Mehr Schlaffis an die Front

Ursula von der Leyen möchte die Bundeswehr attraktiver gestalten und plant daher, die körperlichen Eignungskriterien für Soldaten weiter zu senken. Wozu soll ein Soldat heutzutage auch körperlich fit sein? Er wird schließlich rundum medizinisch betreut und kann notfalls mit dem Joystick kämpfen.
Wozu soll er auch einen BMI von unter 30 haben oder sogar schlank und leistungsfähig sein? Man kann doch für übergewichtige Soldaten einfach größere Panzer mit bequemen Sitzen oder U-Boote mit mehr Auftrieb und höherem Volumen bestellen.
Wozu soll ein Soldat dann auch noch lange Märsche absolvieren oder sich gar im Dauerlauf bewegen können? Ist doch unnötig. Er kann sich jederzeit chauffieren oder mit dem Hubschrauber abholen lassen.
Wozu soll ein Soldat noch schießen können? Die Drohnen unserer amerikanischen Verbündeten sind ohnehin besser geeignet, feindliche Kombattanten treffsicher und mit chirurgischer Präzision zu liquidieren.

Kein Wunder, dass unsere Verteidigungsministerin zu dem Schluss kommt, körperliche Fähigkeiten seien in einer modernen genderkonformen Armee überbewertet.
Wichtiger wäre es hingegen, meint Ursula von der Leyen, weiche Faktoren in den Vordergrund zu stellen, z. B. die „sozialen Fähigkeiten“ der Soldatinnen und Soldaten zu stärken, so dass man seine Gegner totquatschen oder wenigstens überzeugen kann, die Waffen niederzulegen und Asyl zu beantragen. Und über die Einführung einer Frauenquote für höhere Offiziersdienstgrade wird sicher auch noch gesprochen werden.

Überforderte Politikerinnen in anspruchsvolle Ämter zu berufen, muss nicht zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Man kann selbstverständlich jemandem zugestehen, sich in unbekannte Fachgebiete einzuarbeiten und auf einen Stab von Beratern und Referenten zurückzugreifen.
Verteidigungsminister ist aber ein Amt, bei dem ich es für problematisch halte, wenn es an eine Person übertragen wird, die selbst nie gedient hat und niemals auch nur entfernt mit militärischen Themen oder dem Alltag in einer Armee zu tun hatte. Wie will eine beratungsresistente, ungediente Person das Militär betreffende sachkundige Entscheidungen treffen, die letztlich über Leben und Tod Tausender entscheiden können?
Eine Armee ist bekanntlich kein Kindergarten oder politischer Debattierclub, sondern in gewisser Weise ein Fremdkörper in unserer menschelnden Gesellschaft. In einer Armee geht es ums Befehlen und Gehorchen, wobei es nicht sehr demokratisch, sondern eher ruppig und rau zugeht. Verständlich, denn im Krieg fehlt die Zeit, um menschliche Probleme aufzuarbeiten und Befindlichkeiten auszudiskutieren, wie man es sonst vielleicht gewohnt ist. Jeder Fehler, jedes Versäumnis, jeder Mangel kann fatale Folgen haben. Ist ein Soldat nicht leistungsfähig, nicht belastbar genug, zu langsam, ungehorsam oder schlicht mangelhaft ausgebildet, erhöht sich die Gefahr, dass er im Gefecht versagt oder unterlegen ist. Wenn er Pech hat, stirbt er und nimmt auch noch seine Kameraden mit in den Tod. Gleiches gilt natürlich auch bei etwaigen Fehlentscheidungen überforderter oder unfähiger Vorgesetzter.
Noch ärgerlicher, wenn die Verteidigungsministerin mit ihrem Geschwätz noch dazu beiträgt, die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr weiter zu beschneiden und keinen blassen Schimmer davon hat, welchen Schaden sie mit einer weiteren Verwässerung körperlicher Anforderungen anrichtet.
Die physischen Anforderungen an Soldaten können m. E. gar nicht hoch genug sein. Im Gefecht zählen letztlich immer auch die körperliche Belastbarkeit und die Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen. Dabei ist völlig egal, ob man im Stabsdienst, in der Etappe oder in der kämpfenden Truppe eingesetzt ist.
Wem das Wohl seiner Soldaten wirklich am Herz liegt, der siebt aus und nimmt nur die Fittesten in die Truppe auf, fordert den Soldaten in der Ausbildung höchste Leistungen ab, trainiert sie bestmöglich, spornt sie an, treibt sie bis an die Grenze ihrer physischen Belastbarkeit.
Eine Senkung der körperlichen Anforderungen an die Truppe in Friedenszeiten hingegen kann nicht die Lösung für die Nachwuchssorgen der Bundeswehr sein, da dieser faule Kompromiss im Ernstfall mit hohen menschlichen Verlusten erkauft wird.

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