Steinernes Bekenntnis (II)

Ich laufe ja meist in der Natur, fast nie in der Stadt. Da geraten mir beim Joggen manchmal kleine Steinchen in die Laufschuhe. Das ist störend. Man trabt irgendwo auf einem Gartenweg oder einer unbefestigten Straße entlang, und dort liegt immer etwas Splitt oder grobkörniger Kies herum. Da muss man mit leben, klar. Nun werden aber immer mal ein paar kleine Steinchen von der einen Sohle des Sportschuhs ein paar Zentimeter hochgeschleudert und landen wie zufällig genau in dem Spalt zwischen dem Rand des anderen Schuhs und der Socke oberhalb des Knöchels. Die Laufschuhe hat man meist nicht so fest geschnürt, dass sie dicht am Knöchel anliegen, daher kann ein solches Steinchen bei den nächsten Schritten seitlich immer tiefer in den Schuh hinein rutschen, wenn man Pech hat. Manchmal fällt es auch gleich heraus. Dann hat man Glück. Leider ist es ja so, dass man öfter Pech als Glück hat. Aber auch dann kann man sich arrangieren. Ich hasse es, meinen Lauf wegen eines Steinchens zu unterbrechen. Wenn es auf den ersten Metern passiert, ist es kein Ding. Da hält man an und schnürt die Schuhe neu. Mitten im Lauf sieht das schon anders aus. Da hat man keinen Bock, wegen eines Steinchens aus dem Rhythmus zu kommen und einen guten Lauf zu unterbrechen. Nur in Ausnahmefällen mache ich kurz Halt, um besonders spitze oder große Steinchen aus dem Schuh zu entfernen. Meistens laufe ich weiter und ignoriere das durch den Fremdkörper ausgelöste störende Gefühl, dann rutscht das Steinchen mit der Zeit unter die Innensohle oder an den Rand des Fußbetts oder zur Ferse, wo es bis zum Ende des Laufs liegen bleibt. Man muss nicht jeden störenden Einfluss eliminieren. Härtet zudem die Fußsohlen ab. Wenn ich dann nach dem Lauf zu Hause ankomme, drehe ich den Schuh um und sehe zu, wie das Steinchen herauskullert. Ich werfe es auf den Rasen vor unseren Balkon, zu den hiesigen Steinchen. So manches fremde Steinchen ist schon einen langen Weg mit mir gegangen …

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