In eigener Sache (II)

Nachdem Jogis politisierte Legionärstruppe gerade verdient gegen die südkoreanische Nationalmannschaft ausgeschieden ist, können wir uns wieder ernsthafteren Themen zuwenden. Hat auch sein Gutes, da es keine hässlichen Bilder geben wird, die die Kanzlerin vermeiden will – nicht so wie damals, als Frau Merkel die halb entkleideten WM-Spieler in der Umkleidekabine besuchte …
Was mir übrigens gerade einfällt: Ich habe Merkel, also Frau Dr. Merkel meine ich, so viel Zeit muss schon sein, denn so heißt sie – jedenfalls die gute Frau Merkel habe ich immer, also in der Anfangsphase dieses Blogs sehr nachsichtig behandelt. Ist zwar ewig her, aber trotzdem muss das mal gesagt werden. Gott ist mein Zeuge, wenn es ihn gibt. So etwa bis 2014 muss das gewesen sein. Man kann auch in den alten Beiträgen nachlesen, wenn man nicht an Gott glaubt. Im Blog hier und sonst so, wenn ich sie in den ersten Jahren mal erwähnt habe. Unverbindlich, höflich und teilweise nett habe ich über Merkel geschrieben, ja doch, muss ich ehrlich eingestehen … Das bereue ich heute. Schäme mich sogar etwas dafür. Obwohl das voll okay ist. Oder nicht? Ich kann aber auch sagen, warum das so war.
Erstens natürlich, weil ich selbst schon immer ein netter, gut erzogener Mensch war und Respekt vor Amtspersonen habe bzw. hatte. Das ist natürlich die Schuld bzw. das Verdienst meiner Mutter, je nachdem. Oder meines Vaters, der auch ein guter Mann war, allerdings auch überzeugter Kommunist. Zweitens lag es daran, dass ich Merkel anfangs nicht für voll genommen habe, die ja bekanntlich Kohl u. a. mit ihrem nassforschen Auftreten und ein paar auswendig gelernten Erhard- und Adenauer-Zitaten beeindruckt und um den Finger gewickelt hatte; leichte Übung, wenn man im Osten aufgewachsen ist, keine echten Überzeugungen hat und immer schon hohle Phrasen gedroschen hat. Aber ich habe ihre Rückgratlosigkeit, ihren Machthunger und auch ihre (psychologische) Wirkung auf den normalen (insbesondere den westdeutschen) Wähler unterschätzt – ich hätte in der Anfangszeit ihrer Karriere nie gedacht, dass die sich so lange im Amt halten wird. Wenn man mir sagte, die Frau Merkel sei doch so eine kluge Frau, die mache das alles ganz toll, dacht ich ja immer, die müssen noch jemand anders meinen oder dass Leute unter Einwirkung von Psychopharmaka irgendeinen anderen Menschen sehen, wenn Merkel auftritt … Man hat sie doch eher aus Mitleid ins Amt gehievt, so dachte ich dann, daher wird sie den Laden einfach nur weiter verwalten und den Sessel für einen ihrer Nachfolger warmhalten, z. B. den Friedrich Merz. Hat aber locker alle Konkurrenten weggebissen oder kaltgestellt. Das hatte sie drauf. Nein, Mitleid ist auch das falsche Wort. Ich hab sie wohl unbewusst eher so wie eine einfach strukturierte Tante betrachtet, die hmm … Mitbewerberinnen offenkundig unterlegen ist, so wie eine sehr naive oder etwas zurückgebliebene, aber putzig anmutende Cousine oder Tante aus dem weiteren Familienkreis, die man natürlich mag und der man zunächst wohlwollend applaudiert, wenn sie stockend und stammelnd ein kurzes Gedicht aufsagt, der man aber nie sein Auto leihen würde und schon gar keine Spitzenposition in einem Unternehmen oder einer Behörde zutraut oder geben würde. Und selbst wenn, dann wird und kann sie nicht viel Schaden anrichten, so dachte ich. Gibt ja da Korrektive, Berater, innerparteiliche Konkurrenz, Opposition im Parlament, Demokratie und das übliche Gedöns, na Ihr wisst schon, was ich meine usw. War eine Fehleinschätzung, die sicherlich auch andere mit mir teilten, wie mir klargeworden ist. Dann nahm bekanntlich das Schicksal seinen Lauf.

Die Erfahrungen der Geschichte besagen, dass die Merkels kommen und gehen, aber das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt. So drückte sich Stalin damals in seinem berühmten Befehl Nr. 53 aus, nur dass er natürlich nicht speziell Merkel nannte, sondern den bekannten singulären Bösewicht, dessen Namen ich nicht nennen muss … Merkel war ja damals noch zu klein. Oder gab es sie damals etwa noch nicht? Wie auch immer, ganz so sicher soll sich Stalin übrigens auch nicht gewesen sein, insbesondere nicht, was den zweiten Teil betrifft … Na ja, tut mir jedenfalls alles leid, wollte ich sagen, aber es ist, wie es ist.