Weiter zu Nord Stream 2

Aufzeichnen mmScreenshot aus „Marktberichte“ (Unterstreichung hinzugefügt), 07.08.2020, ING Diba; https://wertpapiere.ing.de

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Schneider zeigt sich also empört und fordert, Deutschland dürfe sich nicht „wie ein Vasallenstaat“ behandeln lassen.

Warum sagt dieser führende und zweifellos ehrenwerte SPD-Politiker dies?
Möchte er nicht, dass der (unvermeidbare) Eindruck entsteht, die BRD könnte ein abhängiger Vasallenstaat sein, oder ist ihm der US-Vasallenstatus der BRD zwar bewusst, er möchte aber nicht, dass die BRD offen als das behandelt wird, was sie ist – vermutlich, weil er sich irgendwelche deutschen Sonderrechte oder Ausnahmeprivilegien im Unterschied zu niederrangigen Vasallenstaaten erhofft?
Was würde er denn dagegen tun? Glaubt jemand, dass die Lage anders wäre, wenn statt Merkel ein(e) SPD-Mann/-Frau oder ein(e) Grüne(r) Bundeskanzler wäre? …
Jeder bundesdeutsche Kanzler in der Nach-Merkel-Ära würde/wird solche unverhohlenen Drohungen ebenfalls nur zur Kenntnis nehmen und sich wegducken (müssen) …
Und die gute Frau Dr. Merkel schweigt weiter … sie nimmt die Drohungen der US-Senatoren lediglich zur Kenntnis. Könnte man ja glatt als Ermutigung zu weiterer Erpressung interpretieren.
Wie geht’s nun weiter?
Kommt drauf an, wie wichtig den US-Strippenziehern die Verhinderung (bzw. Torpedierung) dieses Projekts ist.
Ich hatte anfangs (wie in früheren Blogartikeln nachzulesen ist) angenommen, dass Nord Stream 2 angesichts des mittlerweile erreichten Fertigstellungsgrades nicht mehr zu stoppen ist und aggressive Politiker/Lobbyisten aus dem Dunstkreis der US-Flüssiggasindustrie vielleicht noch eine Weile herumzetern, sich aber vernünftigerweise auch irgendwann mit der Realität abfinden werden, der zufolge deutsche Unternehmen tatsächlich gelegentlich auch ohne ausdrückliche Billigung der USA bilaterale  Verträge schließen und wirtschaftliche Abmachungen treffen.
Nach den aktuellen Drohungen bezüglich Sassnitz (siehe Screenshot) bin ich doch eher skeptisch gestimmt.
Was könnte die Amerikaner denn abhalten, die deutschen Hafenanlagen mittels Drohnen in einer dunklen Nacht zu bombardieren oder auch die bereits verlegte Pipeline physisch zu zerstören? Nichts.
Wenn die US das ernsthaft tun wollen, um Russland zu schaden und Deutschland an den Tropf der US-Flüssiggasindustrie zu zwingen, werden sie das wohl tun. Niemand könnte sie aufhalten.
Erleben wir da auch eine unerklärliche Explosion im Fährhafen von Sassnitz? So ein Unglück aber auch, dass da auch die ganzen Stahlrohre und das einzige russische Verlegeschiff zerstört wurden … – na, das wäre aber bestimmt auf unerlaubte Schweißarbeiten in der Nähe von explosiven Düngervorräten zurückzuführen. Oder die unerklärlicherweise in der Pipeline entstandenen Risse und Löcher? Na, daran wäre ja dann die mangelhafte Qualität des russischen Materials schuld, würden wir baldigst aus der Presse erfahren …
Unwahrscheinlich? Klar, das würden „die“ doch natürlich nie tun. Die Amerikaner sind ja unsere „Freunde“ und „Verbündeten“. Die sind ja nur besorgt um uns …

Merkels Schweigen könnten die Amerikaner allerdings als Ermutigung aufgefasst haben. Was hätten die Amerikaner überhaupt schlimmstenfalls von Deutschland zu befürchten? Schlechte Presse? Sanktionen? Natürlich sinnlos und kontraproduktiv. Jetzt erkennt man auch, wie sinnlos es ist, den Exportweltmeister zu spielen, ohne seine wirtschaftlichen und außenpolitischen Interessen schützen und verteidigen zu können. In Europa steht Deutschland, wie immer, in dieser Frage auch allein.  … Daher steht möglicherweise zu befürchten (und ich hoffe, ich irre mich), dass Nord Stream 2 mit einem Knall enden (oder verpuffen) wird …

One thought on “Weiter zu Nord Stream 2”

  1. Vielen Dank für diese aktuellen Informationen. Ihr Blog ist eine großartige Ressource. Ich hoffe, dass Sie diesen Blog weiterhin schreiben und aktualisieren werden.

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