Preis

Freitagvormittag, kurz vor 11, irgendwo in Deutschland, vor einer Ampel. Eigentlich mag ich Freitage. Heute nicht. Es staut sich. Es stockt. Nichts geht mehr. Rechts neben mir starrt ein Opa aus seinem wie geleckt wirkenden silbergrauen VW. „Diesel, hä?“ Der Rentner glotzt mich an, als hätte ich ihm ein unanständiges Angebot unterbreitet. Wohl schwer von Begriff; und das in diesen Zeiten, man stelle sich vor. Ich verstelle den Innenspiegel, um zu gucken, ob irgendwas mit mir ist, ob ich noch ich bin. Ein bekanntes müdes, unrasiertes Gesicht blickt mich an. Um 11 ist der Zahnarzttermin, ich komme zu spät. Macht aber nichts. Ich bin halt da, wenn ich da bin, Alda. Deutschland muss eh etwas lockerer und chaotischer werden.
Zur Ablenkung etwas Musik? Mit dem Daumen schnell die Senderprogrammtaste am Lenkrad gedrückt, und der Sprecher plappert munter los: Überraschung in Oslo. Friedensnobelpreis 2015 geht an das „tunesische Quartett für den nationalen Dialog“, erklärt der Sprecher. Erleichtert atme ich auf. Glückwunsch an das tunesische Quartett. Nochmal gut gegangen. Die Demütigung bleibt uns erspart. Schlagartig verbessert sich meine Laune. Die Ampel schaltet um und erstrahlt in sattem Grün. Die Grünphase dauert an, bis ich die Kreuzung passiert habe. Könnte noch ein versöhnlicher Freitag werden.

3 thoughts on “Preis”

    1. Ja, sie war wohl im engeren Kandidatenkreis (es gab ja insgesamt ca. 270 Nominierungen) und sogar klare Favoritin bei den britischen Buchmachern, wie ich las.
      http://time.com/4066295/nobel-peace-prize-winner-odds/
      Verspürte daher eine gewisse Erleichterung, dass dieser Kelch an uns vorübergegangen ist. (Eine gute Entscheidung, da sich unsere geliebte Große Mutter nun weiter in der ihr eigenen bescheidenen und zurückhaltenen Art auf die Tagespolitik und die Lösung der aktuellen und künftigen Krisen der Welt konzentrieren darf; Medienhype, Festivitäten und Huldigungen hätten sie nur von ihrer (vom Hergott auferlegten) Aufgabe abgelenkt und die Rettung der Welt unnötig erschwert.)

  1. Ich denke, ich kann Ihnen folgen ;-)

    Aber leider scheine ich was 2015 angeht keine grüne Phase mehr hinzubekommen:
    Am 6 Januar schrieb ich über die Maut:
    Dafür “dürfen” wir ab 2016 erst mal durch eine Maut löhnen (nicht das die Straßen schon lange abgeschrieben wären), soll ja angeblich “aufkommensneutral” sein. Warum macht man dann den ganzen Kram? Und warum tut es nicht ein einfaches Pickerl am Fenster so wie in der Schweiz oder Österreich, man könnte ja vermuten es wäre schade um die vertane Chance – für eine Überwachung die man nur noch albtraumhaft nennen kann. Warum hab ich heute schon keinen Bock mehr auf 2015 ?

    Das klappt zwar mit der Maut nicht 2016, aber das mit der Überwachung klappt schon immer besser. Und nun die Krokodilstränen als das EUGH gegen die von den Politikern geduldete (gewollte?) Überwachung urteilte….

    Und noch so ein paar andere Sachen…. Ich glaube nicht, daß mich 2015 noch versöhnlich wird stimmen können.

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