Waffel

Hast wohl einen an der Waffel? Das hört man auch relativ oft oder? Schon mal überlegt, woher diese Redewendung stammt? Nun denn, auch dieses Geheimnis sei an dieser Stelle mal gelüftet: Ein gewisser Walter Fritzke goss probeweise Gummi in das Waffeleisen seiner Frau, als er Anfang der 70er Jahre Experimente anstellte, um das berühmte Waffelsohlenmuster einer bekannten US-amerikanischen Laufschuhmarke zu reproduzieren. Als Walters Frau von der Arbeit müde nach Hause kam, geriet sie außer sich vor Zorn und warf ihrem Mann das gusseiserne Küchengerät an den Kopf. Walter starb. Aber nicht sofort. Vorher war er, wie soll ich es ausdrücken, also er stand etwas neben sich, auch wenn er lag. Hatte eben einen an der Waffel.

Nun ja, zum besseren Verständnis dieser spontanen Tat sollte ich vielleicht etwas weiter ausholen. Dieses brünierte Waffeleisen war nämlich ein Erbstück, das sich über Generationen im Besitz der Familie Fritzke befunden hatte. Der Großvater von Mary, was die Frau des vorgenannten Walter war, also der Opa mütterlicherseits, dieses Detail ist übrigens auch sehr wichtig, der hatte also dieses dampfbetriebene Waffeleisen vor dem großen Krieg, den man später den ersten Weltkrieg nennen sollte, in einem kleinen Gemischtwarenladen in Knoxville, Tennessee, erworben und seiner damaligen Gattin Elise zum 20. Hochzeitstag geschenkt. Als Elises Tochter nach dem verheerenden Krieg wie viele deutschstämmige Amerikaner ins aufblühende Europa auswanderte, befand sich auch dieses schwere alte Waffeleisen in ihrem Reisegepäck. Muss man sich vorstellen, was ihr dieses Stück bedeutet haben muss, obwohl ja damals auf dem Raddampfer jedes Kilo zählte, besser gesagt, jedes Pfund. Die gute Frau kam ja aus Amerika, wo das metrische System bekanntlich nicht so gebräuchlich war und ist. Da wär es natürlich der Glaubwürdigkeit dieses Beitrags nicht unbedingt förderlich, wenn ich jetzt anfangen würde, von Kilogramm und Meter zu reden. Ihr seht daran, Mädels, wie wichtig mir das alles ist und wie genau ich es nehme mit der historischen Wahrheit und dem ganzen Rest.

Als Walter, also der Mann ihrer Tochter oder Enkelin, so genau weiß ich das jetzt auch nicht mehr, als der dieses Familienerbstück dann während der Rezession in den 70er Jahren zweckentfremdete und einen Batzen stinkender Gummimasse auf die heiße Oberfläche presste, war dann Schluss mit lustig. Verständliche Reaktion oder? Diese Begebenheit sprach sich dann in der Herzogenauracher Nachbarschaft schnell herum, oder wo auch immer das war. Und seit der Zeit ist dieser Ausdruck eben gebräuchlich.

Zum Schluss noch eine Aufgabe fürs Selbststudium (Abiturstoff): Entwickeln Sie ein inhaltliches Verständnis für das bestimmte Integral als Flächeninhalt eines Waffeleisens und als aus Änderungen rekonstruierter Bestand an Waffeln. Alles klar?

6 thoughts on “Waffel”

      1. Davon einmal abgesehen, würde ich manchen Gästen mal gern das eine oder andere Gerät an den Kopf werfen. Abgehalten hat mich nur eine Tatsache: der scheiss Kessel ist zu schwer dafür ;)

          1. Stimmt, die werden dann einfach mitgenommen, genauer gesagt, geklaut. Als vorgeschobene Rechtfertigung hört man dann, die würden ja so fest drin stecken im Fleisch, man könnte sie nicht rausziehen. Weil man angeblich verbluten würde… so oder ähnlich schwachsinnige Ausreden würdeste dann hören.
            Voll lachhaft!

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