Ponyland

Gestern Nacht: Beim gewohnheitsmäßigen Herumzappen bleibe ich bei einer der in Endlosschleife laufenden Pseudodokus hängen, die den Alltag unserer wackeren Gesetzes- bzw. Ordnungshüter im Einsatz zeigen sollen. Ein Gefühl nostalgischer Rührung ergreift mich. Ich sehe Szenen aus einer Staatssimulation, die den verbliebenen Mitspielern und Zuschauern einen funktionierenden Kontroll- und Rechtsstaat vorgaukelt. Penible, selbstverständlich unbestechliche Zollbeamte, die Koffer oder Reisetaschen peinlich genau durchwühlen und vor den Kameras so tun, als würden sie Steuervergehen der arglosen (bzw. sich arglos gebenden) Flugreisenden streng ahnden. Anflug von absurder Situationskomik, wenn eine über dem Freibetrag liegende Packung Zigaretten oder die überzählige Flasche Whisky triumphierend in die Kamera gehalten wird. Nee, das aber auch. Was für ein Fang. Da hatte man ja den richtigen Verdacht. Gespielte Fassungslosigkeit auf Seiten der ertappten Delinquenten, als da wären eine harmlos wirkende Omi und ein moldawischer junger Mann, die von bis zum Erbrechen höflich, aber unnachgiebig bleibenden Beamten schließlich zur Kasse gebeten werden. Nein, beileibe kein Kavaliersdelikt ist es, dem Fiskus die gebührende Einfuhrumsatzsteuer vorzuenthalten. Möge sie die volle Härte des Gesetzes treffen, all jene Reisenden, die sich samt ihrer drei unverzollten Stangen Zigaretten durch die grüne Gasse am Flughafen schleichen. Indes sich Tag für Tag der Strom der zigtausend Unregistrierten, jeglicher Kontrollen entzogen, über die grüne Grenze wälzt.

5 thoughts on “Ponyland”

  1. Sprichst du da von der Pseudo-Realität namens Fernsehen? Hab davon gehört, aber irgendwie, nein, ich komme da nicht dahinter, was das sein mag. Ich erinnere mich dunkel daran, das früher konsumiert zu haben, kann mich aber bei weitem nicht mehr an den Geschmack erinnern. Scheint fade zu sein, mhmm? ;)

    1. Wohl wahr, größtenteils abgeschmackt oder einfach ärgerlich – insbes. was die Talkshows anbelangt.
      Ich schau da ernsthaft höchstens noch einige US-Serien, die wirklich hochklassig sind… The Walking Dead, Mad Men, Breaking Bad, True Detective etc. Dexter ist z.B. auch sehr gut. Diese US-Serien sind das einzig Vernünftige, wofür sich die Glotze lohnt. Gibt von den dt. GEZ-Öffis nichts Vergleichbares.

      Was hältst du denn eigentlich von den ganzen Koch- und Restaurantshows, die da in jedem Sender laufen? Gibt ja zig Ableger in der Art von “Restaurantretter im Einsatz” und son Zeugs. Hast du bestimmt auch keinen Bock drauf, so was zu gucken nach der Arbeit oder? :-)

      1. Diese ganze Show-Star-Köche, die dort auftreten, können nur eines: sich verkaufen. Mehr auch nicht. Zumindest nicht mehr als jeder x-beliebige andere Koch. Ich könnte jedesmal kotzen, wenn ich einen von denen sehe. Das Schlimmste daran ist, dass die Leute in ihrem Wahn glauben, dass es in einer Küche immer so ist, nur weil es so und nicht anders in der Glotze gezeigt wird. Fernab jeglicher Realität. Mälzer zum Beispiel ist charakterlich ein Riesenarschloch, dazu könnte ich eine eigene Geschichte schreiben mit dem Titel “fleischgewordene Arroganz”. Es gibt tatsächlich einen einzigen Starkoch, von dem ich zumindest noch ein wenig etwas halte: Jamie Oliver. Weil er, zumindest in seinen Sendungen, relativ auf dem Boden geblieben ist. Den restlichen Rotz kannste getrost vergessen.

        Schlimm nur, dass ich mit deren Scheiss ständig konfrontiert werde: “Aber der hat das so und so gemacht.” Boah ne …

        1. Ja, genau auch meine (aber nur laienhafte) Meinung. Dachte ich mir aber schon, dass das für dich eher ein Reizthema ist. Kann mir vorstellen, dass du da wahrscheinlich oft drauf angesprochen wirst. ;-)

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