Psst!

Auf welch verzweifeltem (mental herausgefordertem) Niveau sich unser aller Kanzlerin der Herzen bewegt, kann man m. E. auch an folgender beispielhafter Aussage besehen: „Wir leben in postfaktischen Zeiten“, verkündete sie gestern oder vorgestern in einer Erklärung zum Berliner CDU-Wahldebakel. Vermutlich wollte sie zum Ausdruck bringen, ihre ungehorsamen Schäfchen würden sich ohnehin nicht mehr für die von Staats wegen verlautbarten Fakten interessieren, sondern sich vor allem von ihren negativen Gefühlen (fehl-)leiten lassen. Selbstverständlich wäre es da ihrer Ansicht nach unlogisch (d.h. nicht hilfreich), die Menschen mit Fakten belästigen bzw. überzeugen zu wollen, und überhaupt: “Fakten herunterbeten” ist unter ihrer Würde.
Zum Schlapplachen! „Post-faktische Zeiten“ – die Erkenntnis ist ja offensichtlich nicht auf ihrem Mist gewachsen. Sie habe sich „das sagen lassen“, las ich. Aha. Fragt sich nur, von wem? Wer mag ihr Einflüsterer gewesen sein? Einer der üblichen Verdächtigen oder etwa wieder der gute Prof. Münkler, der sich neuerdings heftig ins Zeug zu legen scheint, um sich für die historische Rolle als retrospektiver Erklärbär merkelscher Befindlichkeiten zu empfehlen? Oh ja, nie wurde ein postmoderner philosophierender Rasputin am Berliner Zarenhof dringender gebraucht als in diesen schwierigen Zeiten.

Tja, ich kann auch nur mutmaßen, liebes Tagebuch. Warten wir die offizielle Interpretation ab. Wir leben also in postfaktischen Zeiten, in denen die Menschen keine Fakten wahrnehmen oder sich weigern, sie zur Kenntnis zu nehmen, weil sie nicht mit ihren Gefühlen im Einklang stehen? Also wie ignorant oder verwirrt muss man eigentlich sein, um so einen gequirlten Stuss zu erzählen. Die dahinter stehende Motivation ist aber verständlich: Merkel will den aufmüpfigen Bürgern ihre Urteilsfähigkeit absprechen, d.h. jene, die aus ihrer Sicht falsch gewählt haben, quasi symbolisch entmündigen. Aber ihre Aussage ist so unsinnig, dass sich einem die Fußnägel aufrollen.

Die Gefühlswelt, das Unterbewusstsein, die Intuition, innewohnende Instinkte und Emotionen sind natürlich immer durch die individuell erlebte Realität, durch gesammelte Erfahrungen, Erlerntes (Wissen) und die Gesamtheit der erlebten Eindrücke aus der objektiven Realität determiniert. Selbst wenn ich glaube, mich nur von “reinen” Gefühlen leiten zu lassen, existieren diese naturgemäß nie für sich allein, sind nicht isoliert oder losgelöst vom umgebenden “Faktengebäude”. Welche Fakten das sind, welche man zur Verfügung hat und wie man diese bewertet, ist natürlich individuell unterschiedlich. Sie bilden aber die existenzielle Basis für die Gefühlswelt; es gibt kein vom Sein (vgl. Fakten) unabhängiges Bewusstsein (vgl. Gefühlswelt).

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