Scheitert Nord Stream 2 doch noch?

Was mussten meine müden Augen heute lesen? Neue Sanktionen gegen Russland angedroht, Debatte über Nord Stream 2 …
Na aber, solch ein Szenario hatte ich ja gar nicht auf dem Schirm. Ich hatte doch eher noch, wie ich schrieb, einen US-Militärschlag auf einen deutschen Hafen für wahrscheinlicher gehalten als die energiepolitsche Selbstkastration Deutschlands. Denn dass vor allem transatlantisch orientierte Kreise aus Deutschland heraus (verständlicherweise mit europäischer Rückendeckung) den rätselhaften Vergiftungsfall eines einzelnen russischen Patienten als Vorwand nutzen würden, um die Pipeline Nord Stream 2 auf den letzten Metern noch zu torpedieren, ist an Absurdität kaum noch zu überbieten. Vor allem ist es peinlich, da für jeden offensichtlich, wie krampfhaft kurz vor Ultimo nach einer (dem Normalbürger mit geballter Macht staatsnaher Medien) irgendwie vermittelbaren Rechtfertigung für einen Ausstieg aus diesem für uns ungemein wichtigen Pipelineprojekt gesucht wird; man kann sich ja tatsächlich des bösen Verdachts nicht erwehren, dass eigens zu diesem Zwecke ein passender Fall konstruiert, dramatisiert und instrumentalisiert wurde.
Ein Land wie Russland für den zumal unbewiesenen Vorwurf der Vergiftung eines (dankenswerterweise in Berlin behandelten) russischen Staatsbürgers bestrafen zu wollen, also eine Vorverurteilung vorzunehmen und dann den vermeintlichen Schurken Putin bestrafen zu wollen, indem sich die deutsche Volkswirtschaft selbst den Gashahn zudreht und sich an den US-Flüssiggastropf zwingen lässt, ist schon so dämlich, dass man’s gar nicht glauben kann, wenn man es denn als hier schon länger lebender Zeitzeuge nicht besser wüsste.
An ein derartiges Szenario hatte ich beim Schreiben der früheren themenbezogenen Postings jedenfalls nicht gedacht.
Andererseits schrieb ich auch, man solle seinen Feind nie unterschätzen. Zumal der gefährlichste Feind bekanntlich oft innerhalb der eigenen Stadtmauern steht …
“Eine Nation kann ihre Narren überleben – und sogar ihre ehrgeizigsten Bürger. Aber sie kann nicht den Verrat von innen überleben. Ein Feind vor den Toren ist weniger gefährlich, denn er ist bekannt und trägt seine Fahnen für jedermann sichtbar. Aber der Verräter bewegt sich frei innerhalb der Stadtmauern, sein hinterhältiges Flüstern raschelt durch alle Gassen und wird selbst in den Hallen der Regierung vernommen. Denn der Verräter tritt nicht als solcher in Escheinung: Er spricht in vertrauter Sprache, er hat ein vertrautes Gesicht, er benutzt vertraute Argumente, und er appelliert an die Gemeinheit, die tief verborgen in den Herzen aller Menschen ruht. …”
(Marcus Tullius Cicero)

Nun ja, selbst wenn, ein kalter Winter wird in jedem Falle für Klarheit sorgen.  Warten wir vorerst ab, ob unsere Imperatorin ihren Daumen hebt oder senkt.

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