Masken

Maske„Sind Sie schuldig?“, fragte der Moderator in strengem Tonfall. Ein arrogantes, leicht gehässiges Grinsen umspielte seine Lippen.
„Natürlich bin ich schuldig!“, rief nun der im Sessel kauernde Mann mit einem ängstlichen Seitenblick auf die Fernsehkameras. „Sie glauben doch nicht, dass unsere Medienschaffenden einen unschuldigen Menschen an den Pranger stellen würden?“ Er beruhigte sich wieder; sein verschwitztes Gesicht nahm einen leicht einfältigen Ausdruck an. “Hassverbrechen und Propagandadelikte sind etwas Schreckliches, lieber Herr Plasberg”, sagte er salbungsvoll. „Es ist etwas Heimtückisches. Es kann einen überkommen, sogar ohne dass man es weiß. Wissen Sie, wie es mich überkommen hat? Im Schlaf! Ja, Tatsache. Da war ich, plagte mich, versuchte tagsüber das meinige zum Nutzen unserer bunten, weltoffenen Gesellschaft zu leisten – und hatte keine Ahnung, dass ich überhaupt je etwas Böses im Kopf hatte. Und dann fing ich an, im Schlaf zu sprechen. Wissen Sie, was man mich sagen hörte?“
Er senkte die Stimme wie jemand, der aus ärztlichen Gründen gezwungen ist, eine Unschicklichkeit auszusprechen.
„Nieder mit der Großen Mutter!“ Ja, das sagte ich! Sagte es immer wieder, wie es scheint. Unter uns, mein Freund, ich bin froh, dass man mich ertappt hat, ehe es weiterging. Wissen Sie, was ich sagen werde, wenn ich vor Gericht stehe? Danke euch, werde ich sagen, danke euch, dass ihr mich gerettet habt, ehe es zu spät war.”… (1)

In 165 Postings war ich, Max, das Gesicht hinter der Maske des garstigen Bloggers Max. Diese Kunstfigur sollte einzig und allein der Überspitzung des gesellschaftlichen und politischen Diskurses dienen. Dementsprechend waren seine Aussagen extrem provokant. Dies war als reine, wenn auch böse Satire gedacht. Ich distanziere mich ausdrücklich von dem Vorwurf der rechten Meinungsmache. Die Inhalte der Kunstfigur entsprechen in keinster Weise meiner persönlichen Überzeugung. Dieser Webauftritt war ein großer Fehler, den ich zutiefst bedauere und gern rückgängig machen würde, wenn ich könnte. (2)
(Auszug aus meiner schriftlichen Stellungnahme, liegt den zuständigen Behörden im Wortlaut vor)

Bis auf Weiteres gesperrte Passagen:

Ich bekenne mich schuldig der Ermordung führender Parteimitglieder, der Verbreitung aufrührerischer Flugschriften, der Unterschlagung öffentlicher Mittel, des Verrats militärischer Geheimnisse und der Sabotage aller Art. Ich gestehe, bereits im Jahre 1999 ein von der Regierung Russlands bezahlter Spion gewesen zu sein. Ich bekenne, ein Feind der bunten Gesellschaft, Bewunderer des Kapitalismus und sexuell pervertiert, d. h. heterosexuell zu sein. Ich bekenne, (meine) Frau(en) ermordet zu haben, obwohl ich weiß, dass diese Frau(en) noch am Leben ist/sind. Ich bekenne, jahrelang (bis zu seinem Tod) in persönlicher Verbindung mit Osama bin Laden gestanden zu haben und das Mitglied einer Untergrundorganisation gewesen zu sein, der fast jeder Mensch, den ich nur je gekannt habe, angehört hat. (1)

(Quellen:
1. vgl. George Orwell, 1984; Übers.: Kurt Wagenseil aus dem Englischen, 1950
2. vgl. Stellungnahme P. Hovens nach Enttarnung als Dr. Proebstl)

 

 

 

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