Totalitarismus

Kurz notiert: Ein wesentliches Merkmal totalitärer Systeme (im Unterschied zu lediglich autoritär geprägten Staatsformen) ist eine der Gesellschaft aufgezwungene Ideologie, die alle Lebensbereiche durchdringt und deren Einfluss man sich als Bürger weder im Berufs- noch im Privatleben gefahrlos entziehen kann.
Dieser Einfluss äußert sich u. a. in einem hohen Bekenntniszwang bzw. -druck in der Öffentlichkeit, dessen Intensität besonders in Zeiten des Verfalls oder bei schwächelnden Regimes zunimmt, bis er nur irgendwann die Form ritualisierter Phrasen und formelhafter Beschwörungen annimmt.
Kein Lebenssphäre bleibt dabei ausgespart, weder Kultur noch Sport, Freizeit, Verkehr oder Partnerwahl – alles wird mit einem totalitär wirkenden ideologischen Virus infiziert, der sich durch umfassend wirkende existenzielle Zwänge immer weiter ausbreitet. Existiert ein totalitäres Regime generationsübergreifend, so nehmen Kinder und Jugendliche den Totalitarismus und die aufoktroyierte Ideologie weitgehend als Normalität wahr; sie kennen schließlich von Kindesbeinen an keine andere Realität, keine anderen als die von ihren Lehrern und medialen Faktenerfindern vermittelten Ansichten – im Gegensatz zu ihren Eltern, die vielleicht noch „Zwiedenken“ und „Doppelsprech“ (Orwell) verinnerlicht und sich so gleichsam eine zweite (äußere) Haut zugelegt haben. Kommt einem bekannt vor, ja?

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