Rettungsszenario

Das Retterszenario: Zwei Ertrinkende im Wasser. Welchen der beiden rettest du, wenn zwei deiner Feinde im Wasser treiben und zu ertrinken drohen?
Erinnerte mich entfernt an meine Schwimmerproblematik, nur aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet.
Angenommen, du kannst nur einen Ertrinkenden retten, weil du als einzelner Rettungsschwimmer draußen unterwegs bist – auf dich allein gestellt. Oder aus Sicht eines Bootsführers: Es wäre sicher nicht klug, zwei deiner ärgsten Feinde mit in dein Rettungsboot zu nehmen. Riskant. Mit einem kannst du es noch aufnehmen, aber zwei könnten dich, den früheren Retter, vielleicht später überwältigen und über Bord werfen. Ein moralisches Dilemma, wenn man so will.

;-)
Passend dazu, die Frage eines zwölfjährigen Mädchens an Wladimir Putin gerichtet: https://youtu.be/NU2rLbk8ENA?t=2m10s

Blöde Frage, die er ziemlich gut umschifft hat, der Putin. Muss man erstmal draufhaben, in einer TV-Fragestunde so schlagfertig zu reagieren. Da macht er seine Sache wieder gut; versucht nicht, emotionslos zu bleiben, sondern zeigt (bewusst) seine Überraschung, überspielt den kurzen Moment der offensichtlichen Verlegenheit mit einem eingeschobenen Satz, persönlich an die Fragestellerin gerichtet (etwa: „Da hast du mir aber eine schwierige Frage gestellt; ich weiß nicht, was ich sagen soll“), diese Zeitspanne nutzt er, um über eine passende Antwort auf diese unbequeme Frage nachzudenken, die aber ernsthaft wirken und auch eine gezielte Botschaft vermitteln soll. Und dann folgt die Antwort, ausweichend mit einem kleinen Seitenhieb („wer sich entschlossen hat zu ertrinken (d. h. indirekt: wer sich aufgegeben hat oder bereit ist, unterzugehen), für den ist eine Rettung unmöglich (den kann ich nicht retten)“), daran schließt sich sogleich die Überleitung auf gewohntes, sicheres Terrain an: Wir helfen natürlich allen unseren Partnern, wenn sie dies wollen usw. usf. Kurz und knapp, jedenfalls schon cool und clever reagiert.
Also wenn das spontan war, wenn er auf diese Frage unvorbereitet war, Respekt. Da hat er sich in einer Live-Situation sehr gut geschlagen. Auch die Antwort ist unter diesen Umständen und aus russischer Sicht ziemlich effektvoll, wenn man drüber nachdenkt. Es hätte (aus meiner Sicht) sicher bessere Antworten oder Alternativen gegeben (die gibt es ja immer), z. B. dass Ertrinkende oft blindwütig um sich schlagen und den Retter selbst verletzen können (wie man aus der Rettungsschwimmerausbildung weiß – da Ertrinkende auch für den Retter gefährlich sein können, sollte man vielleicht abwarten, bis sie sich verausgabt haben und bereit sind, sich retten zu lassen) oder dass man schauen müsse, ob das Rettungsboot nicht schon voll ist (haha, kleiner Scherz am Rande; das Boot ist natürlich niemals voll).

Okay, aber so was muss einem unter Stressbedingungen natürlich erstmal einfallen. Mir wäre da garantiert nichts Sinnvolles eingefallen. Wer schon mal vor Kameras oder auf einer Bühne stand, weiß: Wenn du Pech hast, funktioniert man nur im Notlaufmodus, da herrscht nur noch Leere im Kopf. Da ist man so allemal besser bedient, wenn man die zweit- oder drittbeste Antwort wählt.

Könnte mir da auf die Schnelle keinen aktiven deutschen Politiker vorstellen, der ähnlich spontan reagiert hätte. Früher Gerhard Schröder vielleicht, der war ja auch cool. Kinder, insbesondere kleine Mädels, stellen ja oft die fiesesten Fragen, bei denen man manchmal erst zu spät merkt, dass da eine Falle lauert. Auch Mutter musste das schon mal erfahren, unsere Große Mutter meine ich… als sie da im letzten Jahr mal ein ehrliches Gespräch in einer Krabbelgruppe führen wollte und ins Schwimmen kam …

2 thoughts on “Rettungsszenario”

  1. Das erinnert mich an die Ersthelfer-Ausbildung. Dieses Thema war auch da Thema: Was ist, wenn sich das, nennen wir es mal so, “Opfer” nicht helfen lassen will? Man soll ja an das “Opfer” herangehen und ansprechen, ob Hilfe benötigt wird. wird diese Frage verneint, dann abwarten und Tee trinken, bis das “Opfer” bewusstlos wird – genau dann hat man die moralische Pflicht, zu helfen. In dem Sinne wird es sich wohl auch Putin gedacht haben. Und was mich daran erinnert, dass langsam der Auffrischungskurs fällig wird, verdammt, wieder vergessen. Alt ich werde, ja, alt und vergesslich. Was war nochmal?

    1. Ja, hast Recht. So wird er das gemeint haben.
      Ach geht mir übrigens auch so, dass ich langsam alt und vergesslich werde. Geht aber gerade noch so. ;-)

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