Neues aus dem Prinzenland

Auch schon etwas genervt vom royalen Babykult?
Den Briten sei ihre Begeisterung selbstverständlich gegönnt, und auch meinem Lieblingssender BBC sei es nachgesehen, dass Boulevardnachrichten aus dem Königshaus und Geschwätz über belanglosen Kinderkram die sonst übliche recht objektive und sachliche Berichterstattung aus aller Welt in den Hintergrund rücken lassen.

Immerhin ist das englische Königshaus einer der wichtigsten verbleibenden Wirtschaftsfaktoren Großbritanniens und zu einem großen Teil für die Sympathien verantwortlich, die diesem herrlichen Land und seinen Bewohnern entgegengebracht werden.

Nur warum fühlen sich auch deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehsender stets bemüßigt, sich in die versammelte Riege der Hofnarren einzureihen? Bei jedem nur denkbaren royalen Anlass werden Heerscharen alternder Society-Expertinnen und schwatzhafter Königshofkennerinnen auf Kosten der Gebührenzahler in Stellung gebracht.
Nun ja, ich habe schon teilweise Verständnis. Immerhin schafft man es so, dem in der ersten Reihe auf deutschen Sofas vor sich hindämmernden Publikum, das vorwiegend aus Rentnern und pubertierenden Backfischen bestehen dürfte, eine funktionierende und nahtlose Berichterstattung vorzugaukeln.

Dennoch sei die Frage gestattet, ob’s nichts Wichtigeres zu berichten gäbe, um das Sommerloch zu füllen? Zum Beispiel ein „Feature“ über unsere eigene Regentin Angela Merkel, die gerade mit ihrem Hofstaat in Fischbeck (Sachsen/Anhalt) durch den Schlamm stapft und nach Wählerstimmen fischt, ähm, ich meine, den Menschen mit Tränen in den Augen unbürokratische Hilfe zusagt? Sozial ist, was neue Deiche schafft, soll sie gesagt haben.
Das sind die Nachrichten und Bilder, die wir jetzt brauchen, liebe Fernseh- und Meinungsmacher… Einen Beitrag über die grassierende Mückenplage in Mitteldeutschland vermisse ich übrigens auch. Oder war es die Heuschreckenplage?

Wie dem auch sei, stattdessen nur englische Hofberichterstattung, die in braver Untertanenmanier freilich mit unseren Zwangsgebühren finanziert wird – ganz im Sinne einer allmählich beginnenden Refeudalisierung in Amt und Politik.
Aber immerhin – ob „Baby Cambridge“, wie der kleine Prinz mangels abgeschlossener Namensfindung derzeit noch tituliert wird, schon spürt, dass nicht nur blaues, sondern auch deutsches Blut durch seine Adern fließt?
Vielleicht rührt der mediale Hype und die mediale Verbundenheit auch daher, dass der neue Prinzling auch ein Deutscher ist, wie bekannt sein dürfte. Wir sind nämlich alle Prinz – ja, diesen Satz wollte ich ums Erbrechen jetzt unbedingt anbringen.

Ob und wann der „Prinz der Herzen“, Vertreter der dritten männlichen Generation der lebenden englischen Monarchen in Lauerstellung, wohl seinen Thron besteigen wird? So 50, 60 Jahre kann es gut und gern schon dauern, also genug Zeit, um zu einem weisen und klugen Königsanwärter zu reifen, sofern dann sein Reich überhaupt noch existiert.

Geduld ist eine königliche Tugend. Dies wird die neue Hoffnung des englischen Herrscherhauses schon bald erfahren müssen. Wünschen wir dem kleinen Prinzen – egal, ob er James, George, Paul, John oder Ringo heißen wird – alles Gute!

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