Nach einigem Zögern und Zaudern …

… habe ich mir tatsächlich das ganze Interview in voller Länge noch einmal angeschaut, das Günter Gaus 1991 mit der damals 37-jährigen Angela Merkel führte:

Gefunden über diesen Blogbeitrag: https://www.achgut.com/artikel/angela_merkel_verstehen

Fazit: Man kann nicht mehr werden, als man ist. Niemals.
1991, als sie Kohls Stellvertreter wurde, bewegte sie sich sprachlich noch im DDR-typischen “Täuschmodus” und äußerte sich vorsichtig bis unsicher, besaß aber noch eine deutlich bessere Ausdrucksfähigkeit als heute (möglicherweise auch ein Opfer bzw. Ergebnis des “Prole Drift”?), sie wägte ihre Worte (man musste ja den Westen noch von sich überzeugen) – Sprache, Duktus und Herumgeeiere erinnern mich übrigens an eins der “Kinder von Golzow”, dieses Mädel, das da Bürgermeisterin im Oderbruch war und bei Gelegenheit vorgeführt wurde, wie hieß die doch gleich? … Erika? Nein, anders. Aber auch egal.
Jedenfalls gelingt es Gaus mühelos, sie zu zu demaskieren, was sie teils bemerkt und dann irritiert – genüsslich wird ihr opportunistischer, autoritärer Charakter vor laufender Kamera feinfühlig seziert und in Häppchen dem Publikum präsentiert …
Gaus war ja offenbar ein sehr sensibler Gesprächsführer, der sich für sein Interview mit ihr intellektuell zurücknahm und – so mein Eindruck – für sie auf eine niedrigere Diskursebene herabstieg, extra langsam sprach und auch nachfragte, damit sie gerade so viel von der Frage verstand, um sich zu entlarven …
Ihr sog. Ziehvater Helmut Kohl, der Merkel ermöglichte und “machte”, hatte erst sehr spät, zu spät begriffen, was er sich da für ein Kuckucksei ins warme Nest gehievt hatte.
Gaus hatte es damals schon verstanden – Ihre Neigung zur Angepasstheit, ihre Verachtung für basisdemokratische Strukturen, ihre Sehnsucht nach autokratischer Herrschaft … Er ahnte, wohin es führen würde. Bemerkenswerter Mann.