Kein Entkommen

Der leitende Feuilletonredakteur bei Welt Online weiß genau, wie der gemeine AfD-Wähler tickt. Besser gesagt, wir wissen, wie der Feuilletonredakteur tickt. Jener schafft es doch tatsächlich, auf recht plumpe Weise in einer ansonsten belanglosen Rezension eines Fernsehfilms noch eine präventive Verunglimpfung mündiger Wähler unterzubringen, die nicht dem politischen Lager seines Arbeitgebers zuzurechnen sind.
Jedenfalls glaubt der Feuilletonchef zu wissen oder schreiben zu müssen, dass der „aufrechte AfD-Wähler“ (der den heiligen Euro abschaffen und nach offiziöser Lesart Europa mit Krieg überziehen möchte oder gar einen „Rücksturz“ in die Nationalstaatlichkeit befürwortet), also kurzum, dass ein solches Subjekt folglich auch Wutbürger, Anhänger der Law-and-Order-Fraktion und Befürworter von Selbstjustiz sein muss.
So einer geilt sich nämlich auch an einem zweitklassigen Prügeldrama im Fernsehen auf, in denen die bundesdeutsche Kuscheljustiz mal wieder nicht gut weg kommt.
Ein Schlägerdrama aus der Perspektive des Opfers erzählt (im ZDF – „Kein Entkommen“), das muss dem aufrechten AfD-Wähler wohl gefallen, meint Welt Online.
„Endlich, der Fernsehfilm für den AfD-Wähler!“ – so titelte heute Elmar Krekeler vom intellektuell hochgerüsteten Flaggschiff des Springer-Konzerns. Genauso tendenziös und ärgerlich wie der beklagte Film nach Ansicht des Rezensenten sein mag (wir, das Volk, haben ihn ja noch nicht gesehen), so ist doch in jedem Falle der Grundtenor dieser Rezension gleichermaßen tendenziös, ärgerlich und völlig neben der Spur. Sollten etwa nur „aufrechte AfD-Wähler“ die grassierende Kriminalität, beklagenswerte Zustände in Justiz und Rechtspflege sowie mangelnden Opferschutz beklagen?

Den Versuch, die im Film angeprangerten Zustände zu leugnen, unternimmt der Rezensent klugerweise gar nicht erst. Stattdessen der nicht sehr elegant ausgeführte Versuch, den Film mit einem unfairen und an dieser Stelle völlig unpassend wirkenden Seitenhieb auf den politischen Gegner zu verbinden. Letztlich sagt diese Filmkritik viel mehr über die beschränkte Denkweise und den ausgeprägten Beißreflex des Rezensenten als über den Film selbst aus. Vielleicht besser, wenn sich Wähler jedweder Parteien ihre eigene Meinung bilden? Der Film läuft übrigens heute um 20.15 im ZDF.

Quelle: http://www.welt.de/kultur/article126101366/Endlich-der-Fernsehfilm-fuer-den-AfD-Waehler.html

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