Nummer Eins schweigt … (II)

Warum also hält sich Merkel bedeckt, obwohl sie doch die bestehenden und angedrohten US-Sanktionen nutzen könnte, um innerhalb Europas auch um solidarische Unterstützung zu werben, die doch ständig von anderen EU-Staaten eingefordert wird? Sie könnte die Vorlage auch nutzen, um gegen Trump mobil zu machen, was von Presse und Medien goutiert und mit geballter Macht der Kolumnen beklatscht worden wäre. In entsprechend fokussierten Empörungsartikeln könnte man diese rechtswidrigen Sanktionen und deren Verschärfung thematisieren und allein der Trump-Präsidentschaft anlasten.
Narrativ-Vorschlag: Trump, die imperialistische Marionette und der Feind aller geläuterten Völker, will uns energetisch aushungern!

Nein, Frau Dr. Merkel schweigt, und die ihr hörigen Medien blasen auch nicht zum Aufstand der anständigen Gasverbraucher, soweit ich bisher mitbekommen habe. Man köchelt die leidige Angelegenheit nur auf kleiner Flamme.
Ein Grund hierfür könnte und wird wohl sein, dass Merkel (natürlich) weiß, dass die Sanktionen nicht ursächlich auf Trump oder die US-Republikaner zurückgehen, sondern von der mächtigen US-Gaslobby (und russlandfeindlichen Kreisen) erzwungen wurden. Die Sanktionen sind wahrscheinlich nur das Ergebnis eines der in der US-Innenpolitik üblichen Kuhhandels, bei dem innenpolitische Vorteile mit außenpolitischen bzw. wirtschaftlichen Zugeständnissen erkauft wurden oder umgekehrt.
Unter einem beliebigen anderen Präsidenten, etwa Biden, Clinton oder Micky Mouse, wären diese Sanktionen sicherlich auch beschlossen worden. Da Merkel dies auch weiß (weil man es ihr oft genug erklärt hat) und sie in dieser Frage, außer Lippenbekenntnissen, keinen Rückhalt innerhalb der EU hat, um einen außenpolitischen Zwergenaufstand vom Zaun zu brechen, schweigt sie wohlweislich … vorerst. Spätestens nach den nächsten US-Präsidentschaftswahlen wird sie sich äußern. Nord Stream 2 ist fast fertig; man kann die Pipeline im Grunde nicht stilllegen und verrotten lassen – es wäre ein Unding. Jeder würde wissen, dass man ohne Rückversicherung in den USA keine Geschäfte mit BRD-Firmen schließen kann. Außenpolitisch wäre die BRD vollends erledigt, für jeden Betrachter sichtbar auf den Status von Karthago nach dem zweiten punischen Krieg reduziert …

Möglicherweise wird Deutschland dann irgendein Stillhalte- oder Zusatzabkommen mit den USA bezüglich Nord Stream 2 abschließen müssen, vermute ich. Einen gesichtswahrenden „Deal“ wird es geben, aber dieser Deal wird uns teuer zu stehen kommen. Nichts Neues im Westen also …