Weltfrieden

DSCN3194_spacenightWenn ich recht drüber nachdenke, hab ich mich noch nie von irgendwelchen Wahlplakaten oder Wahlwerbespots in irgendeiner Wahlentscheidung beeinflussen lassen. Oder doch? Unbewusst, könnte man vielleicht einwenden. Wenn überhaupt, habe ich es höchstens als Negativmerkmal oder lästiges rituelles Beiwerk wahrgenommen. Kurios allemal, dass man offenbar in den Parteizentralen (oder den beauftragten Werbeagenturen) immer noch denkt, junge, unverbrauchte Gesichter der smarten Kandidaten (und -innen natürlich), die einen von den hoch gehängten Wahlplakaten dümmlich angrinsen, würden der Wählerschaft, also dem insgeheim verachteten Stimmvieh, vielleicht auf irgendeine magische Weise Vertrauen und Sympathie einflößen. Glaubt man das? Trau keinem über 30, hieß es früher. Homer Simpson sagte das auch mal in einer Folge. Dabei seh ich das genau umgekehrt. Ein politisches Amt würde ich niemandem anvertrauen, der weitgehend unerfahren ist, vielleicht gerade mal die Schule verlassen, höchstens mal ein Volontariat oder ein Praktikum beim väterlichen Mentor, einem anderen Abgeordneten, oder was in Medien/Werbung gemacht hat oder Geisteswissenschaften/Jura studiert, möglicherweise (freilich nur wegen der hohen Belastung durch die politische Arbeit) auch nie einen Abschluss erreichen wird und ansonsten eben nichts kann, nichts ist und ohne ererbtes Vermögen oder Beziehungen nie etwas sein wird/würde. Okay, das kann man letztlich nie mit Sicherheit wissen. Wobei der politische Nachwuchs zwar meist mit mehr als genug Selbstbewusstsein ausgestattet ist, aber fehlende Reife durch nichts zu ersetzen ist. Wiewohl auch Alter vor Torheit nicht schützt, klar, trifft bisweilen auch zu. Aber wer selbst nie gearbeitet hat, kann sich eben auch schlecht in einen Selbstverdiener und -zahler hineinversetzen. Fakt. Klar, dass man da nichts wuppen kann. Zumal, wenn man von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und zu blöd ist, einen Eimer Wasser umzutreten, sollte man keine Großprojekte beaufsichtigen. Sieht man in Berlin, z. B. Großflughafen, Spreedreieck, Bankgesellschaft etc. pp. Schilda lässt grüßen. Kann ja auch gar nicht anders sein. Haftet ja keiner. Kostet nichts, zahlt der Staat. Ah, bloß gut.

Wie auch immer, bei mir hat’s jedenfalls damals nach der Schule bestimmt ca. 10 Jahre gedauert, bevor ich mich so weit verändert hatte, dass ich lernte, selbst- und eigenständig zu denken, an gewissen Weisheiten auch zu zweifeln und eingetrichterte Dogmen und hohl gedroschene Phrasen der Älteren, Lehrer, Vorgesetzten und Dozenten zu hinterfragen. Wusste man ja damals noch nicht, wie wenige dieser Leute an ihr eigenes Geschwätz tatsächlich glauben. Man wäre überrascht …  Obwohl die Macht der Autosuggestion auch nicht zu unterschätzen ist. Wahnsinn aber, wie fest sich alte Gedankenmuster einprägen, wie präsent die noch sind. Früher ist man durch die offiziöse schulische Beeinflussung einfach nicht man selbst gewesen. Ist daher nicht eure Schuld. Aber wie gesagt, Hände weg von der Politik, Kinder. Nie vergessen: Politisch Lied, ein garstig’ Lied.
Jedes Bildungssystem formt entsprechend den geltenden Anforderungen die systemkonformen Menschen, die gerade gebraucht werden. Früher Kanonenfutter, heute stumpfsinnige Konsumzombies. Gut, der Vorteil ist, dass man erstmal wie vorgegeben funktioniert (dient auch als Selbstschutz), aber die erlebte Realität lässt irgendwann jeden Widerspruch unbarmherzig und ungeschönt zu Tage treten. Dann bestimmt das Sein das Bewusstsein, und man wird endlich der, der man ist.

Manchmal bleibt man auch unter dem Einfluss von dominanten Eltern, Lehrern oder Mentoren zurück als Mündel, als unmündiges Subjekt. Das ist dann das fremde Dasein, das das individuelle Bewusstsein bestimmt. Oder das Bewusstsein bestimmt das Sein, wenn man seine Utopien zur beruflichen Grundlage macht und beschließt, Politiker oder irgendwas in der Betreuungsindustrie zu werden. Da hätte man dann Marx wieder vom Kopf auf die hegelianischen Füße gestellt, wenn ich mal so frei sein darf.

Aber gibt auch genügend Beispiele für parlamentarische Blindgänger und Versager, die man sich selbst aus den (ohnehin schon geschönten) Lebensläufen raussuchen kann. Krass, weil solche Leute nach bestem Wissen und Gewissen natürlich nie unabhängig, sondern immer von Fremdinteressen bestimmt sind und auch nicht souverän zum Wohle „ihrer“ Wähler entscheiden können. Wie auch? Und wollen die das überhaupt? Um sich aus der selbst verschuldeten oder meinetwegen auch unverschuldeten Unmündigkeit zu befreien, müsste man sich aus eigener Kraft und durch reale anerkannte Leistungen emanzipieren. Wer noch nie Steuern, Abgaben oder Stromrechnungen (zumal von selbst verdientem) Geld zahlen musste, kann immer wohlfeil von Umverteilung, bunter Vielfalt und sozialer Gerechtigkeit schwafeln – aber sein fremdfinanziertes Dasein hat ein ganz spezielles Bewusstsein ausgebildet. Schulische Gehirnwäsche und der Zwang undemokratischer Parteistrukturen bilden eine verhängnisvolle, aber folgerichtige Allianz. Geht immer um Interessen. Nur nicht um deine oder meine, nicht um unsere. Geht’s dem Bürger gut, fühlt er sich frei, so ist das im Grunde nur ein Kollateralschaden des modernen Parteienstaates. Im Übrigen auch völlig lachhaft, wenn da bei den opulenten Diäten immer Vergleiche zu Managergehältern in der Wirtschaft gezogen werden. Quatsch, ich wette, die meisten unserer Helden wären unvermittelbar. Erst nach Abschluss ihrer politischen Karriere sind abgehalfterte, ich meine natürlich verdiente Politiker wegen ihrer Beziehungen interessant für die Wirtschaft – als Lobbyisten, Türöffner, Einflussnehmer und Networker. Aktuell auch an Manuel Barroso zu sehen, dem vorherigen EU-Kommissionspräsidenten, der sich von Goldman Sachs seinen Ruhestand vergolden lässt. Aber in Ordnung, ich werde mal nicht so viel negatives Gedankengut verbreiten. Schlecht für mein Karma. Alles ist gut. Wenn nicht, dann wird es gut. Ach so, am Wochenende sind diese Wahlen in Berlin, deshalb kam ich wieder auf das Thema. Versucht man ja sonst immer elegant zu umschiffen, aber was soll der Geiz. Geschrieben ist geschrieben. Und der Weltfrieden ist auch wichtig, klar. Muss man alles tun dafür. Um den zu sichern, meine ich. Die Nato, die macht das. Den Weltfrieden.

PS: Schier unglaublich, zum Fremdschämen. Das ist Sawsan Chebli, ein echtes “High Potential” der Politik, in das Amt der stellvertretenden Sprecherin des Auswärtigen Amtes gehievt. Das ist also jemand, der unser Land auf internationaler Bühne repräsentieren soll. Sollte man eine gewisse Mindestkompetenz und -eignung erwarten können. Aber wir wissen alle, wie’s ist…

2 thoughts on “Weltfrieden”

  1. Ist kein Paradoxon. Wer gute Politik haben will muß Politiker unterstützen die Politik hassen. Solange wir Politiker haben die es lieben Politik zu machen – also was auch immer in Gesetzesform zu giessen, kann es auch keinen Frieden geben. Weltfrieden mit unseren Politikern funktioniert genauso wenig wie Sozialismus irgendwo auf dieser Erde, (jedenfalls im größeren Rahmen). Wer zündelt denn wie blöd? Wer führt weltweit Krieg und wer schicke weltweit Soldaten zum verrecken? Na? Die Bevölkerung ist es nicht, bleiben also nur die “Eliten” und die haben mit Übergriffen ja beweisbar keine Probleme was wieder zu Widerstand und Aufruhr führt, irgendwer will immer an die Macht und immer wieder finden sich genügend diese Machthaber zu unterstützen….

    Frei nach unsere FDP: Nichts darf unreguliert bleiben…..

    1. Ja, man müsste vielleicht gerade Leute in die Politik holen, die das eigentlich nicht wollen, kein politisches Amt anstreben (und es auch nicht nötig haben). Jetzt gibt’s quasi eine Negativauslese.

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