Vermischtes

Was mir des Öfteren auffällt, ist, dass ich die Handlung vieler Bücher, die ich in meiner Jugend oder Kindheit mit Begeisterung gelesen habe, völlig vergessen habe. Oder verdrängt? Gut, es gab da auch eine lange Lücke in meiner Lesehistorie. Ich hatte ja lange Zeit gar nichts gelesen. Ich glaub, das ging vielen so oder? Irgendwann mit 14 oder so, jedenfalls in dem für Jungs kritischen Alter, hörte ich schlagartig auf zu lesen und hab dann erst viel später wieder ein gewisses Interesse an Literatur entwickelt. Ich will nicht sagen, dass ich es für Zeitverschwendung gehalten habe, aber es waren eben andere Dinge wichtiger. Irgendwie fiel mir dann auf, dass viele Autoren aus meiner Kindheit irgendwie verschwunden sind. Ich meine, dass viele auch nicht mehr verlegt werden, obwohl die schon gut waren. Speziell auf den SF-Bereich bezogen. Obgleich die Bezeichnung Science Fiction bei uns natürlich nicht gebräuchlich war, es hieß: wissenschaftlich-fantastische Literatur. Es waren auch meist Utopien, also positive Zukunftsvisionen, während die heutigen SF-Schinken oft dystopische Handlungskonzepte zur Grundlage haben. Die alten Utopien scheinen da nicht mehr zeitgemäß zu sein. Obwohl diese wissenschaftlichen Utopien eigentlich optimistischer und fortschrittlicher waren als der ganze Bereich der Military-SF oder die Geschichten mit Zombies und Besessenen, z. B. wenn ich mal Peter F. Hamilton nehme, bei dem Seelen aus dem Jenseits über eine Art Dimensionsriss in die Welt strömen und Körper der Lebenden übernehmen… Gefällt mir ehrlich gesagt von der Idee her nicht, klar. Düstere Dystopien mit Gottesbezug, wie man’s von den Amerikanern kennt. Klar, ist Geschmackssache. Oder auch sonst spielen Religionen immer eine starke Rolle in der heute erfundenen Zukunft, während das in den alten sozialistischen Utopien als überwunden galt. Die Vergangenheit bot so gesehen die bessere Zukunft. Zurück in die frühere Zukunft, in die Zukunft der Vergangenheit, könnte vielleicht die Devise lauten. (Nachtrag: Mir fällt gerade ein, dass ich doch letztens einen SF-Roman mit – wenn man so will – positivem visionärem Anspruch las oder mal angelesen hab. Martin Walker: Germany 2064. Aber die Story war wiederum zu flach und die konstruierte Zukunftsvision klang eben so krampfhaft bemüht, unglaubwürdig; war mit das langweiligste Buch seit langem für mich. Na ja, Dystopien haben dagegen vielleicht die höhere Eintrittswahrscheinlichkeit.) Okay, solange es gut und spannend geschrieben ist, mag ich auch alles. Tja, aber von der Grundidee und der Anlage her sind die heutigen SF-Romane meist ein ganz anderes Kaliber als jene positiven Utopien, die ich in der Jugend las. Beispiele spar ich mir mal, die Namen kennt kaum einer oder? Alexander Kröger, Karl-Heinz Tuschel, Klaus Frühauf, Erik Simon usw. sind ja nur einige… Jedenfalls in meiner Erinnerung, die ich hier auf blauem Hintergrund immer mal ausbreite. Es gibt Ausnahmen, die man auch heute noch liest, das sind natürlich die echten Klassiker, wie auch hier schon mal erwähnt, der echt coole Gert Prokop oder die Strugazki-Brüder oder auch der Stanislaw Lem. Von dem hab ich als Kind übrigens eine ganze Reihe Bücher gehabt und die förmlich verschlungen. Erinnere mich besonders an die Geschichten vom Piloten Pirx, die echt Klasse waren und die ich mir letztes Jahr nochmal gekauft hab.

Ach so, ja, aber was ich noch erzählen wollte: Meine ganzen alten Bücher, auch meine Indianerbücher damals und na ja, um die kleinen Trompeterbücher war es eigentlich nicht schade, die sind ja dann leider alle verbrannt. Ja, bei dem großen Brand sind die zerstört worden, bei dem Wohnungsbrand, teils natürlich auch durch Löschwasser vernichtet. Daran war ich aber nicht Schuld. Ich konnte ja nicht wissen, dass die Gardinen so schnell Feuer fangen und das Feuer dann so schnell auf die Möbel und alles übergreift. Ich hatte nur mit dem Kerzendocht etwas experimentiert und die dicke Kerze zermanscht, und als die Flamme immer größer wurde, hatte ich versucht, da etwas Wasser dranzugeben, aber das war ja alles schon so heiß, und auf dem Schreibtisch hatte sich eine kreisrunde Markierung eingebrannt. Das heiße Wachs spritzte mir auf die Hände. Das tat weh. Na ja, und dass die Hallers aus dem oberen Stock ihre Mopeds und einige Benzinkanister im Keller stehen hatten, so dass es immer im ganzen Treppenhaus nach Russenbenzin stank, dafür konnte ich ja auch nichts. War ja gar nicht erlaubt. Haben auch ihre gerechte Strafe… Nein, das darf man natürlich nicht einmal denken. Das sollte ich besser löschen, ich meine streichen. Nun ja, aber dass die Feuerwehrleute zu spät kamen, betrunken waren und den verrosteten Hydranten erst nicht aufbekamen, war eben Pech. Die Männer hatten vorher noch ein Dienstjubiläum gefeiert. Jedenfalls eine scheußliche Sache das alles. Allerdings ein Anblick, der sich einprägt, wandelnde lebende Fackeln, deren Schein die Straße erhellt und sich in Löschwasserpfützen spiegelt, und die Schatten von Bäumen und Fahrzeugen, die sich im flackernden Licht an der gegenüberliegenden Häuserwand abzeichneten. Und die Schreie. Grässlich. Im laufenden Schuljahr war’s mir dann im Chemieunterricht noch immer etwas peinlich, weil auf einigen Schulheften und dem Chemiebuch noch diese hässlichen Wachsspritzer drauf waren. Ich war ja gerade bei den Hausaufgaben, als das passiert ist. Zum Glück hab ich meine Schulsachen und den Ranzen und den teuren Pelikan-Füller da noch retten können. Aber alle anderen Kinder hatten immer so saubere Hefte und Bücher und meine waren voller Brandspuren. Dafür schämte ich mich, obwohl niemand was merkte. Ich kaufte mir dann neue Schutzumschläge aus dunkelblauer Kunststofffolie, fein geriffelt, sah ganz gut aus, aber das half nichts. Ich wusste immer, dass die Wachsspritzer drunter sind, auch wenn man sie nicht sah. Schon komisch. Ich hatte in meinen Wohnungen später auch nie Gardinen, nur Jalousien mit schlanken Lamellen aus blau schillerndem Aluminium. Die sehen stylish aus, sind sehr praktisch und lassen sich gut reinigen. Machen keine Probleme oder?

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