Gute Leute…

„Gute Leute muss man haben“, wusste bekanntlich schon der Kommandant von U96. Ohne gute Leute geht man unter.
Einmal leckgeschlagen kann man nur noch beten und abwarten, bis der Rumpf auf dem sandigen oder schlammigen Meeresboden aufschlägt.
So scheint es nun auch dem rotlackierten schweren Frachter der SPD-Mannschaft mit seinem glücklosen Kapitän Peer Steinbrück zu gehen. Angesichts schweren Seegangs droht sein Schiff mit Karacho auf die Klippen zu laufen.
Er habe noch nie eine echte europäische Rede Merkels gehört, was von mangelnder merkelscher Leidenschaft (für Europa) zeuge und wohl auf ihre DDR-Vergangenheit zurückzuführen sei, beklagte Peer Steinbrück am letzten Wochenende.

Als ich dies las, hatte ich es eigentlich nur mit einem verständnislosen Kopfschütteln quittiert. Es lohnt eigentlich nicht, über diese Nichtigkeit zu schreiben und wertvollen Speicherplatz auf dem Blog-Server zu verschwenden. Aber was soll’s. Da müsst Ihr als Leser eben durch. Es gibt auch (hoffentlich) wieder mal tiefgründigere Beiträge. So jetzt aber wieder aufgepasst:

Ja, was treibt den Peer nur zu einer derartigen Aussage? Egal, ob improvisiert oder von seinem Redenschreiber in einem vorbereiteten Pamphlet getextet – jedenfalls ein untauglicher Versuch zum Stimmenfang (im westlichen Teil Deutschlands) in der ihm eigenen schnoddrigen Art, der aber unter Garantie kontraproduktiv war.

Es erstaunt mich, dass Steinbrück weiterhin diese m. E. zum Scheitern verurteilte Angriffsstrategie gegenüber Merkel fährt – er, den ich für einen überaus intelligenten und wendigen Politiker hielt, auch wenn er mir persönlich unsympathisch und unglaubwürdig erscheint.

Man kann aber nicht ernsthaft glauben, dass Merkels heutige Politik der ruhigen Hand noch etwas mit ihrer DDR-Vergangenheit zu tun hat. Ich glaube es jedenfalls nicht. Sie ist nicht mehr oder weniger stromlinienförmig als Andere.
Ganz einfach: Die Leute haben sich an Angela Merkel und ihre Politik des Vermeidens und Zauderns gewöhnt. Naturgemäß scheuen Menschen in einem sedierten Zustand jede Veränderung, solange sie eingelullt bleiben und – bei zunehmenden Belastungen – eine gewisse Schmerzgrenze nicht erreicht ist.

Die Entwicklung wäre zudem mit einem/einer anderen CDU-Chef(in) kaum anders verlaufen, und unter Rot/Grün vielleicht sogar noch alternativloser oder totaler, als wir es uns überhaupt vorstellen mögen.

Übrigens, welche bedeutende „europäische Rede“ hat Steinbrück denn als Kandidat gehalten, welche Meilensteine hat er gesetzt, welche authentischen Positionen in seiner früheren Laufbahn vertreten, für die er heute noch einsteht?
Und ist es wirklich das, was die Menschen jetzt sehnlichst erwarten: eine „echte europäische Rede“? Eine Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede im Zeichen der europäischen Solidarität?
So möge er sie doch selbst halten!

Bedauerlich, dass der vormals neutral geografisch geprägte Begriff „Europa“ gekapert und ideologisch überfrachtet, ja gleichsam sinnverzerrend entstellt worden ist.
„Mehr Europa“ ist nun zum Schlachtruf all jener geworden, die unter dem Deckmantel einer vermeintlichen europäischen Solidarität eine umfassende Schuldenvergemeinschaftung sowie Banken- und Transferunion zu Lasten des deutschen Steuerzahlers einfordern. Dies gehört nun mittlerweile in gewissen Kreisen zum guten Ton. Aus gutem Grund hält sich Merkel von derlei vermintem Terrain noch fern, auch wenn sie letztlich nach den Wahlen eben auch einen SPD-konformen Kurs einschlagen dürfte.

Vielleicht sollte es Steinbrück mit einer „deutschen Rede“ versuchen und ausnahmsweise den Interessen der hier lebenden Bevölkerung einen gebührenden Platz einräumen?
Würde das nicht eher der Nerv der Wähler treffen und seine Chancen verbessern – auch wenn es vielleicht unglaubwürdig wirken würde?

Sollte es aber wirklich keine aussichtsreicheren Themen geben als die unzureichende europäische Gesinnung der Kanzlerin?
Dennoch finde ich es natürlich löblich, wenn man sich auch in aussichtsloser Position nicht aufgibt und weiterkämpft bzw. seinen Job ordentlich ausführt, so wie es sich für einen deutschen Parteisoldaten gehört. Das zeugt schließlich von echtem Sportsgeist.

Aber wie jeder Fußballer weiß: Entscheidend ist auf’m Platz.
Oder in Politikersprache übersetzt: Nur das Ergebnis zählt.

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