Internet -

Vor ein paar Wochen las ich einen Artikel, in dem sich ein Welt-Redakteur seinen Internetfrust von der Seele schrieb, in der Art von: Warum ich das Internet nicht mehr verstehe und den Anschluss verloren habe (obwohl er, wie er schrieb, mit Ende 20 noch so jung und unheimlich medienkompetent sei). Ich wollte damals eigentlich etwas zu dem Thema schreiben, hab’s dann aber irgendwie vergessen oder für nicht wichtig genug erachtet.

Als ich gestern zufällig auf die Seite kam, weil ich den Link auf dem Laptop zwischengeparkt hatte, fielen mir vor allem aber die mittlerweile dort eingetrudelten Kommentare unter dem Artikel auf, von denen einige recht ausführlich und gut sind. Die treffen nämlich auch ins Schwarze – ist ja auch oft so, dass die Kommentare das Salz in der Buchstabensuppe sind….

Interessant fand ich jedenfalls eine Gegenüberstellung oder Unterscheidung, die der Autor vornimmt. Na ja, jedenfalls das Internet, das er nutzt, nennt er „zweckorientiertes“ Internet (Waren online bestellen, online kommunizieren, Videos anschauen, sich vernetzen usw.). Als Gegensatz dazu oder – wenn so will – Neuentwicklung sieht er das (junge) „zweckgebundene“ Internet, in dem es in erster Linie darum gehe, maximale Aufmerksamkeit für sich selbst zu generieren, möglichst viele Likes oder Fans zu bekommen (er bezeichnet es als „Ich-Maschine“). So strikt hatte ich das eben noch nicht gesehen, und ich frag mich eben auch, ob er da wirklich zum Kern der Sache vorgedrungen ist oder ob da vielleicht auch ein Gefühl der „Kränkung“ über den Bedeutungsverlust der traditionellen Medien mit hineinspielt. Denn das Interesse verteilt sich ja in diesem aufmerksamkeitsgetriebenen Internet, das ja im Übrigen auch parallel zu dem o.g. „traditionellen“ Internet existiert, lediglich auf neue Akteure und Publisher, so dass die althergebrachten Medien eben ihre jungen „Follower“ (Leser, Zuschauer, Zuhörer) verlieren oder erst gar nicht an sich binden können, da die eben lieber bei Youtubern stundenlang LetsPlays gucken oder bei YouNow rumhängen, anstatt sich vom Fernsehen verblöden zu lassen…
In der Tat ist Aufmerksamkeit die entscheidende Währung, nicht nur im Internet, wobei Fernsehen/Zeitungen davon nicht mehr genug abbekommen. Und der Unterschied ergibt sich dann nur daraus, dass im ersten Fall das Internet als passiver Nutzer oder Konsument verwendet wurde, während sich jetzt und künftig immer mehr Nutzer auch als aktive Sender, Verleger oder Darsteller/Interpreten verstehen. Hat also mehr mit der Einstellung der Personen selbst und natürlich auch den verfügbaren Anwendungen zu tun und nicht so sehr damit, dass sich das Internet (das ja im Grunde ein neutrales Medium, nur Bandbreite ist) verändert hätte.

(Das Posting ergänze ich vielleicht später noch; bin jetzt zu müde. Ist aber auch nicht weiter wichtig.)

Quelle: http://www.welt.de/kultur/article137869675/Warum-ich-das-Internet-nicht-mehr-verstehe.html

4 thoughts on “Internet -”

  1. Ehrlich gesagt und gemeint, hab ich nach den ersten Absätzen den Artikel schon wieder geschlossen, weil es nur eine Art von Jammerei ist, die ein anständiger Ü30iger (mittlerweile) nicht zu leisten hat. Seine Redakteure jammern, dass die Kommentatoren alles besser wissen. Ich denke, die Angestellten der Medien leben irgendwie in einer Art Parallelwelt, oder sie tun so, als ob.

    Ist doch klar, dass sich die Nutzer ändern, wenn neue Generationen das Internet nutzen, auf andere Art, als die, mit der wir damals begannen. Ich kenne noch das Internet 1.0, wie ich gern dazu sage. Im BTX von T-Online in einem Chat mit mehr als 100 Chattern – heute hat jeder Otto von nebenan einen eigenen Chat und dementsprechend langweilig sind diese auch geworden. Dementsprechend ändert sich auch die Art des Austauschs. während wir früher viel rumgeblödelt haben, sind es heute nur noch überflüssige Diskussionen, die dort den Alltag beherrschen. Von daher, klar ändert sich alles. Doch darüber jammern würde ich nie.

    Wie wir Blogger. Wir wissen alles und geben das alles weiter. Wir brauchen keine Zeitung mehr dafür, wir informieren uns selbst über unsere Kanäle. Das Internet ist “privater” geworden. Kaum eine Firma, die darüber noch viel umsetzt, weil die privaten Nutzer mehr und das kostenlos bieten. Deswegen sind die Werbepreise auch dermaßen im Keller. Von denen natürlich abgesehen, die ihre Umsatz ausschließlich über das Internet generieren wie amazon oder google.

    Ach, darüber ließen sich Romane schreiben, ganze Bücher. Vielleicht sollte man das auch mal tun, wäre eine Idee ;)

  2. Ja, genau, fand ich auch. Da steckte ein gehöriges Maß (gut kaschierte) Jammerei mit drin. ;-)
    Nutzergruppen splitten sich jetzt immer weiter auf, kleine Inhaltsangebote können über youtube oder Blogs usw. besser fokussiert werden, dadurch entsteht schon mal eine Konkurrenzsituation, z.B. mal TV-Serie vs. Gronkh rausgegriffen. Auch Bedürfnisse, die erst entstehen und bei denen die Leute gar nicht wollen, dass die in den Medien bedient werden (z.B. LetsPlays)…
    Dann hat es auch viel mit Glaubwürdigkeit in der Zielgruppe zu tun – das was als “Street Credibility” bezeichnet wird. Blogs sind zum Teil auch populär, weil die Beiträge in der Szene als glaubwürdiger und authentischer als Kolumnen eines fest angestellten Social-Media-Redakteurs wahrgenommen werden, gar nicht mal aktueller, aber glaubwürdiger Meinungen vermitteln. Vielleicht ist es sogar eher die Glaubwürdigkeit und Authentizität (Echtheit, Unverfälschtheit), die neue mediale Assets schafft…
    Wo ich in dem Artikel auch schmunzeln musste, war die Stelle, wo (sinngemäß) behauptet wird, das analoge Leben sei nur noch ein Abklatsch der digitalen Internetpersönlichkeit (für die unter 20-Jährigen). Quatsch, aber für mich mal interessant, seine Meinung zu lesen, die auch über Twitter viel Beifall von anderen vernetzten Medienschaffenden (Spiegel etc.) bekommen hat… :-)
    Ich bräuchte eigentlich von der Presse-/Medienseite nur pure Nachrichtenstreams, ohne Wertung: Was, Wann, Wo, Wer, Wie – reine News oder Fakten, Tatsachenberichte (wobei natürlich in der Selektion der Fakten immer ein Schuss Subjektivität mit drin ist), aber dem lästigen, manipulativen, oberlehrerhaften Drumherum entgeht man dann.

      1. Ich dachte früher immer, dass die Nachrichten, also die puren Meldungen von den Nachrichtenagenturen (wie DPA, AP, Reuters oder AFP) neutral bzw. “sauber” sind, nicht nur sauber, sondern rein, :-) ohne subjektive Wertung oder ideologische Einflüsse – aber das war eben auch ein Trugschluss, da diese Meldungen auch schon gewissermaßen vorgefertigt bzw. moderiert sind.

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