Vom Regen in die Traufe

Wer pleite ist, hat in der Regel keine Wahl. Die Nachricht, dass die Ukraine vor der Zahlungsunfähigkeit steht, muss vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse auch nicht verwundern.
Fast drei Monate Stillstand und anarchische Zustände in Kiew haben dem ohnehin finanziell angeschlagenen Land den Rest gegeben. Dass sich die Ukraine jetzt dem Diktat des IWF unterwerfen wird bzw. muss, entbehrt jedoch nicht einer gewissen Ironie.
Die martialisch posierenden Kämpfer auf dem Maidan und die Demonstranten, die ihre speziell für die westliche Auslandspresse in englischer Sprache verfassten und mit ukrainischen Nationalfarben geschmückten Anti-Putin-Plakate in die Kameras halten, mögen noch nicht ahnen, dass sie lediglich die traditionelle Abhängigkeit von Russland gegen eine neue Abhängigkeit eingetauscht haben.
Die Ukraine ist dabei, sich unter die Knute des traditionell US-amerikanisch beherrschten IWF zu begeben. Es bedarf wohl keiner hellseherischen Kräfte, um hier den weiteren Fahrplan vorherzusagen. Für die zur Abwendung eines Staatsbankrotts erforderlichen Notkredite wird der Ukraine eine fatale Mixtur verordnet werden, die aus Energiepreiserhöhungen, Privatisierungen, Subventionskürzungen, unter Umständen höheren Rüstungsausgaben und einer raschen Liberalisierung des ukrainischen Finanzmarktes bzw. einer Öffnung der Märkte für US-amerikanische Konzerne bestehen dürfte. Noch was vergessen? Abwertung der Griwna, der Landeswährung. All dies wird die Leute verarmen lassen und wieder auf die Barrikaden treiben. Entsprechend geschulte Berater werden bereitstehen, um dafür Sorge zu tragen, dass die neue Ukraine vom vorgegebenen Pfad der westlichen Demokratie nicht abweicht. Die weiteren bitteren Folgen dieses Weges für die ukrainische Bevölkerung dürften bald absehbar sein. Apropos Demokratie, wann finden da nochmal freie Wahlen statt? Findet wenigstens eine Volksabstimmung über die Zukunft des Landes statt? Ach so, keine Zeit? Der Druck der Straße und so? Muss alles ganz schnell gehen? Verstehe.

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