Nach der Rettung ist vor der Rettung….

Unter der kryptischen Bezeichnung “Verordnung zur Schaffung einer Fazilität des finanziellen Beistands für Mitgliedstaaten, deren Währung nicht der Euro ist” wird die nächste Phase der Vergemeinschaftung der Staatsschulden eingeleitet und ein neuer Rettungstopf aufgemacht, an dem nun auch Nicht-Euro-Staaten teilhaben sollen.

Die Wirtschaftswoche thematisiert den bevorstehenden Beschluss des EU-Rates über den
50 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm für Nicht-Euro-Länder. Damit könnten nun auch nicht zum Euroraum zählende schwächelnde Länder wie Rumänien und Bulgarien in den Genuss von Rettungskrediten und Kreditlinien kommen, für die der deutsche Steuerzahler in Mithaftung genommen wird. Kurioserweise liest sich der Wortlaut des Entwurfs so, als könne pro Land ein Darlehen oder eine Kreditlinie in Höhe von 50 Mrd. Euro gewährt werden, wodurch das mögliche Gesamtkreditvolumen auf gigantische 500 Mrd. Euro aufgeblasen werden könnte. Angeblich soll diese Unstimmigkeit auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen sein. So heißt es in dem mir vorliegenden Entwurf: “Die Darlehen oder Kreditlinien, die einem Mitgliedstaat aufgrund dieser Verordnung gewährt werden können, sind auf 50 Mrd. EUR begrenzt.”
Allerdings findet sich auch an anderer Stelle im Entwurf der Verordnung der Satz:
“Der finanzielle Beistand kann in Form eines Darlehens oder einer Kreditlinie von maximal 50 Mrd. EUR gewährt werden (Artikel 2).”
Auch dies liest sich so, als gelte die 50-Mrd.-EUR-Obergrenze pro Staat und nicht insgesamt für den Rettungsschirm.
Quelle: http://www.wiwo.de/politik/europa/eu-plan-rettungsschirm-fuer-nicht-euro-laender/7749282.html

Wir sind nicht mehr Papst und haben fertig!

Die kultige Schlagzeile „Wir sind Papst!“, von der Bild-Zeitung 2005 nach der Wahl des Kardinals Ratzinger zum Papst Benedikt XVI im Jahre 2005 getextet, hat nun endgültig ausgedient. Wir, als Papst, haben fertig.
Heute morgen wurde bekannt gegeben, dass Papst Benedikt XVI in wenigen Tagen aus Altersgründen zurücktreten wird. Diese Mitteilung soll laut dem Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“ eingeschlagen sein.
Die Bundesregierung zeigte sich überrascht und betroffen.
Zu spekulieren bleibt, ob tatsächlich rein gesundheitliche Gründe oder vielleicht auch innerkirchliches Machtgerangel und die in vielen Ländern immer schärfer diskutierten Missbrauchsskandale mit zu dieser Entscheidung beigetragen haben.
In der Tat überrascht der Schritt und erscheint mir auf den ersten Blick äußerst ungewöhnlich, da zwar dem Papst die kirchenrechtliche Möglichkeit zugestanden wird, von seinem Amt zurückzutreten, aber bislang in der Geschichte der katholischen Kirche erst ein Papst – Coelestin V. im Jahr 1294 – von diesem Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht hatte und damals, wie berichtet wird, bereits nach einigen Monaten wegen offensichtlicher Überforderung den Rückzug aus dem Amt des obersten Stellvertreter Gottes ins Privatleben antrat.
Bei Benedikt, der zwar häufig als „Übergangspapst“ bezeichnet worden war, aber hohes Ansehen genoss und sein Amt bis auf einige Querelen in ordentlicher Weise wahrzunehmen vermochte, gab es jedoch keinen Anlass zu der Vermutung, er könne seinem Amt nicht gewachsen sein. Jedenfalls war ich davon ausgegangen, dass sich ein Papst, insbesondere ein deutscher, dem man tja eigentlich besonders hohes Pflichtgefühl unterstellt, daran gebunden fühlt, sein Amt unbefristet auszuüben. Irgendwie klingt es seltsam: Der Stellvertreter Gottes auf Erden stellt sein Amt freiwillig zur Verfügung? Inwieweit Benedikt bleibende Akzente setzen und seine kurze Amtszeit die katholische Kirche in irgendeiner Weise prägen konnte, bleibt wohl künftigen Bewertungen von Kirchenhistorikern überlassen.
Dennoch dürften die genauen Beweggründe für den Amtsverzicht möglicherweise auch in Zukunft noch Anlass zu Spekulationen bieten.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/der-ruecktritt-des-papstes/habe-nicht-mehr-genug-kraft-papst-benedikt-xvi-tritt-am-28-februar-zurueck-12058885.html

Der enttarnte Plagiator als Opfer der Digitalisierung

Ich schaue mir gerade ein Bild auf „Welt Online“ an, das mutmaßlich kurz nach der Bekanntgabe des Rücktritts der A. Schavan aufgenommen wurde.

Eingerahmt durch zwei aufgepflanzte schwarz-rot-goldene Flaggen marschiert Frau Ex-Bildungsministerin mit trotzigem Gesichtsausdruck, fest zusammengepressten Lippen und locker schwingenden Armen vom Podium hinweg, dicht gefolgt von Frau Merkel, mit einem verkniffenen Lächeln auf den Lippen, sichtbar um Haltung ringend und den Blick über die Köpfe der ausharrenden Pressevertreter auf einen nur ihr bekannten Punkt in der Ferne des Raumes gerichtet. In der Hand hält sie wohl das gerade abgelesene Blatt mit der üblichen Dankesbekundung und Loyalitätserklärung an die Adresse der aus dem Amt scheidenden ministerialen Plagiatorin.

In dem dazugehörigen Artikel werden nun reichlich Krokodilstränen vergossen, WO-Chefkommentator Krauel schwadroniert von einer „Rechtssprechung per Computer“, Schavan sei ohne persönliche Anhörung verurteilt worden, so als ob es um einen Gerichtsprozess bzw. strafrechtliche Verantwortung und nicht lediglich um den völlig selbstverständlichen Entzug eines durch betrügerische Vorgehensweisen erschlichenen akademischen Grades ginge.

Schavan sei „Opfer der digitalen Welt“ geworden, beklagt der Welt-Kommentator, da es erst durch massierten Einsatz von Computern – übrigens die Erfindung eines gewissen Herrn Jobs, wie man zu berichten weiß, bedient durch digitale Machtbürger in letzter Konsequenz dem Pöbel ermöglicht worden sei, die gottgleiche Frau Ministerin mit den vielen Verdiensten vom Sockel zu stoßen.

Der Grundtenor dieser und auch einiger anderer Artikel ist, dass anonyme Wutbürger aus Neid und Missgunst eine Art Hexenjagd veranstaltet hätten, um ausgewiesen kompetente Repräsentanten der politischen Elite wegen der Verletzung kleinlich ausgelegter Zitierregeln wie waidwundes Wild zur Strecke zu bringen.

Eine Hexenjagd an der Grenze zur juristischen Niedertracht, so sieht es Herr Krauel, dessen Karriere einst als Berater im Bundestag und Bundeskanzleramt angeschoben wurde. Man kann nur mutmaßen, warum sich der Chefkommentator des Springer-Blattes hier so ins Zeug legt.

Generell hört und liest man, dass die Politik ihr „Anerkennung und Respekt“ zollt, den Rücktritt „bedauerlich und tragisch“ nennt, während mir ein schaler Geschmack im Munde verbleibt…

Die Verklärung eines Täters zum Opfer hat sich von jeher als klassischer Kunstgriff zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung bewährt. Ist es denn aber aus Gründen der Staatsräson notwendig, eine Betrügerin, die sich durch vorsätzliches und systematisches Ausgaben fremder gedanklicher Leistungen als eigene, sprich plumpes Abschreiben, vor 30 Jahren Studienabschluss, Doktorgrad und die Basis für ihre spätere Karriere erschlichen hat und mutmaßlich fähigeren Mitbewerberinnen durch illegitime Mittel den Weg verbaut hat, in gespielt-empörter Manier zum Opfer der Umstände der Digitalisierung zu verklären?

Quelle: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article113512184/Schavan-ist-ein-Opfer-der-digitalen-Welt.html