Insektenallerlei

In meinem Leben gibt es einige Dinge, die ich noch nie getan habe. Manche werde ich noch nachholen, andere eher nicht. Aber man kann ja nie wissen.

Nehmen wir z. B. den Bau eines Insektenhotels.
Diese durchaus löbliche Aufgabe steht nicht ganz oben auf meiner persönlichen Agenda, sondern rangiert nur etwa auf Position 40 der Liste aller bislang von mir unterlassenen, verpassten oder noch geplanten Verrichtungen. Aber schließlich muss man ja irgendwo anfangen.
Warum ich bisher noch kein Insektenhotel gebaut habe, möchtet Ihr fragen?
Nun, wie so oft lässt sich das nicht mit einem Satz beantworten…

Zum einen ist eine urbane Mietwohnung selbst mit Balkon eher suboptimal oder gar nicht zur Errichtung einer besonderen Heimstatt für Insekten geeignet, zum anderen wusste ich schlicht und ergreifend früher nicht, was ein Insektenhotel ist und was man damit bezweckt.
Mittlerweile bin ich natürlich etwas klüger oder, besser gesagt, dank mühsam ergoogelter Informationen bruchstückenhaft kenntnisreicher.

Ein auch nicht ganz unwesentlicher Grund für mein Versäumnis, also die Nichterrichtung eines Insektenasyls, ist sicher auch, dass ich Insekten nicht besonders mag. Jedenfalls abgesehen von Schmetterlingen und Spinnen.

Bunte Schmetterlinge, klar, die mag jeder, auch wenn man leider Jahr für Jahr immer weniger sieht.
Spinnen mag ich übrigens, weil sie andere Insekten fangen und fressen, z. B. fiese Mücken und Fliegen. Die Spinne ist der Feind meiner Feinde, folglich mein Freund.
Ich hab daher auch meist nichts gegen Spinnweben, solange sie ordentlich und symmetrisch in den Ecken hängen, denn Ordnung muss sein. Wir sind ja schließlich nicht bei den Hottentotten oder? Was übrigens nur eine Redensart ist…
In meiner Wohnung müssen Besucher jedenfalls stets aufpassen, dass sie nicht auf diese nützlichen Spinnentiere treten.

Bienen mag ich natürlich auch, denn Bienen sind ein fleißiges Völkchen. Den lieben langen Tag sind sie unermüdlich unterwegs auf ihren Flügen über Felder und Wiesen, um Nektar zu sammeln für ihre einzig wahre Königin und die vielen faulen Drohnen, die es sich zu Hause im warmen Bienenstock gut gehen lassen.

Hummeln sind natürlich auch bewundernswerte und nützliche Insekten. Hummeln sind bekanntlich so was ähnliches wie Bienen, nur etwas pelziger und dicker.
Alle anderen Details lasse ich mal bewusst untern Tisch fallen.
Die gemeine Hummel ist sogar noch fleißiger als eine Arbeitsbiene und dabei noch friedfertiger und robuster, denn sie kann auch bei feuchtem Wetter und tieferen Temperaturen ausfliegen, wenn es den braven Bienen draußen zu ungemütlich wäre.

Man sagt ja der Hummel nach, dass sie nach den Gesetzen der Aerodynamik nicht fliegen können dürfte, das heißt, dass die gute deutsche Hummel eigentlich nicht flugfähig sei. Dennoch tut sie es. Die Hummel schert sich nicht um das Gerede, sondern hebt ab und fliegt, wann immer sie mag. Dies wird oft auch als Hummel-Paradoxon bezeichnet. Mehr oder weniger scherzhaft, da es sich natürlich um gar kein Paradoxon handelt, aber das ist jetzt nicht so wichtig. Ihr müsst nur wissen, dass alles seine Ordnung hat mit der Hummel…

Ihr kennt sicher den Mario Draghi? Von dem stammt die Unterschrift auf euren neuen 5-Euro-Geldscheinen. Der Draghi Mario war früher mal ein wichtiger Mann bei Goldman Sachs und ist nebenbei auch EZB-Präsident. Der hatte ja mal vor einem Jahr in einer Rede die Hummel als Gleichnis für den Euro angeführt. Der schwerfällige Hummel-Euro werde sich trotz aller Widrigkeiten und Startschwierigkeiten in die Lüfte erheben und sich dann zu einem flinken Bienen-Euro weiterentwickeln – sinngemäß wiedergegeben.

Der listige Mario hat natürlich unterschlagen, dass die Hummel der Biene in gewissen Belangen sogar überlegen ist, da sie widerstandsfähiger und besser auf nordeuropäische Witterungsbedingungen eingestellt ist als die Honigbiene. Sowohl Hummel als auch Biene sind perfekt an ihre Umgebung angepasst und allein überlebensfähig – im Gegensatz zum Euro.
Mir kam der Gedanke, ob der Euro denn nicht eher einer Drohne ähnelt, also natürlich nicht dem mörderischen Fluggerät ohne europäische Flugzulassung, sondern einer männlichen Biene? Gewisse Parallelen nun ja, sind die nicht unverkennbar? Drohnen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern im Bienenstock – auch der Euro wurde uns wie ein ungewolltes Ei ins Nest gelegt, da er uns völlig undemokratisch, ohne eine „Befruchtung“ durch eine positive Willensbekundung der Völker aufoktroyiert, d. h. aufgezwungen wurde.
Wie ein nichtsnutziger Drohn hockt der Euro nun unter uns und muss von fleißigen Arbeiterinnen bzw. Steuerzahlern durchgefüttert werden.

Im Gegensatz zum Euro hat der Drohn natürlich auch eine echte Daseinsberechtigung, na klar, sonst gäbe es ihn ja nicht.
Dennoch stirbt der Drohn bald, wenn er nicht mehr gefüttert wird, denn auf sich allein gestellt ist er nicht lebensfähig.

Ach egal, wo war ich stehengeblieben?
Ein Insektenhotel, richtig. Wie schon gesagt, eigentlich bin ich ja kein ausgewiesener Freund von Insekten. Als da wären Heuschrecken zum Beispiel…
Aber auf das Thema kann ich vielleicht später mal zurückkommen…

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.