein. Er weiß, er muss stillhalten, sonst ist er erledigt. Merkel schüttelt missbilligend den Kopf und sagt wohl etwas Tadelndes. Sie scheint auch darüber verärgert zu sein, dass sie sich zu dieser spontanen Handlung hat hinreißen lassen, scheint aber weder Respekt noch Sympathie für Gröhe zu empfinden. Letztlich auch nicht verwunderlich.  


2 thoughts on “Merkels Flaggengate”

  1. Mhmm, interessante Episode … hab ich nie gewußt … interessiert auch nicht. Das Scheusal hat nicht erst 2013 ausgespielt, aber irgendwelche Vollbratzen machen da trotzdem noch kreuze ….

  2. Tja, wie es wohl weitergehen mag? Man macht sich ja schon seine Gedanken, auch wenn ich grad an diesem Tag nix Unerfreuliches schreiben wollte.
    Ich seh nur, dass der Karren mit Vollgas gegen die Wand gefahren wird, und ich kann nichts dagegen tun.
    Merkels Abgang ist alternativlos. Aber was kommt danach? Hier auch interessant, Bettina Röhl in einem lesenswerten Artikel u.a. mit einem Psychogramm Merkels:
    http://www.rolandtichy.de/kolumnen/bettina-roehl-direkt/verehrte-csu-bereiten-sie-dem-spuk-mit-namen-merkel-ein-ende/

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