Im Westen nix Neues

Es erfordert wohl derzeit keinen großen Mut, sich gegen Russland und insbesondere gegen Wladimir Putin zu positionieren, in dessen Person westliche Meinungsmacher und Politiker den Hauptschuldigen an der gefährlich vor sich hin köchelnden Krise in der Ukraine ausgemacht zu haben glauben. In den Augen der westlichen Medien scheinen die Rollen nun wieder klar verteilt zu sein. Im Osten strebt der aggressive Russe mit seinen Panzerarmeen in hegemonialer Manier danach, sich ein Land nach dem anderen einzuverleiben, während der friedliebende Westen, repräsentiert durch die USA und die EU, wahre Horte der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, gern auch die restliche Welt befreien bzw. völlig uneigennützig mit Freiheit und Menschenrechten nach ihrem Verständnis beglücken möchte.
Mit Russland-Bashing lag man in Deutschlands Medien schon immer voll im Trend. Angesichts der brisanten Lage in der Ukraine verschärft sich allerdings jetzt der Ton der in den öffentlich-rechtlichen Medien veröffentlichten Kommentare und Artikel fast bis zur blanken Hysterie.
Gern wird der russische Präsident auch mit mehr oder minder originellen Schmähungen und abwertenden Bezeichnungen belegt, wobei sich manche Autoren und Politiker in ihren Bemühungen um eine größtmögliche Dämonisierung Putins gegenseitig noch übertreffen. Wahlweise wird der russische Staatschef mal ganz profan als Bösewicht, ruchloser Despot, Aggressor, kleiner Diktator, Schurke, Oberschurke oder gar als neuer Hitler bzw. in ultimativer Steigerung des Perfiden als „Goldkettchenträger“ (J. Fleischhauer im Spiegel Online) tituliert, wobei Letzteres den unbedarften Spiegel-Leser, der es immer noch nicht kapiert hat, dezent auf den besonders widerwärtigen schurkisch-ludenhaften Charakter des Trägers derlei modischer Accessoires hinweisen soll.
Verständlich, dass auch semi-intellektuelle Kreise angesichts der dichten antirussischen Phalanx in der Medienwelt allzu gern der Verführung erliegen, in den Chor der Putinhasser einzustimmen. So auch ein in Berlin lebender russischer Schriftsteller, der sich vor einigen Tagen bemüßigt fühlte, auf Facebook bekannt zu geben, wie sehr er sich für seine Heimat schäme, „die unverantwortlich ihrem so genannten Präsidenten folgend, die Welt an den Rand des Krieges bringt.“
Nun, der weiteren Karriere dieses russischen Autors in Deutschland wird ein solch wohlfeiles, wenn auch nestbeschmutzendes Bekenntnis, vom warmen Sofa aus abgegeben, nicht abträglich sein, denn gern greift die Presse derlei mutige Statements eines selbst ernannten Putin-Gegners auf und verschafft einem im Berliner Bildungsbürgermilieu domestizierten Hausrussen gern wieder einen publicityträchtigen Auftritt im Frühstücksfernsehen. Ja, zweifellos ist Anti-Russland-Stimmung wieder en vogue.
Dabei hätten auch wir eigentlich allen Grund, uns zu schämen, allerdings nicht für unsere Heimat, die in unserem Falle Deutschland ist, sondern für die bundesdeutsche Merkelregierung, die in unverantwortlicher Weise einen Putsch nationalistischer und rechtsextremer ukrainischer Kräfte gegen den rechtmäßig gewählten Präsidenten der Ukraine unterstützt hat und dabei die berechtigten Interessen und Sorgen des mit der Ukraine kulturell, ethnisch und wirtschaftlich eng verflochtenen Nachbarn Russlands sowie der russischsprachigen Bevölkerung der Ukraine missachtet hat. Ohne Not und in ungerechtfertigter Weise werden hiermit auch die für Deutschland ungemein wichtigen Beziehungen zu Russland beschädigt.
Putin hingegen hat bislang meines Erachtens klug und besonnen reagiert. Von einer Aggression kann keine Rede sein, da sich die auf der Krim stationierten russischen Truppen im Einklang mit den geltenden Verträgen zum Schutz der russischen Schwarzmeerflotte dort befinden. Die Tatsache, dass sich aus russischstämmigen Ukrainern Bürgerwehren formiert haben, muss angesichts der offen rechtsnationalistischen und russophoben Stimmung der illegitimen Putschistenregierung auch nicht überraschen.
Der Westen hat einen gewaltsamen Umsturz in Kiew befürwortet und finanziell unterstützt. Nun sollte man sich auch den Konsequenzen stellen. Vor allem sollte man uns die unerträgliche Doppelmoral der USA ersparen, deren Interesse wohl eher nicht dem Wohl des ukrainischen Volkes, sondern in erster Linie der Einkreisung und Schwächung Russlands gelten dürfte.
Über das weitere Schicksal der Ukraine kann nur das ukrainische Volk selbst befinden.
Eine friedliche Loslösung der Krim nach einer Volksabstimmung wäre beileibe nicht das schlimmste Szenario. Wie auch immer, keine Macht den medialen Scharfmachern!

2 thoughts on “Im Westen nix Neues”

  1. Ich staune immer wieder wie einfach wir normalos gestrickt sind:
    Ich wurde erzogen:
    der Westen ist böse, der Sozi ist gut
    Heute:
    der Osten ist böse, der Süden ist dumm, der Westen das Mass aller Dinge.
    Nur über die im Norden die nachweisslich am zufriedesten sind redet keiner.

    Ich staune immer wieder wie dumm und manipulierbar der Mensch ist.. Und sich von irgendwelchen karrieregeilen, geldgierigen Chefschleimern beeinflussen lässt.
    Wir Menschen sind einfach DUMM

    1. Danke für deinen Kommentar, Steffen. Mit Sicherheit sind wir alle manipulierbar bzw. beeinflussbar. Menschen und Gruppen mit knallharten Interessen, i. d. R. wirtschaftflicher oder geopolitischer u. -strategischer Art, lenken, selektieren und filtern vorab die Informationen und Meinungsbilder, mit denen wir gefüttert werden. Wahrscheinlich sind wir auch dumm im Sinne von “nicht genug Wissen habend” oder besser gesagt, es gelingt uns oft nicht, aus der Masse an Informationen sinnvoll zu selektieren, zu gewichten, objektiv zu bewerten… Wir sind doch letztlich alle nur Suchende, der eine mehr, der andere weniger… Gruß

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