Wider die Unterwerfung

Immer mehr Sperrungen in sozialen Netzwerken. In Deutschland wird mehr gesperrt als anderswo auf der Welt. Das verfassungswidrige NetzDG wirkt also (hat sogar das Potenzial zu einem echten Exportschlager, wie man hört).
Indes kann ich wenig Verständnis für Leute aufbringen, die alle paar Wochen bei Facebook oder Twitter wegen ihrer Meinungsäußerungen gesperrt werden, sich dann auf anderen Seiten über Sperrung und Zensur beklagen, brav abwarten, bis ihre Sperrfrist abgelaufen ist, nur um sich dann sofort wieder bei FB oder Twitter anzumelden. Ist ja schon kurios. Man kann sich vielleicht vormachen, dies zeuge von widerständigem Geiste, aber im Grunde ist es nur ein Zeichen von Unterwerfung. Jemand kriecht reumütig wieder in den Schoß derselben Plattformen zurück, die ja bereits mehrmals unmissverständlich zum Ausdruck gebracht haben, dass er/sie dort nicht erwünscht ist. Warum tut man das, wenn man der Meinung ist, dass die Sperrung unberechtigt war und wenn man nicht medial-masochistisch veranlagt ist? Diese Plattformen spucken auf euch, und Ihr leckt ihnen noch die Stiefel und bettelt darum, wieder aufgenommen zu werden oder haltet euch für clever, weil Ihr unter einem anderen Account vorerst wieder durch die Hintertür reinkommt wie der ungebetene Gast auf der Party.

Facebook und Twitter leisten einen Beitrag zur globalistischen Meinungsgleichschaltung und sind daher Feinde jedes freiheitlich gesinnten Menschen. Euer Datenverkehr wird von euren Feinden monetarisiert. Mit jedem Posting auf Facebook oder Twitter stärkt Ihr die Macht eurer Gegner. FB und Twitter verdienen prächtig und planen schon mal neue Löschzentren … Jeder Nutzer bezahlt somit auch die ihn u. U. betreffenden Zensur- und Sperrmaßnahmen. Alternative Netzwerke, Blogs oder Foren lasst Ihr links liegen, da postet Ihr höchstens mal gnädigerweise einen Twitter- oder FB-Link, denn da fehlt euch die tolle Reichweite – und da hat man auch nicht die vielen Follower, auf deren Likes und Herzchen man nicht verzichten möchten.

Dabei war’s noch nie so einfach, sein Ding souverän durchzuziehen. Ich denke z. B., dass die Blogs von Michael Klonovsky und Hadmut Danisch niemals so gut (und so populär) geworden wären, wenn sie sich auf Facebook als Medium verlassen hätten. Noch hat man die Wahl. Zähne zusammenbeißen und sich eine neue digitale Heimstatt suchen; alte und neue Leser werden folgen oder auch nicht. Nur ein User-Exodus kann diese sozialen Netzwerke wirtschaftlich ins Mark treffen. Was wurde denn aus StudiVZ, MySpace und Lokalisten? Kennt kein Schwein mehr. Vergessen und vermodert, so wie Netscape, Second Life und der einstige Weltmarktführer Biodata. Lasst sie doch die finanziellen Konsequenzen ihrer willfährigen Kollaboration mit den Gesinnungswächtern spüren. Ihr habt es doch selbst in der Hand. Der eine User findet sich auf gab.ai wieder, der andere auf vk.com, wiederum andere vielleicht in einem Webforum wie dem Gelben Forum, oder er/sie startet möglicherweise seinen/ihren eigenen Blog oder Videokanal. Den bewegten Facebook- und Twitter-Junkies kann man die Befassung mit süßen Katzenbildern und die allfällige Empörung über ein diskriminierendes T-Shirt-Motiv oder das rassistische Logo der örtlichen Mohren-Apotheke überlassen. Wozu sich in aufreibende Grabenkämpfe begeben? Von Gesinnungswächtern beeinflusste Netzwerke binden nur sinnlos Kräfte und machen abhängig. Man kann nur frei sein, wenn man sich aus der sanften Umklammerung der staatlich beeinflussten sozialen Netzwerke befreit. Abgesehen von den repressiven Lösch- und Zensurmaßnahmen ist doch in der Regel auch der soziale Konformitätsdruck durch das Follower-Umfeld hinderlich – man will gefallen, man braucht Anerkennung, man will Likes.
Scheiß auf die Likes! Scheiß auf die Fuzzis!

2 thoughts on “Wider die Unterwerfung”

  1. Ich denke, es geht weniger darum, dass die betreffenden Menschen etwas zu sagen haben, sondern darum, dass sie beachtet werden. Betrachtet man das geistige Niveau von Facebook und Twitter, ist leicht erkennbar, dass es hier nur um Aufmerksamkeit geht. Wem sonst niemand zuhört, der sucht sich eben sein Medium. Es gibt leider genug Dumme, die das eben doch cool finden und den “Helden” bewundern. Ob nun jede Sperrung gerechtfertigt ist, bleibt fraglich, es ist jedoch ein Standpunkt.

    Diese ganzen kranken Menschen sitzen in der Regel in der sozialen Hängematte und suchen die verlorenen Kontakte im Web. Sichtbarer Ausdruck des Verfalls der Gesellschaft

    LG Clara

    1. Ja, der Drang nach Aufmerksamkeit ist schon immer ein starkes Motiv, für die einen mehr als die anderen. Kann auch zur Sucht werden. Und in gewisser Weise werden ja in allen modernen Medien Relevanz, Aufmerksamkeit und Bedeutung nur simuliert; dem Einzelnen wird durch eine größtenteils rein virtuell existierende Followerschaft vorgegaukelt, das, was er schreibe, sei in irgendeiner Weise für irgendjemanden maßgeblich, der wiederum einen Like setzt, in der Hoffnung, dann ebenso “geliked” zu werden … Die Verbindung ist ja nicht “real”. Man kennt sich gar nicht. Würde man aus dem Netz verschwinden, würde es niemand groß bemerken o. bedauern …
      Andererseits wären nicht vielleicht schon Revolten bzw. offene Unruhen ausgebrochen, würden nicht soziale Netzwerke die Unzufriedenen u. pot. Rebellen vor dem Twitter/Facebook-Fenster sedieren, passivieren, lethargisieren? Dampf ablassen, denn die mobilisierende Wirkung wird ja da oft überschätzt.
      Was täte ein zwanghafter FB/Tw.-User ohne Socnets? Ein Buch lesen? Briefe schreiben? Einen Film schauen? Videospiele spielen? Mal wieder Sport treiben? Ein Auto klauen? Bushaltestelle entglasen? Leute im RL treffen? Leute zusammenschlagen, die doof gucken? Nja, Spaß haben sicherlich … Ich denke, die SocNets virtualisieren und reflektieren vielleicht auch nur in gebündelten Strahlen (jetzt für jeden sichtbar) nach außen, was auch früher immer schon da war …

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