Keep on shopping

Ja, Erdnussbutter ist schon lecker. Hat was. Kommt immer gut zwischen zwei Scheiben Toastbrot, dick beschmiert, schön cremig und noch was Fruchtiges, Süßes oben drauf, so wie man es aus dem Mutterland der Peanutbutter-Sandwiches kennt. Oder mit ner Wurstscheibe? Geht auch. Hauptsache cremig; Konsistenz ist alles. Man kann auch köstliche Saucen mit dem Zeug zubereiten. Hatten wir kürzlich mal. Schon ein eigentümlicher Geschmack, ja? Nussig, voll erdnussig eben. Ich hab übrigens früher, das werdet Ihr nicht wissen, auch mal in einer Erdnussfabrik gearbeitet. Gejobbt würde man heute sagen. Aber das war ja früher, daher schreib ich das Verb in alter Sprache. Wegen der geschichtlichen Authentizität von geschriebenen Zeitzeugenberichten. Jetzt erzähl ich aber erst mal was anderes. Es geht ums Shoppen.
Shoppen ist nicht mein Ding. Tu ich höchst ungern. Wird auch generell Männern oft nachgesagt, dass die nicht gern einkaufen, ja? Weiß nicht, ob das stimmt. Kann schon sein. Bei mir ist es so, dass ich mit der Zeit eine innerliche Abneigung gegen diese großen Einkaufstempel entwickelt habe. Na ja, widerwillig geh ich da schon rein, aber es zieht mich dort nicht hin. Ist ermüdend und irgendwie deprimierend, sich durch steril wirkende, seelen- und konturlose Kaufhäuser zu kämpfen, in denen dieser süßliche Parfümduft durch die Gänge wabert. Oder diese trockene warme Luft, die einen bei lebendigem Leibe mumifiziert. In jedem Shopping Center sind in etwa auch dieselben Marken und Ladenketten vertreten, Franchise über Franchise, und überall hängen gleich aussehende hippe Klamotten oder sleeky Sneakers. Daher kauf ich meist online ein und nutze die Filialen höchstens mal als Abholstationen. Weiß nicht, ob der stationäre Einzelhandel bzw. die großen Kauf- oder Warenhäuser überhaupt noch eine Zukunft haben oder ob’s dann abseits der Online-Shops nur noch auf Spätis und Supermärkte hinausläuft. In die Berliner Einkaufszentren geht man mit einem Lächeln rein und kommt mit einiger Wahrscheinlichkeit mit einem müden oder missmutigen Gesichtsausdruck wieder raus. Frust statt Shopping-Erlebnis, Service schwierig bis äußerst beschwerlich, mürrisches Personal. Mag auch sein, dass einige die von Prof. Münkler empfohlene mürrische Indifferenz in vorauseilendem Gehorsam schon verinnerlicht haben. Statt zu verkaufen, werden Warenbestände bewirtschaftet und gegen Entgelt an nachfragende Subjekte abgegeben.

Okay, vielleicht übertrieben, und es gibt schon zumeist kleinere Läden, die sich Mühe geben, besonders auch Buchläden fallen positiv auf. Aber je größer die Geschäfte, je unpersönlicher, desto schlechter der Service, desto geringer das Interesse am einzelnen Kunden. Scheint mir so. Behördenmentalität eben. Berlin bleibt Berlin. Kann man andererseits aber auch dem diensttuenden Personal in einem Kaufhaus nicht vorwerfen, dass denen, sofern sie nicht am Umsatz beteiligt sind, die Kunden im Grunde egal sind. Da sind Kunden für angestellte Verkäufer/-innen immer auch potenzielle Störfaktoren. In einer Großstadt kann man zum Glück davon ausgehen, dass einem ein menschlicher Störfaktor nie wieder begegnet. Behandelt man einen Kunden unfreundlich oder anders gesagt, kommt es zu Unstimmigkeiten im Kundengespräch, kann sich die Verkäuferin oder Ladenbesitzern jederzeit sagen: Völlig egal, wenn ich den Blödmann oder die Tussi nie wieder sehe. Wir sind hier in Berlin, und für einen unzufriedenen oder verlorenen Kunden kommen täglich hunderte neue Besucher in den Laden. Scharenweise kommen sie. In einer Kleinstadt hingegen würde man sich vielleicht anders verhalten, denke ich. Da kennt man sich in der Regel; oder man kann nie sicher sein, ob man dem Kunden nicht auch mal auf der Straße wiederbegegnet, oder vielleicht sogar hinter einem Schalter oder in einer Behörde. Das sorgt in überschaubaren Gemeinschaften immer für eine gewisse Selbstdisziplinierung im sozialen Verhalten. Aber solche selbsttätigen Kontroll- und Korrekturmechanismen fehlen in einer anonymen Großstadt, daher verrohen da allmählich auch die Umgangsformen. Der Frust frisst sich nach unten durch, und irgendwann reicht’s mal, dann gibt’s mal eins in die Fresse für eine pampige Antwort. Der eigentliche Anlass hierfür kann manchmal lächerlich, geringfügig sein, aber manchmal ist es der sprichwörtlich letzte Tropfen, der, wie wir wissen, dem Fass den Boden ausschlägt. Zumal die Stadt mittlerweile echt zu voll ist. Da bilden sich dann immer größere Zusammenballungen an den Knotenpunkten der S-Bahnen und in den meistbesuchten Vierteln. Ständig steht irgendein Depp im Weg, läuft einem zwischen den Füßen rum oder kommt dir im Gedränge in den U- oder S-Bahnen zu nah. Man wird von der Seite angequatscht, angebettelt, angerempelt. Nur ein beherzter Ellenbogeneinsatz schafft teilweise noch Abhilfe. Überall stinkt es nach Urin und Verwesung. Krass auch, wie effektiv sich die Drogenszene ausbreitet und wie selbstverständlich neu zugereiste Dealer neue Reviere einnehmen. Schon erstaunlich, wie rasant sich die Stadt so verändert hat. Aber sonst ist alles gut so. Natürlich. Geht alles seinen Gang, Freunde.

One thought on “Keep on shopping”

  1. Oh, das Spiel kenne ich auch – gilt in gleichem Maße eben auch für Hamburg. Aber auch für Shoppingzentren in kleineren Städten wie auch in meiner Geburtsstadt. Aber für die Zombieschar der seelenlosen Shopper reicht es eben und wir wenigen Ausnahmen sind nicht wirklich interessant. Die Masse machts – im wahrsten Sinne des Wortes.

    Übrigens gehe ich schon seit Jahren in keine Schuhgeschäfte mehr. Ich fühle mich gemobbt, als Ausnahmefall auf großem Fuß lebend (im wahrsten Sinne des Wortes) gedemütigt, sogar schon diskriminiert. Eben ein Sonderfall und nicht die Masse.

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