Tanz der Masken

Der Wert bzw. die Bedeutung eines Mundschutzes liegt vielleicht nicht so sehr in seiner etwaigen Schutzwirkung, sondern in dem dadurch ausgedrückten Bekenntnis.

Nach außen hin unübersehbar ist es ein textil gefasstes Gelöbnis, eine Unterwerfungsgeste, zugleich auch ein stummer Vorwurf, in gebückter, fast unterwürfiger Haltung an die nicht maskierten Passanten, Kunden, Vorbeigehenden gerichtet: „Ich schweige und gehorche.“ Und Du? Weigerst dich noch, und schützt dein Umfeld nicht, du Ferkel, du Seuchenvogel?

Ich trage einen schneeweißen Mundschutz, weil ich unserer weisen und umsichtigen Regierung vertraue, die dies auf Anraten der vereinten „Wissenschaft“ empfiehlt. Die „Wissenschaft“ irrt nicht. Nie.
Selbst gebastelter Mundschutz, der in den offiziellen Abgabestellen knapp ist, steht sogar höher im Kurs, weil er von Eigeninitiative und besonderem Engagement zeugt. Ähnlich wie die provisorischen Strumpfmasken mit den eingelegten Taschentüchern, die wir früher in der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) zum Schutz vor dem radioaktiven Fallout bastelten.

Ich lege in vorauseilendem Gehorsam meine Maske an, auch wenn dies von der Berliner Obrigkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht befohlen wurde.
Noch ein Vorteil: Der Mundschutz ist der neue Maulkorb.
So wie wir uns heute schützen, werden wir morgen leben.
Mit selbst angelegtem Maulkorb … mit Ausgangsbeschränkungen und absehbar steigenden finanziellen Belastungen, denn irgendjemand wird die Kosten des umfassenden Stillstands tragen müssen. Katerstimmung garantiert. Aber das nehmen wir in Kauf. Wir wissen: Nach der Krise werden wir bzw. die Überlebenden alle etwas ärmer und unfreier sein. Aber dafür natürlich auch glücklicher, gesünder – bis zur nächsten Pandemie …
Und so tragen wir voller Stolz unseren Mundschutz, so wie einst das rote Halstuch der Thälmannpioniere oder das blaue FDJ-Hemd …
Für Frieden und Toleranz – bleibt gesund, Bürger und Bürgerinnen, denn (mindestens) Eure Organe werden noch benötigt!

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