Nebenbei

Nebenbei mal ein Gedanke: Was ist der Unterschied zwischen der Hochstaplerin Petra Hinz (SPD) und dem falschen Aida-Schiffsarzt Denny H. (vermutl. parteilos)? Ganz einfach: Denny H., der sich als Arzt ausgab, hat für sein Geld gearbeitet. ;-) Immerhin war er als ausgebildeter und erfahrener Krankenpfleger so kompetent, dass er jahrelang anstandslos praktizieren konnte, ohne wegen etwaiger Fehlbehandlungen oder Kunstfehler negativ aufzufallen – was man beileibe nicht von jedem echten Arzt behaupten kann. Er bereut natürlich und habe den Menschen nur helfen wollen, sagt er. :-) Dafür soll er büßen. Nach halbjähriger Untersuchungshaft steht der Hochstapler gerade in Berlin vor Gericht. Die volle Härte des Gesetzes möge ihn treffen. Selbst der ungekrönte König der Hochstapler, Gert Postel, hat sich schon empört gezeigt und seine Abscheu über derlei unmoralisches Tun zum Ausdruck gebracht.

Die Lokalpolitikern Petra Hinz von der einstigen Arbeiterpartei SPD schämte sich hingegen für ihren Lebenslauf und schrieb sich einfach eine Legende zusammen. Sie hat sich (frei nach Jean-Paul Sartre) einfach mal neu erfunden, sich sozusagen einen besseren Lebensentwurf geschrieben. In Wahrheit: Kein Abi, kein Jurastudium, kein Staatsexamen, keine Tätigkeit als Juristin. Nichts, außer einer Parteikarriere. Obwohl doch heutzutage jeder weiß, dass der Mensch erst beim Abi anfängt. Frau Hinz zeigte sich sehr bestürzt über sich selbst. Sie legt ihr Mandat nieder und verabschiedet sich schon mal mit einer üppigen Abgeordnetenpension den wohlverdienten Ruhestand. So ist’s recht. Steht ihr ja zu. Ist niemand zu Schaden gekommen oder?
Zwei Hochstapler, unterschiedliche Geschichten, gegensätzliche Konsequenzen. Da würde man in der Öffentlichkeit normalerweise auch gar keinen Vergleich anstellen oder? Wird völlig anders wahrgenommen. Bezeichnend übrigens auch, dass beide Hochstapler im Grunde nur zufällig aufgeflogen sind. Wie auch immer …

4 thoughts on “Nebenbei”

  1. Diese Hochstaplerin in Berlin scheint auch so ein Früchtchen zu sein, mal u.a von Hadmut Danisch aufgespießt:
    http://www.danisch.de/blog/2016/11/18/als-ne-linke-buergermeisterin-werden-wollte/
    Abgeordnete und Bürgermeisterkandidatin in Lichtenberg, die sich anderthalb Jahre lang mit einem Bachelor-Abschluss geschmückt hatte, den sie erst letzte Woche erlangt hat.
    Für mich auch in diesem Fall völlig unverständlich, wie man so eitel und titelgeil sein kann. Wen hätte das gekümmert, wenn die parteiintern und im Abgeordnetenhaus noch als Studentin firmiert hätte? Ich hab nie was auf Titel gegeben, ich geb z.B. nichts auf mein Diplom von der Humboldt-Uni. Entscheidend ist nur, was du wirklich kannst und was du dann daraus machst. Aber in der Politik läuft ein anderes Spiel, klar …
    Und ein Bachelor-Abschluss in Geschichte und “Gender Studies” ist ja nun nicht gerade ein Ausweis überragender akademischer Exzellenz, wa? Reine Eitelkeit, mehr Schein als Sein – und ran an die Fleischtröge …
    Richtige Frage: Wer wählt so etwas?

  2. “Richtige Frage: Wer wählt so etwas?”
    Nun annähernd jeder 6. der noch in Berlin zur Wahl geht. Nur was genau mache Grüne, oder SPD wirklich besser?

    Ist es nicht so, daß es alle Parteien in den Landtagen und dem Bundestag sozialdemokratisch orientiert sind? Und wenn Sie es so sehen wählen 99 % aller Wähler eben solche Parteien…

    Und seit Jahren hört man immer wieder man wähle ja “nur” das kleinere Übel….

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