Kontowechsel leicht gemacht

In der FAZ stieß ich heute auf einen Erfahrungsbericht einer FAZ-Redakteurin, bei dessen Lektüre ich zugegebenermaßen kurz schmunzeln musste. Die Autorin schildert darin, auf welche Widrigkeiten sie stieß, als sie nach vielen Jahren endlich beschloss, mit ihrem Girokonto zu einer anderen Bank umzuziehen. Welch mutige Entscheidung, dachte ich. Nachdem sich also diese erfahrene Redakteurin des Wirtschaftsressorts nach 15 Jahren der Unzufriedenheit dazu durchgerungen hatte, einen Kontowechsel zu vollziehen, passierte Folgendes:

Ich hoffe, niemand erwartet, dass ich diese Story hier nacherzähle oder satzweise zerpflücke? Das Gute ist, dass man nichts verpasst, wenn man’s nicht liest. Das Wichtige steht ja hier drin. ;-)

Worauf ich hinauswill: In unfreiwilliger Weise sagt der Artikel viel mehr über die Autorin selbst aus, als über die genannten Banken. Ich kann nicht genau sagen, wie oft in meinem Leben ich schon mein Girokonto gewechselt habe. Mehrere Male jedenfalls. Kein Voodoo, sondern eine lästige, wenn auch nicht allzu komplexe Aufgabe, im Gegensatz zu manch anderen Dingen…

Wenn man hingegen liest, wie eine erfahrene und hoch qualifizierte FAZ-Wirtschaftsredakteurin auf sich allein gestellt an dieser recht banalen Aufgabe mit überschaubarer Komplexität zu scheitern droht und diese als schier unüberwindliche Hürde darstellt, muss man sich über die sonstige Berichterstattung dieses pseudobürgerlichen Blattes nicht mehr wundern, die in letzter Zeit doch eine gewisse Realitätsferne des schreibenden Personals erkennen lässt.
Mal ehrlich: Wenn eine Vollblut-Journalistin ohne „Konto-Umzugsservice“ schon überfordert ist, ein paar Daueraufträge und Lastschriften umzustellen bzw. mal die eigenen Kontoauszüge durchzusehen und den betreffenden Firmen die neue Kontoverbindung mitzuteilen, lässt dies nach meinem Dafürhalten schon eine gewisse Lebensuntüchtigkeit oder Überforderung im Alltag erkennen, die man von hoch qualifizierten FAZ-Autoren/-innen eben nicht erwartet hätte, die ihrer verbleibenden Leserschaft gegenüber bei kontroversen wirtschaftlichen und geopolitischen Themen ganz gern mal in einen belehrenden Ton verfallen. Na ja, ich les ja dort auch nur noch selten…
Oder sollte es sich hier am Ende gar nur um einen schnöden Beitrag zum beliebten Banken-Bashing handeln?

Tipp:
Man eröffne das neue Konto beim gewünschten Bankinstitut und lasse das alte Konto vorerst weiter bestehen, vielleicht ein, zwei Monate. Sodann ziehe man nach und nach alle Daueraufträge, Zahlungen und Abbuchungen auf das neue Konto, dessen Daten man den betreffenden Firmen, Kunden, Behörden und ggf. dem Arbeitgeber bekannt geben muss. Wenn der Zyklus der Abbuchungen und Zahlungen dann ordnungsgemäß läuft, kündigt man das alte Konto, das natürlich auch stets eine ausreichende Deckung aufweisen sollte. Ganz ohne Jammern und Klagen schon mehrmals erfolgreich in der Praxis durchexerziert…

6 thoughts on “Kontowechsel leicht gemacht”

  1. Also ehrlich, dich wundert es noch? Realitätsfern, wie diese Personen leben? Die müssen doch erst einmal wieder in unserem Universum ankommen … Erde an Menschheit, es verbindet die Realität …

    Mal abgesehen davon. Oft haben überqualifizierte Menschen aber auch das Problem, mit den einfachen Dingen im Leben zurecht zu kommen. In ihrem Tätigkeitsfeld ein Genie, im Leben Versager in allen Bereichen. Selbst die einfachsten Dinge werden zu unlösbaren Aufgaben. Es gibt Vorstände, die können sich nicht einmal selbst die Krawatte binden oder die Schuhe … Die Grenze zwischen Genie und geistigem Kind ist hauchdünn.

    Aber da es sich hier um eine Journalistin handelt, fällt diese Betrachtung ohnehin nicht in diese Kategorie. Wollte es nur erwähnt haben ;)

    1. Wo du Recht hast, haste Recht… ;-) Na ja, mein Posting klingt zwar etwas gemein, wenn ich es mir jetzt mit Abstand durchlese, aber die Vorlage war zu gut, um sie ungenutzt passieren zu lassen. Grüße aus B. :-)

  2. Vielleicht war es aber auch einfach so, dass der Chefredakteur den Auftrag zu diesem Artikel erteilt hat: Corinna, heute schreibst du mal einen bankenkritischen Artikel aus deiner persönlichen Sicht. Das macht es glaubwürdiger. Alles natürlich fiktiv, erwähne die Deutsche Bank negativ, und lasse die Comdirect in positiverem Licht erscheinen; ah, die haben doch diesen tollen Kontowechselservice…
    Es gibt da übrigens gerade ein Buch von Udo Ulfkotte (“Gekaufte Journalisten”), der selbst früher bei der FAZ tätig war. Solche oder ähnliche Praktiken sollen durchaus üblich sein. Hab das Buch aber selbst noch nicht gelesen…

  3. Also Ich kann den Artikel auch nicht nachvollziehen.

    Warum ist man überhaupt bei der deutschen Bank (oder Commerzbank oder was auch immer)?

    Ich bin seit 10 Jahren bei der Sparkasse und mit meinem kostenlosen Konto super zu frieden. Nachdem Ich umgezogen bin mache Ich alles am Terminal oder online und brauche keine Filiale. Kreditkarte brauche Ich nicht.

    Und wenn Ich einen guten Service will muss Ich auch bereit sein ein paar Euronen dafür springen zu lassen, denn die Sparkasse macht das mit meinem Konto ja auch nicht für umme, dafür hab ich dann in der Regel weitere Produkte oder zumindest ein Tagesgeld da.

    Mit dieser Geizmentalität kommt man auf die Dauer nicht weiter.

    Grüße aus Dresden

    Philipp

    1. Die meisten Leut bleiben halt einfach aus Gewohnheit bei ihrer Bank. Meine Mutter z.B. wird niemals mehr ihr Konto wechseln, obwohl es recht hohe Gebühren kostet…
      Ja, ich hab auch keine hohe Meinung von Banken, aber ich nehm auch kaum Leistungen in Anspruch. Kredit brauch ich keinen, ich hab nur zwei gebührenfreie Girokonten bei Direktbanken und Kreditkarten; letztere hab ich nur, weils manchmal das Leben erleichtert (vor allem im Ausland beim Automieten). Na ja, Leute wie ich (kleine Freiberufler) werden von Banken auch eher als ungeliebtes, lästiges Klientel angesehen, daher können die mir auch ‘n Buckel runterrutschen… Gut, Tagesgeld hab ich auch, aber es wird eh auf absehbare Zeit kaum noch Guthabenzinsen geben, d.h. es wird schleichend entwertet, während der Steuerzahler für die Banken in Haftung genommen wird… Könnte man also auch genausogut unter die Matratze legen oder gleich ausgeben. Bleibt nur die Funktion der Zahlungsabwicklung übers Konto, ohne die man hierzulande nicht existieren kann…

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