Kontrollverlust vs. kontrollierte Preisgabe

Hartnäckig hält sich auch die Auffassung, es wäre 2015 zu einem Kontrollverlust durch die von Merkel angeordnete Grenzöffnung gekommen. Falsch. So wie das bauchpinselnde Gerede von einer friedlichen Revolution in der DDR ist die Legende vom Kontrollverlust lediglich ein abschwächendes, eine gezielte Entwicklung als Versehen rechtfertigendes Narrativ, das Anschlussfähigkeit zur vermeintlichen Mitte der Gesellschaft herstellen soll.

In den Jahren des freundlichen Gesichts (ab 2015 ff.) hat es zu keinem Zeitpunkt einen wirklichen Kontrollverlust des Staatsapparates gegeben. Man könnte höchstens auf eine kurze Phase der Irritation vor der bedingungslosen Öffnung unseres Ziellandes verweisen, als die Verantwortlichen den politischen Willen des Regimes antizipierten, aber formalisierte Anweisungen von höherer Stelle erwarteten. Staatliche Strukturen arbeiteten jedoch reibungslos, alles lief wie am Schnürchen; Polizisten, Beamte und öffentliche Angestellte leisteten ihren Dienst, wo auch immer sie standen, saßen und lagen. Sie führten lediglich Befehle aus, wie sie es immer taten und wie es ihre Väter und Großväter auch schon getan hatten. Alle Behörden und Organe funktionierten wie gehabt. Vorladungen, Bußgeld- und Steuerbescheide wurden an indigene Bürger verschickt, Straftäter und Verdächtige wurden ermittelt, gemeldet, verurteilt, therapiert und resozialisiert etc. pp.
Nur die Grenzen wurden eben durchlässig gestaltet, weil man dies explizit so wünschte und verfügte. Da war kaum ein Sandkorn im Getriebe, kaum ein Rädchen, was sich zu drehen weigerte. Es handelte sich um eine bewusste Entscheidung, eine kontrollierte Reaktion. Da war nichts ungesteuert, ungeordnet oder unkontrolliert, nichts blieb dem Zufall überlassen. Mit Bussen und Bahnen ankommende Migranten wurden wie Befreier bejubelt, im Spalier unter einem Hagel von Blumen und Plüschtieren begrüßt, pflichtgemäß organisiert aufgenommen, geordnet untergebracht, kultursensibel verpflegt und mit allem Nötigen versorgt. Der gesamte Zyklus der Aufnahme, Unterbringung und Versorgung lief reibungslos. Presse und Medien flankierten die Auf- und Übernahme in generalstabsmäßiger Manier. Die Erzählung vom Kontrollverlust halte ich daher für eine romantisierende, wenn auch im Nachhinein verständliche Darstellung der 2015 eingetretenen Geschehnisse. Beteiligte wollen ihr Gesicht wahren, Anderen will man traumatische Ereignisse irgendwie (v)erklären. Nach dem Motto: Oha, die Kontrolle ging kurzzeitig verloren, aber dann wurde sie eben wiederhergestellt, und jetzt ist alles wieder in Butter. Wenn der Obrigkeit die Kontrolle nicht entglitten wäre, wäre die Geschichte anders verlaufen, die Flüchtlingswelle hätte vermieden werden können oder wäre nicht so stark hineingeschwappt usw. usf.
Nein. Alles war so, wie es sein sollte.
Vielmehr handelte und handelt es sich um einen anhaltenden Prozess einer kontrollierten Selbstaufgabe, wobei temporäre kapazitive Engpässe und Bedarfsspitzen auftraten und immer mal wieder auftreten können.

One thought on “Kontrollverlust vs. kontrollierte Preisgabe”

  1. Zumindest aber mal wurden dafür m.E. einige Gesetze gebrochen. Problem: Ich kann das behaupten, aber keine Klage dagegen ist mir bekannt geworden und das was wir schickten kam als “unbegründet” oder “alle in Ordnung” zurück. Nach “eingehender Prüfung” über 4 Tage davon ein Wochenende IIRC

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